Der Fall Florian Teichtmeister

Bis vor kurzem wurde Florian Teichtmeister als Publikumsliebling gefeiert. 20 Jahre lang konnte man ihn auf Bühnen und im Fernsehen sehen. Seine schauspielerische Karriere nimmt nun wohl ein Ende. Am 8. Februar muss sich der österreichische Schauspieler wegen des Besitzes von sexuellen Missbrauchsdarstellungen Minderjähriger vor Gericht verantworten.

von Florian Teichtmeister © Bild: IMAGO/Starface

Steckbrief Florian Teichtmeister

  • Name: Florian Teichtmeister
  • Geboren am: 4. November 1979 in Wien
  • Wohnort: Wien
  • Ausbildung: Max Reinhardt Seminar
  • Beruf: Schauspieler, Dozent

Ab 8. Februar 2023 steht Florian Teichtmeister vor Gericht. Auf diversen Datenträgern seien 58.000 Mediendateien mit mutmaßlich kinderpornografischem Material gefunden worden. Laut seinem Anwalt Michael Rami bekennt sich Teichtmeister schuldig. Außerdem ließ er bei Bekanntwerden der Vorwürfe über seine Anwälte mitteilen, dass er sich seit zwei Jahren in Therapie befinde. Öffentlich äußern will er sich zur Causa aber nicht. Bei einer Verurteilung drohen dem österreichischen Schauspieler bis zu zwei Jahre Haft.

Ursprünglich ermittelte die Staatsanwaltschaft Wien gegen Teichtmeister wegen häuslicher Gewalt und eines Suchtmitteldelikts. Der Ermittlungsantrag wegen fortgesetzter, gegen seine damalige Lebensgefährtin gerichteter Gewaltausübung wurde aus Beweisgründen eingestellt. Hinsichtlich der Drogen trat die Anklagebehörde vorläufig von der Verfolgung zurück. Der Grund: Teichtmeister habe mit den Behörden sowie mit den Ärzten kooperiert. Zudem glaubt ihm die Staatsanwaltschaft, dass er das Suchtgift - trotz der großen Menge - nur zum Eigenkonsum verwendet hat, wie der Falter aus den Polizeiakten berichtet.

Fotos aus dem Darknet heruntergeladen

In weiterer Folge erlangten die Strafverfolgungsbehörden Kenntnis von 22 Datenträgern mit sexuellen Darstellungen von Unmündigen und Minderjährigen. Teichtmeister soll die Fotos zwischen Februar 2008 und August 2021 aus dem Darknet heruntergeladen haben. Darüber hinaus wird davon berichtet, dass der Schauspieler an Drehorten Fotos von teils minderjährigen Darstellern gemacht und aus diesen - mit Sprechblasen mit pornografischen Inhalten versehen - Collagen angefertigt habe. Eines der Bilder habe seine Lebensgefährtin entdeckt und der Polizei gemeldet.

Gerüchte um den Besitz von Missbrauchsdarstellungen Unmündiger und Minderjähriger gab es schon länger. Nachdem das Burgtheater, an dem Teichtmeister zuletzt einen Vertrag hatte, im September 2021 über Medienberichte von den Vorwürfen erfuhr, habe man den Schauspieler zur Rede gestellt. Teichtmeister habe die Vorwürfe stets bestritten und als Racheakt seiner Ex-Lebensgefährtin abgetan. Nach Bekanntwerden der Affäre hat das Burgtheater Teichtmeister am 13. Jänner 2023 fristlos entlassen. Damit findet wohl auch seine schauspielerische Karriere ein Ende.

"Kinderpornografie"
Mit der Verwendung des Begriffs Kinderpornografie läuft man Gefahr, ein schweres Vergehen sprachlich zu verharmlosen. Unter Pornografie versteht man die explizite Darstellung einvernehmlicher sexueller Handlungen zwischen volljährigen Menschen. In diesem Sinne gibt es keine Kinderpornografie. Tatsächlich handelt es sich um Aufnahmen sexualisierter Gewalt an Kindern.*

Wer ist Florian Teichtmeister?

Am 4. November 1979 als Sohn eines Notars und einer Tierärztin geboren, wuchs Florian Teichmeister mit einem sieben Jahre jüngeren Bruder in Wien auf. Bescheidenheit und humanistische Werte seien in seinem Elternhaus wichtig gewesen, sagte er in einem 2012 mit dem "Kurier" geführten Interview. Schon als Kind habe er sich schauspielerisch betätigt: Er war im Schultheater des Albertus-Magnus-Gymnasiums aktiv. Später besuchte er das Max-Reinhardt-Seminar in Wien, wo er 2012 selbst einen Lehrauftrag für Rollengestaltung erhielt.

