Familie von

Karenz und Co.: Was
Eltern wissen müssen

Ein Wegweiser durch den Informationsdschungel

Vater mit Baby © Bild: iStockphoto.com/Anchiy

Wer in Karenz geht, bekommt nicht automatisch Kinderbetreuungsgeld. Und unter Kindergeld versteht man wieder etwas anderes. Welche Modelle es gibt und was für Möglichkeiten werdende Eltern haben.

Was bedeutet Karenz?

Die Karenz, auch Elternkarenz genannt, bezeichnet lediglich den rechtlichen Anspruch auf Freistellung von der Arbeit und ist unabhängig vom Kinderbetreuungsgeld. Während der Karenzzeit sind die Mutter oder der Vater durch den Kündigungs- und Entlassungsschutz abgesichert (das gilt ab dem Zeitpunkt der Meldung der Karenz). Direkt nach der Geburt ist die Mutter acht bis 12 Wochen lang im Mutterschutz, danach beginnt die Karenzzeit. Diese geht maximal bis zum 2. Geburtstag des Kindes. Die Dauer der Karenz muss dem Arbeitgeber schriftlich bekannt geben.

Wer länger zuhause bleiben will, muss dazu eine schriftliche Vereinbarung mit dem Arbeitgeber treffen. Eine Verlängerung ist durch einen Aufschub der Karenz möglich. Beide Elternteile können jeweils 3 Monate ihrer Karenz aufschieben (maximal bis zum 7. Lebensjahr des Kindes). Das muss allerdings dem Arbeitgeber noch im Mutterschutz beziehungsweise bei einer Teilung der Karenz mit der Bekanntgabe des zweiten Karenzteils mitgeteilt werden. Und das Ganze hat auch den Nachteil: Nach dem Ablauf des 2. Lebensjahres des Kindes besteht trotz Karenz kein Kündigungs- und Entlassungsschutz mehr.

Die Eltern können sich die Karenz auch teilen, wobei maximal zweimal gewechselt werden darf (z.B.: Mutter-Vater-Mutter). Jeder Teil muss mindestens zwei Monate dauern und der Wechsel muss direkt im Anschluss erfolgen. Eine Ausnahme gibt es: Beim ersten Wechsel können beide Elternteile ein Monat gleichzeitig in Anspruch nehmen. Die Karenz endet dann spätestens mit Vollendung des 23. Lebensmonats des Kindes.

Anspruch auf Karenz haben:

  • Arbeitnehmer
  • Heimarbeiter
  • Beamte
  • Vertragsbedienstete
  • Lehrlinge

Die Karenz ist übrigens nicht zu verwechseln mit dem Papamonat: Der Papamonat (auch "Väterfrühkarenz" genannt) soll die gemeinsame Betreuung des Kindes mit der Mutter in den ersten Lebenswochen ermöglichen.

Passend dazu: Papamonat: 10 Fragen und Antworten

Welche Varianten gibt es beim Kinderbetreuungsgeld?

Während der Karenz haben Mutter und Vater Anspruch auf das sogenannte Kinderbetreuungsgeld. Dieses muss bei der zuständigen Krankenkasse beantragt werden. Der Bezug des Geldes deckt sich allerdings nicht unbedingt mit der Karenzzeit. Die Anspruchsdauer beginnt mit dem Tag der Geburt und verlängert sich nicht aufgrund der Auszahlung des Wochengeldes, das während des Mutterschutzes (8 - 12 Wochen) erfolgt.

Anspruch auf Kinderbetreuungsgeld haben Eltern, wenn:

  • ein Anspruch und Bezug von Familienbeihilfe für das Kind besteht
  • der Mittelpunkt der Lebensinteressen in Österreich ist
  • sie sich rechtmäßig in Österreich aufhalten
  • es einen gemeinsamen Haushalt mit dem Kind und idente Hauptwohnsitzmeldungen gibt
  • die Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen durchgeführt werden
  • die Zuverdienstgrenze eingehalten wird

Für Geburten ab dem 01.03.2017 gibt es zwei Kinderbetreuungsgeld-Varianten:

1. Das Kinderbetreuungsgeld-Konto
Das Konto ist vor allem für sozial schwächere Familien gedacht und kann auch beantragt werden, wenn vor der Geburt beispielsweise Arbeitslosengeld bezogen wurde. In dem Topf befinden sich 12.366,20 Euro, wenn nur ein Elternteil das Kinderbetreuungsgeld bezieht oder 15.449,28 Euro, wenn sich beide Elternteile den Bezug teilen (also sich in der Karenz abwechseln und sich die Bezugsdauer somit verlängert). Das Geld aus dem Topf ist pauschal für alle Bezieher gleich hoch und kann über ein oder zwei Jahre lang bezogen werden. Wer länger in Karenz bleibt, bekommt demnach monatlich auch weniger Geld.

