Das Leben und Leiden der Kaiserin Masako von Japan

Erst Einser-Schülerin, dann Diplomatin, dann Prinzessin und schlussendlich Kaiserin. Steiler aufwärts kann ein Leben kaum verlaufen. Doch die Kaiserinnenwürde brachte mehr Schatten- als Sonnenseiten für die Ehefrau von Kaiser Naruhito.

von Kaiserhaus - Das Leben und Leiden der Kaiserin Masako von Japan © Bild: IMAGO images/ Kyodo News

Steckbrief

  • Geburtsdatum: 9. Dezember 1963
  • Geburtsort: Tokio
  • Voller Name: Masako Owada
  • Titel: Ehefrau des Kaisers von Japan
  • Sternzeichen: Schütze
  • Eltern: Yumiko und Hisashi Owada
  • Geschwister: Reiko Ikeda, Setsuko Owada
  • Ehepartner: Kaiser Naruhito
  • Kinder: Aiko, Prinzessin Toshi
© APA/AFP/POOL/Kimimasa MAYAMA

Masako Owada wurde am 9. Dezember 1963 in Tokio als Tochter von Yumiko und Hisashi Owada geboren. Die spätere Kaiserin von Japan wurde somit nicht in die royale Familie Japans hineingeboren. Prominente Eltern hat sie aber dennoch. Ihr Vater Hisashi Owada ist ein berühmter japanischer Diplomat, der Japan bereits zu zahlreichen Anlässen vertrat. Von 2003 bis 2018 war er Richter am Internationalen Gerichtshof, von 2009 bis 2012 fungierte er sogar als dessen Präsident.

Jugend und Karriere

Als Diplomatentochter reiste Masako schon in frühen Kindheitsjahren rund um die Welt und lernte viele verschiedene Länder und Kulturen kennen. Ihren ersten Kindergarten besuchte sie in Moskau, Russland. Die Grundschule und einige Folgejahre absolvierte sie in Tokio, ihren Schulabschluss machte sie schlussendlich in Belmont, USA.

Ebenso wie ihr Vater stellte auch Masako sich bald als äußerst klug, begabt und ehrgeizig heraus. Bereits die Schule hatte sie mit einem perfekten Notenschnitt abgeschlossen. Danach machte sie ihren Bachelor in Wirtschaft an der Universität Harvard und begann anschließend ein Jurastudium. Bald darauf begann sie als Diplomatin und Übersetzerin für das japanische Außenministerium zu arbeiten und absolvierte ihren Master in Internationalen Beziehungen an der Universität Oxford. Die begabte junge Frau schien eine vielversprechende Karriere vor sich zu haben. Doch dies sollte bald ein Ende haben.

Ehe mit Prinz Naruhito

Als Diplomatin kam Masako mit vielen hochrangigen Personen in Kontakt, darunter auch Mitglieder der royalen Familie in Japan. Im Oktober 1986 lernte Masako den damaligen Kronprinzen Naruhito kennen. Dieser verguckte sich mutmaßlich bereits beim ersten Treffen in die damals 22-Jährige und arrangierte weitere Treffen. Wenige Monate später machte er ihr einen Heiratsantrag. Dieser wurde zunächst von Masakos Eltern abgelehnt, mit der Begründung, sie solle lieber weiter ihre Karriere verfolgen. Auch Masako selbst soll unsicher gewesen sein, ob sie den Kronprinzen wirklich heiraten wolle.

© AFP PHOTO/JIJI PRESS/FILES/apa

Nicht nur Masakos Familie stand der Ehe mit Prinz Naruhito kritisch gegenüber. Auch das Kaiserliche Hofamt betrachtete seinerseits Masako mit Skepsis – Naruhito musste einige Überzeugungsarbeit leisten, um eine Heiratserlaubnis zu bekommen. Der japanische Kaiserhof ist sehr traditionell geprägt und als gebildete Karrierefrau war Masako vielen Aristokraten zu selbstbestimmt. Auch ihre Körpergröße fiel negativ auf, denn Masako ist einige Zentimeter größer als Naruhito.

Doch Naruhito ließ nicht locker und machte weitere Anträge. Ganze sieben Jahre später bekam Masako schlussendlich die Erlaubnis ihrer Eltern, dem Prinzen das Ja-Wort zu geben. Auch das Kaiserliche Hofamt stimmte einer Vermählung zu. Am 9. Juni 1993 heirateten die beiden und Masako wurde Teil der royalen Familie.

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Der Eintritt in die kaiserliche Familie

Durch die Hochzeit veränderte sich Masakos Leben schlagartig. Bereits die Vorbereitungen für die Vermählung waren von einem umfangreichen rituellen Prozedere geprägt. Um sicherzustellen, dass sie einen Thronfolger gebären könne, musste Masakos Fruchtbarkeit im Vorhinein ärztlich bestätigt werden. Auch ein rituelles Reinigungsbad gehörte zur Vorbereitung auf die Prinzessinnen- und später Kaiserinnenwürde. Bei der Hochzeit trug sie ein traditionelles Hochzeitsgewand, welches aus zwölf Stoffschichten bestand und ganze 14 Kilogramm wog.