Florian Teichtmeister
© imago/Scherf Florian Teichtmeister als Papageno in "Die Zauberflöte" an der Berliner Staatsoper

Theater-Engagements

Florian Teichtmeister studierte unter anderem beim österreichischen Schauspieler und Theaterregisseur Karlheinz Hackl und dem Pantomimen und Autor Samy Molcho. Bereits während seines Studiums trat er an mehreren Bühnen in Österreich auf, etwa am Wiener Volkstheater. Ab 2005 war er Ensemblemitglied des Theaters in der Josefstadt. Seit 2019/20 zählte er zum Ensemble des Wiener Burgtheaters. Als Alfred in Ödön von Horvaths "Geschichten aus dem Wiener Wald" oder als Mozart in "Amadeus" war Florian Teichtmeister auch bei den Salzburger Festspielen vertreten.

Persönlich bezeichnete sich der Schauspieler in einem Interview mit der "Presse" einst als "Möchtegern-Punk". Als politische Figur befinde er sich immer in einem Zustand der Revolte oder Unterwerfung. Im Zweifel wehre er sich und verkünde laut seine Meinung, unabhängig davon, wie die Reaktionen ausfallen.

Florian Teichtmeister in Film und Fernsehen

Auch im heimischen Fernsehen war Teichtmeister oft zu sehen. So spielte er Hauptrollen in "SOKO Kitzbühel", trat im "Tatort" und bei "Kommissar Rex" auf. Seit 2016 war er als der rollstuhlgebundene Major Peter Palfinger in der ORF-Serie "Die Toten von Salzburg" zu sehen (Anm.: In einem ersten Bericht über seine strafbaren Handlungen auf krone.at durfte Teichtmeisters Name nicht genannt werden, er wurde "Peter P." genannt, mutmaßlich in Anlehnung an diese Rolle.) Bis zur gerichtlichen Klärung der Vorwürfe wird der ORF Serien und Filme, an denen Florian Teichtmeister mitgewirkt hat, nicht mehr ausstrahlen.

Florian Teichtmeister
© imago images / Manfred Siebinger In "Die Toten von Salzburg" spielte Florian Teichtmeister den an den Rollstuhl gebundenen Major Peter Palfinger

Ebenso präsent war Florian Teichtmeister in den vergangenen Jahren im Kino. So trat er etwa im "Fall des Lemming" und in Sebastian Brauneis' Debüt "Zauberer" auf. (Letzterer distanzierte sich bereits 2021 von Florian Teichtmeister und sagte in Interviews nach Bekanntwerden des Namens im Zusammenhang mit den Vorwürfen, dass "jedem in der Branche“"klar gewesen sei, "um wen es geht".) Zuletzt sah man Teichtmeister in Ruth Maders Glaubensthriller "Serviam - Ich will dienen", wo er den Vater einer Zwölfjährigen spielte, sowie in Marie Kreutzers hochgelobter Sisi-Parabel, dem österreichischem Oscar-Kandidaten "Corsage", worin er Kaiser Franz Joseph verkörpert. (Anm.: Die Dreharbeiten wurden im Juli 2021, also kurz vor dem ersten Bekanntwerden der Straftat in der Branche, beendet.)

Debatte um Sisi-Film "Corsage" bei Oscars

Nach der Veröffentlichung von Teichtmeisters Namen zeigt sich Regisseurin Marie Kreutzer "schockiert": Sie sei "traurig und wütend, dass ein feministischer Film, an dem mehr als 300 Menschen aus ganz Europa jahrelang gearbeitet haben, durch die grauenvollen Handlungen einer Person so beschmutzt und beschädigt wird." Man könne aber nicht in seine Mitmenschen hineinschauen, so die Regisseuren weiter. Der Film bleibt trotz der Vorwürfe Österreichs Kandidat für den Auslandsoscar 2023, denn "Teichtmeister ist nicht 'Corsage'", befand etwa Alexander Dumreicher-Ivanceanu, Obmann des Fachverbands für die Musik- und Filmwirtschaft.

Der Fall Teichtmeister wird wohl noch eine längere Aufarbeitung nach sich ziehen. Wer hätte wann handeln müssen? Hätte das Burgtheater anders agieren müssen? Kultur-Staatssekretärin Andrea Mayer kündigte eine externe Prüfung an.

* Die Definition der Begriffe "Pornografie" und "Kinderpornografie" ist dem Artikel "Kleines Glossar für die Berichterstattung über Pädokriminalität" des "Standard" entnommen.