Fakten von

Kirchenbeitrag vom
Burgtheater-Konto

Neue Details zum Finanzskandal: Chaos in der kaufmännischen Abteilung

Das Wiener Burgtheater © Bild: APA/GEORG HOCHMUTH

Silvia Stantejsky war lange Jahre kaufmännische Direktorin des Wiener Burgtheaters. Ende 2103 tauchten Ungereimtheiten auf, die zu ihrer Entlassung führten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, demnächst soll ein Gutachten endgültig Licht ins Dunkel der Finanzaffäre bringen.

News vorliegende Unterlagen nähren jedenfalls den Verdacht, dass die Burgtheater-Finanzchefin privat Liquiditätsprobleme gehabt haben könnte. Mehrfach hat eine Bank im Weinviertel auf Engpässe auf Stantejskys Konto hingewiesen, mehrfach wurde von Stantejsky, die eine Nettomonatsgage von rund 6.000 Euro bezog, beschwichtigt; sie habe so viel Stress. Stantejsky behauptet steif und fest, sie habe für das Burgtheater Zahlungen geleistet und später wieder entnommen. Oder umgekehrt: entnommen und wieder rückgeführt.

Private Strafmandate vom Burgtheaterkonto bezahlt

Wie auch immer: Tatsache ist, dass in einer Ein- und Auszahlungsliste des Burgtheaters sogar Zahlungen privater Strafmandate der Finanzdirektorin von einem Burgtheaterkonto auffallen. Oder das Schulgeld für das Wiener Theresianum. Oder Stantejskys Kirchenbeitrag. Nun mag das – streng strafrechtlich genommen – noch keine Sünde sein, wenn Stantejsky tatsächlich, wie sie behauptet, alles artig wieder zurückgeführt hat. Oder dafür als Ausgleich Zahlungen von ihr für das Burgtheater geleistet wurden. Und doch verdeutlicht dieses Detail die Dimension des Durcheinanders, das in der kaufmännischen Abteilung des Staatsbetriebs über viele Jahre geherrscht hat. Verbunden mit der Frage, wie ausgeklügelt ein System gewesen sein muss, wenn es weder vom Controlling der Holding, noch von Wirtschaftsprüfern und Aufsichtsräten entdeckt wurde?

Das Problem beginnt ganz offensichtlich bei den Honorarnoten von Künstlern und den hohen Bargeldumsätzen. Tatsächlich wurden am Burgtheater Jahr für Jahr hunderttausende Euro in bar ausbezahlt und verbucht. Auch ohne vorliegende Belege. Diese Zahlungen wurden von Stantejsky verfügt, im Rechnungswesen zwar erfasst, konnten dort jedoch oftmals nicht zugeordnet werden. Die fehlenden Belege, Rechnungen, Honorarnoten und Quittungen wurden von Stantejsky angeblich erst nachgereicht, wenn die Wirtschaftsprüfer im Haus am Ring vor der Tür standen. Auch die langjährige Leiterin der Buchhaltung stellt Stantejsky in einer Zeugenaussage kein gutes Zeugnis aus. Auf News-Anfrage war Stantejsky nicht erreichbar.

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