"Es geht um Illusionen!": FORMAT-Talk mit Firmenchef von Wiens Edelbordell "Babylon"

Peter Bretterklieber über Geld, Moral & Bruce Willis Babylon wurde zu Europas feinstem Bordell umgebaut

 "Es geht um Illusionen!": FORMAT-Talk mit Firmenchef von Wiens Edelbordell "Babylon" © Bild: FORMAT/Beck

Als vor gut zwei Jahren Fotos von ihm in Umlauf kamen, zog sie Babylon-Chef Peter Bretterklieber, 51, mithilfe von Rechtsanwälten umgehend wieder aus dem Verkehr. Denn zum Geschäftsmodell des Mannes, der neben dem Wiener Luxusbordell auch zwei Häuser in Salzburg und Klagenfurt betreibt, gehört es, nicht erkannt zu werden. Seine Kunden zählen zu den oberen Zehntausend der Stadt, und sie sollen ihn bei gesellschaftlichen Ereignissen grüßen können, ohne sich vor ihren Ehefrauen oder Freundinnen dafür rechtfertigen zu müssen.

FORMAT gewährt der Lust-Unternehmer als einzigem Medium einen Blick in sein neu designtes Luxus-Etablissement. Dort waren schon die bulgarischen Schönheitsköniginnen aus drei Jahrgängen sowie eine Europameisterin im Bodenturnen beschäftigt. Bretterklieber redet mit einer solchen Selbstverständlichkeit über sein Geschäftsmodell, als wäre das Sex-Business eine Branche wie jede andere - nur um einiges lukrativer …

FORMAT: Werden Ihre Kunden anspruchsvoller?

Bretterklieber: Immer mehr von ihnen suchen das Besondere und wollen sich gerne vom herkömmlichen Publikum abgrenzen. Ich reagiere darauf.

Wie viel gibt ein durchschnittlicher Babylon-Kunde aus?

500 Euro, nach oben natürlich offen.

Wer leistet sich so etwas?

Österreichische und internationale Geschäftsleute mieten immer öfter das Penthouse, um dort mit ihren Partnern und sieben, zehn oder zwanzig Mädchen unter sich zu sein. Auch Künstler kommen, etwa Schauspieler.

… stimmt es, dass Bruce Willis bei seinem Wien-Besuch einen Abstecher ins Babylon gemacht hat?

Erwarten Sie eine Antwort? Vielen Kunden ist der Preis jedenfalls egal, wenn der Service einzigartig ist. Und ich kann ausschließen, dass es in Europa einen exklusiveren Betrieb gibt. Sobald irgendwo ein neues Haus eröffnet, sehe ich es mir an.

Aber Nerztapeten - ist das nicht etwas dekadent?

Es geht um Illusionen. Bei uns soll sich ein Mann für ein paar Stunden in einer perfekten Welt fühlen können, in der er sich für seine Wünsche nicht rechtfertigen muss. Wie wir das schaffen, ist unsere Sache. Den Nerz zum Beispiel kaufen wir in Form abgelegter Mäntel im Dorotheum, unser Kürschner näht sie zusammen.

Sie verkaufen teuren Schein?

Was in der Welt ist nicht bloß Schein? Aber nehmen Sie unsere Küche. Die ist qualitativ auf Haubenniveau. Für Eintritt und Essen inklusive aller Getränke bezahlen Sie 150 Euro. Wenn Sie das mit der Wiener Spitzengastronomie vergleichen, und damit sind wir vergleichbar, ist es nicht teuer. In meinem Stammhaus in Salzburg stand übrigens bis zu ihrem Tod meine Mutter in der Küche. Sie war eine ausgezeichnete Köchin. Damals gab es immer Hausmannskost.

Beschäftigen Sie noch immer Verwandte im Unternehmen?

Meine Schwester bringt den Mädchen manchmal Kuchen vorbei, einfach nur so.

Wie lang ist die durchschnittliche Verweildauer der Mädchen?

Ein paar Monate. Sie verdienen hier gutes Geld und ziehen dann weiter. Manche waren davor keine Prostituierten und sind es auch danach nicht mehr. Viele werden weggeheiratet.

Bauen Sie da nicht auch nur Illusionen auf, um über die Härten des horizontalen Gewerbes hinwegzutäuschen?

Erst vor kurzem hat mir ein Italiener eine weggeheiratet. In seinem Fall war es sogar schon die zweite. Er kauft ihnen dann eine Eigentumswohnung und gibt ihnen Geld. Also alles bestens.

Ist Prostitution unmoralisch?

Alles ist Prostitution. Wenn zum Beispiel eine Modeverkäuferin einem Kunden sagt, dass er in dem Sakko toll aussieht …

Die Verkäuferin bewahrt ihre körperliche Integrität.

Wie anders als Prostitution soll man es nennen, wenn eine Ehefrau um des Friedens willen mit einem Mann schläft, den sie längst hasst?

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