Quelle: Arbeiterkammer

2. Das einkommensabhängige Kinderbetreuungsgeld

Wer das einkommensabhängige Kinderbetreuungsgeld beantragen will muss laut Arbeiterkammer in den 6 Monaten vor Beginn des Mutterschutzes beziehungsweise bei Vätern unmittelbar vor der Geburt des Kindes "eine pensions- und krankenversicherungspflichtige Erwerbstätigkeit in Österreich tatsächlich und ununterbrochen ausgeübt haben. Zudem muss das Dienstverhältnis bei Geburt des Kindes aufrecht sein."

Das einkommensabhängige Kindergeld hat außerdem eine Obergrenze: Man erhält 80 Prozent des Wochengeldes, aber maximal 66 Euro täglich (rund 2.000 Euro monatlich). Das Wochengeld errechnet sich nach dem durchschnittlichen Nettoverdienst der letzten drei Kalendermonate vor Beginn des Mutterschutzes - inklusive Sonderzahlungszuschläge. Anders als beim pauschalen Konto kann bei dieser Variante das Geld nicht für bis zu 35 Monate bezogen werden. Wenn ein Elternteil in Karenz geht, beträgt die Anspruchsdauer maximal 365 Tage (bis zum 12. Lebensmonat des Kindes). Wenn beide Elternteile sich abwechseln, kann das Geld maximal 426 Tage (bis zum 14. Lebensmonat des Kindes) bezogen werden. Dafür ist das einkommensabhängige Kindergeld in der Regel insgesamt höher als der Konto-Topf. Ob sich diese Variante auszahlt, kann man online mithilfe des Kinderbetreuungsgeld-Rechners nachvollziehen.

Hier finden Sie einen Rechner für das einkommensabhängige Kinderbetreuungsgeld.

Eine zusätzliche Option innerhalb des Kinderbetreuungsgeldes ist der Partnerschaftsbonus: Egal für welche Bezugsvariante sich Eltern entscheiden, wenn sie sich die Bezugsdauer mindestens 40:60 aufteilen, erhält jedes Elternteil 500 Euro Bonus, also insgesamt 1.000 Euro. Dazu müsste einer der Partner wenigstens rund 4 Monate lang Kinderbetreuungsgeld beziehen.

Auch interessant: In 7 einfachen Schritten zum Familienbonus

Was ist das Kindergeld?

Das Kindergeld oder die Familienbeihilfe erhält man, wenn sich der Lebensmittelpunkt in Österreich befindet und das Kind im gemeinsamen Haushalt lebt. Mittlerweile muss die Familienbeihilfe bei der Geburt nicht mehr extra beantragt werden: Die Finanzverwaltung prüft automatisch, ob alle Anforderungen erfüllt sind und überweist die Familienbeihilfe auf ein Konto der Eltern. Das Geld kann immer nur von einem Elternteil bezogen werden. Für Kinder über 18 Jahre besteht noch ein Anspruch auf Bezug, wenn die Berufsausbildung (Studium, Lehre) bis dahin noch nicht abgeschlossen ist. Wurde der Präsenz-, Ausbildungs- oder Zivildienst oder das freiwillige soziale Jahr abgeleistet, kann die Beihilfe aufgrund der Berufsausbildung auf das 25. Lebensjahr verlängert werden.

Familienbeihilfe (inklusive Mehrkindzuschlag)
Alter des Kindes Monatlicher Betrag Anzahl der Kinder Zusatzbetrag pro Kind Zusatzbetrag gesamt
ab Geburt 114,00 Euro 2 7,10 Euro 14,20 Euro
ab 3 Jahren 121,90 Euro 3 17,40 Euro 52,20 Euro 
ab 10 Jahren 141,50 Euro 4 26,50 Euro 106 Euro
ab 19 Jahren 165,10 Euro 5 32 Euro 160 Euro 
    6 35,70 Euro 214,20 Euro
    7 52 Euro 364 Euro 
    8 52 Euro 416 Euro

Quelle: Arbeiterkammer

Sonderregelungen gelten im Fall von Kindern mit körperlicher oder geistiger Behinderung.

Weiterführende Informationen bieten folgende Websites: