10 Gründe, warum das
Wiener Wasser so gut ist

Manchmal sind es die scheinbar alltäglichen Dinge, die man besonders schätzen sollte. Vielen Bewohnern der Bundeshauptstadt ist nämlich gar nicht bewusst, welchen Luxus sie besitzen. Die Rede ist vom glasklaren Trinkwasser.

von Leitungswasser - 10 Gründe, warum das
Wiener Wasser so gut ist © Bild: Wiener Wasser/Zinner. Verwendung honorarfrei bei Namensnennung.

1. Lebensgrundlage Wasser schätzen lernen

Wenn die Temperaturen über dreißig Grad steigen wächst die Sehnsucht nach einem kühöen Plazt in der Natur oder einem Häuschen mit Pool und Garten. Doch auch die Großstadt bietet ihre Vorteile. Das gute Trinkwasser etwa. Nirgends sonst in Österreich kommt es derart kalt, kristallklar und erfrischend aus dem Wasserhahn. Ein wahrer Luxus! Denn gerade die Ausbreitung des Coronavirus führt vor Augen, wie wichtig sauberes Wasser und Hygiene für die Gesundheit sind.

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2. Was macht das Wiener Wasser so besonders?

Nicht nur die subjektive Wahrnehmung lässt uns an die ausgezeichnete Qualität des Wiener Wassers glauben. Auch die Fakten sprechen dafür: So wird Wien flächendeckend mit Hochquellwasser versorgt. "Die Einzugsgebiete der Quellen sind riesengroße unberührte Naturlandschaften. Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft kommen dort nicht vor. Seit vielen Jahrzehnten sind die Einzugsgebiete der Quellen als Schutzgebiete gewidmet. Das heißt, dass dort außer dem Wandertourismus nicht viel passieren darf", erklärt Astrid Rompolt von der MA 31 "Wiener Wasser".

Aus diesem Grund seien die Hochquellenwässer nahezu frei von den bekannten Verschmutzungen aus Industrie und Gewerbe. Interessant: Die Fläche der Einzugsgebiete beträgt 675 km² – davon sind rund 335 km² Eigengrund der Stadt Wien. Der Eigengrund entspricht einer Fläche, die fast so groß wie die von Wien selbst ist.

3. Woher kommt das Wiener Wasser?

Die Wiener Wasserversorgung entspringt in den östlichen Kalkalpen. Und das seit knapp 150 Jahren. Das Quellgebiet der I. Wiener Hochquellenleitung umfasst das Gebiet von Schneeberg, Rax und Schneealpe.

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Das Quellgebiet der II. Wiener Hochquellenleitung den Gebirgsstock des Hochschwabs. Eine wahre Leistung: Pumpen sind nicht notwendig, denn das Gefälle reicht, damit das Wasser in die insgesamt 330 Kilometer langen Leitungen fließt.

4. Das Hochquellwasser schmeckt man

Zusätzlich – quasi als Sicherheitsnetz um die Wasserversorgung stets zu gewährleisten - wird Grundwasser aus den Wasserwerken Lobau und Moosbrunn ins Rohrnetz eingespeist. Am Jahresverbrauch gemessen ist der Grundwasseranteil aber verschwindend gering: Er macht nur rund fünf Prozent aus.

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Um diese Wasserinfrastruktur und –Qualität zu gewährleisten werden jährlich rund 50 Millionen Euro in die Instandhaltung des Wiener Rohrnetzes investiert. Rund 30 Kilometer Rohre können dadurch pro Jahr saniert werden.

5. Warum ist das Wiener Wasser so kalt?

Den Hahn aufdrehen und schon sprudelt in Wien kühles Wasser ins Glas. Für die Wiener eine Selbstverständlichkeit - für Touristen hingegen eine kleine Sensation. Aber wie funktioniert das mit der Temperatur eigentlich? Die Antwort liegt laut Astrid Rompolt von "Wiener Wasser" an dem ausgeklügeltem System. Durch das Rohrnetz komme das Wasser nahezu so kalt in Wien an, wie es am Fuße des Berges aus der Quelle sprudelt, weil es permanent unterirdisch fließt. Es erwärme sich am Weg im Durchschnitt nur um ein Grad. Das heißt wenn es mit 7 Grad Celsius aus der Quelle rinnt, kommt es mit 8 Grad in Wien an. Cool!

6. Wie war das mit dem Wasser eigentlich früher?

Die ersten Wasserleitungen waren seit dem 16. Jahrhundert vor allem zur Versorgung von Adelshäusern und Klöstern gebaut worden. Die Wegbereiter der Technologie waren mal wieder die Römer, die " Vindobona" bereits mit Zuleitungen versorgten. Für das normale Wiener Fußvolk waren "Wassermann" und "Wasserweib" indes wichtige Bezugsquellen.

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Diese Frauen und Männer verkauften sauberes Trinkwasser aus Fässern – was sehr wichtig war. Denn die gängigen Hausbrunnen der Bewohner waren oft verseucht, was zum Ausbruch von Epidemien führte. Was so eine Epidemie bedeutet können wir inzwischen einigermaßen nachvollziehen.