Mit dem Eintritt in die kaiserliche Familie tauschte Masako ihre vielversprechende Karriere als Diplomatin gegen ein Leben in Tradition, Verantwortung und Öffentlichkeit ein. Strenge Hofetikette, Unterordnung und dauernde Beobachtung waren von nun an Teil ihres alltäglichen Lebens. Keine Spur mehr von der Selbstbestimmung im Beruf als Diplomatin. Ehefrauen von Prinzen und Kaisern haben in Japan nicht viel zu sagen und müssen sich in der Öffentlichkeit unmissverständlich unterordnen. So war es in den 90er-Jahren noch üblich, dass Masako bei öffentlichen Auftritten drei Schritte hinter ihrem Mann gehen musste, und diesen in der Öffentlichkeit nicht ansprechen durfte. Auch eigene Kreditkarten sowie ein Führerschein sind nicht erlaubt.

© APA/AFP/JIJI PRESS/STR Das Ehepaar Naruhito und Masako

Der fehlende Thronfolger und der Druck der Öffentlichkeit

Auch die Kritik der Aristokraten an Prinzessin Masako hörte nach der Hochzeit nicht auf. Dies hatte wohl auch damit zu tun, dass sie erst Jahre später schwanger wurde. Im japanischen Kaiserhaus ist es üblich, dass der Kronprinz und die Kronprinzessin bald nach der Heirat schon Nachkommen zeugen, damit die Thronfolge gesichert ist. Ebenso wichtig ist es, dass mindestens einer der Nachkommen männlich ist, da das Kaiseramt von einem Mann übernommen werden muss. Kaiserin wird man in Japan nur als Ehefrau.

Erst im Jahre 1999, sechs Jahre nach der Hochzeit, wurde Masako erstmals schwanger. Die Schwangerschaft endete jedoch in einer Fehlgeburt. Am 1. Dezember 2001 brachte die Kronprinzessin ihre Tochter Aiko zur Welt. Einen Jungen hat sie bis heute nicht geboren. Glücklicherweise bekam jedoch die Ehefrau des jüngeren Bruders von Kronprinz Naruhito am 6. September 2006 einen Sohn, welcher nun an zweiter Stelle hinter seinem Vater in der Thronfolge steht. Damit fiel ein großer Teil der Last von Masako ab.

© APA/AFP/YOSHIKAZU TSUNO Prinzessin Aiko erblickte 2001 das Licht der Welt

Der Druck, einen männlichen Nachkommen zu zeugen, kam nicht nur von Seiten der japanischen Aristokraten. Auch die Medien übten stetige Kritik an der Kronprinzessin und ergötzten sich geradezu an ihrem vermeintlichen Versagen. Der Großteil der japanischen Bevölkerung schien der Meinung zu sein, die Prinzessin komme ihren Pflichten nicht nach und sei ihres Amtes nicht würdig. Der Druck, einen Sohn gebären zu müssen, die dauernde Kritik und Bloßstellung in der Öffentlichkeit, das eingeschränkte, von starrer Etikette geprägte Leben am Hof – all dies belastete Masako so sehr, dass sie sich immer mehr aus dem öffentlichen Leben zurückzog.

2004 gab das japanische Hofamt bekannt, sie leide an stressbedingten „Anpassungsstörungen“ und habe sich deswegen in Behandlung begeben. Im Jahr zuvor war bereits bekanntgeworden, dass sie an Gürtelrose erkrankt war. Danach war sie nur noch selten bei öffentlichen Auftritten anwesend. Als Masako 2013 nach elf Jahren Rückzug aus der Öffentlichkeit erstmals wieder eine Auslandsreise antrat, veröffentlichte die Welt einen Artikel in dem sie die Prinzessin als „Japans berühmteste und traurigste Gefangene“ bezeichnete. Ihr Amt als Kronprinzessin sei einer „lebenslange[n] Freiheitsstrafe im goldenen Hochsicherheitspalast“ gleichzusetzen.

Unterstützung durch Naruhito

Das Leiden seiner Frau entging auch Prinz Naruhito nicht. Dieser verteidigte seine Gattin mehrfach öffentlich und bat die Medien darum, sie in Ruhe zu lassen. Bei der Kritik an Masako handele es sich mitunter um Versuche, diese persönlich und beruflich zu zerstören, so der Prinz. Bereits vor der Vermählung soll Naruhito sich Sorgen um die Auswirkungen des kaiserlichen Lebens auf Masako gemacht und ihr versprochen haben, sie vor den Aristokraten und der Öffentlichkeit zu beschützen. Ob ihm das letztendlich gelungen ist, ist fragwürdig.
Dass ein japanischer Prinz sich in solcher Weise an die Öffentlichkeit richtet, ist ungewöhnlich. Einerseits spricht dies für Naruhito als Person und als Ehemann – andererseits verdeutlicht es die ungemeine Härte, mit der Masako von der japanischen Öffentlichkeit verurteilt wurde.

Masako als Kaiserin

Nach der Abdankung des Kaisers Akihito am 30. April 2019 übernahm dessen Sohn Naruhito am 1. Mai die Kaiserwürde. Zur gleichen Zeit wurde damit auch Masako zur Kaiserin.
Laut Aussage von Kaiser Naruhito hat sich ihr Gesundheitszustand inzwischen verbessert. Öffentliche Großauftritte stellen jedoch immer noch eine Belastung für sie dar und es werde daher darauf geachtet, dass sie sich nicht überfordert.

Das Wohlergehen seiner Frau stände an erster Stelle, so der Kaiser. Es bleibt zu hoffen, dass auch die Öffentlichkeit Masako gegenüber in Zukunft gnädiger ist, spätestens jetzt, wo sie Kaiserin von Japan ist.

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