7. Trinkwasser in Wien und anderswo

Schon um 1900 sicherte sich die Stadt Wien das gute Trinkwasser. Die Erste Hochquellleitung liefert seit 1873 Wasser aus Rax- und Schneeberggebiet nach Wien. Die Zweite Hochquellleitung führt zum Hochschwab. Diese wurde 1910 errichtet. Zum Vergleich: Die Steirer stießen 1968 auf das Wasser im südlichen Hochschwabmassiv und befanden es als ideale Bezugsquelle. Erst seit dem Jahr 1993 wird das Grazer Wassernetz von dort gespeist – und besitzt nun endlich eine ausgezeichnete Wasserqualität.

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Auch die Trinkwasserversorgung von Salzburg hinkt der Wiener deutlich hinterher. Während Wien schon ihre erste Hochquellleitung besaß, herrschte in der Stadt Salzburg gegen Ende des 19. Jahrhunderts Wassernot. In vielen Häusern war es damals üblich, das Wasser rinnen zu lassen, denn im Winter konnten dadurch die Wasserleitungen nicht einfrieren und im Sommer wurden die Häuser damit gekühlt. Heute kommen 90 Prozent des gesamten Trinkwassers für die Stadt Salzburg von den Grundwasserwerken in Glanegg, St. Leonhard und Taugl.

© Wiener Wasser, Novotny Die Wasserhärte ist abhängig von der Aufenthaltsdauer im Berg. Je länger es im Berg ist, umso mehr kann sich das Wasser mit mineralischen Inhaltsstoffen anreichern.

Das Trinkwasser der Stadt Salzburg muss laut eigenen Angaben nur im Ausnahmefall desinfiziert werden. Insgesamt ist es jedoch deutlich kalkhaltiger als das Wiener Wasser. Das Wiener Wasser gilt als weich bis mittelhart (6-13 Grad deutscher Härte). "Die Wasserhärte ist abhängig von der Aufenthaltsdauer im Berg. Je länger es im Berg ist, umso mehr kann sich das Wasser mit mineralischen Inhaltsstoffen anreichern", sagt Expertin Astrid Rompolt.

Auch Linz bezieht seine Trinkwasservorkommen aus dem Untergrund. Das Wasserwerk Scharlinz entnimmt das Wasser aus dem Grundwasserstrom, der in den Tiefen der Welser Heide vom Westen her nach Scharlinz fließt.

8. Österreichs jährlicher Wasserbedarf

Für die Trinkwasserversorgung des gesamten Landes wird also ausschließlich Grund- und Quellwasser verwendet. Qualitativ sei dies das beste Wasser, weil es im Unterschied zu Oberflächengewässer durch die Bodenpassage am besten geschützt ist, betont die Österreichische Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW).

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Österreichs gesamter Wasserbedarf liegt jährlich bei 2,2 Milliarden Kubikmeter, zwei Drittel davon entfallen auf Landwirtschaft und Industrie. Pro Jahr werden von den Wasserversorgern rund 800 Milliarden Liter Trinkwasser aus Brunnen und Quellen gewonnen. Wichtig: Auch in Zeiten der Coronavirus-Krise seien Bedenken zur Wasserqualität nicht notwendig! Für den Notfall sind alle Brunnen und Quellen mit Strom unabhängigen Chlorgasanlagen zur Desinfektion ausgestattet.

9. Bitte tun Sie das nicht mit Leitungswasser!

Trotz der großartigen Qualität ist das Abfüllen von Leitungswasser in Flaschen nicht sinnvoll. Da auch Trinkwasser nicht gänzlich keimfrei sei, könne sich bei längerer Lagerung ein gesundheitsgefährdender Cocktail entwickeln. Warme Temperaturen seien für die unsichtbaren Mikroorganismen eine ideale Voraussetzung für das Wachstum. Im Wasser können sich manche Bakterien unter bestimmten Bedingungen sehr schnell entwickeln und im schlimmsten Fall auch Krankheiten auslösen.

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Wichtig: Mehr als maximal zwei bis drei Tage sollte Wasser bei Temperaturen über 20 Grad nicht gelagert werden. Mineralwasser in originalverschlossenen Flaschen sei praktisch endlos haltbar. Die Hersteller geben zwar meist eine Haltbarkeit von zwei Jahren an. Doch auch darüber hinaus ist das Wasser in den meisten Fällen noch genießbar.

10. Wasser-Ausflugstipp für die ganze Familie

Wer an dieser Stelle nicht genug zum Thema Wasser erfahren hat, dem legen wir folgenden Ausflug ans Herz: Den "1. Wiener Wasserleitungsweg“. Ausgangspunkt der Wanderung „ ist der Parkplatz am Ortsende von Hirschwang. Von dort geht mman durch das wunderschöne, zwischen Rax und Schneeberg gelegene Höllental bis nach Kaiserbrunn. Seit 1998 besteht der Wanderweg entlang der Hochquell-Wasserleitung von Kaiserbrunn nach Reichenau.

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Er ist besonders gut für einen Ausflug mit der ganzen Familie geeignet. Denn die nicht ganz 4 km lange Strecke verläuft über einen relativ flachen Steig mit einigen Leitern und Stiegen und ist auch für Kinder gut zu bewältigen. Wer sich vor Beginn der Wanderung thematisch einstimmen möchte, macht am besten noch einen Abstecher ins Wasserleitungsmuseum in Kaiserbrunn.

Adresse
Wasserleitungsmuseum Kaiserbrunn
Kaiserbrunn 5
2651 Reichenau an der Rax