Burgtheater von

Zeuge entlastet Hartmann

Deutscher Theaterfachmann Raddatz richtet schwere Vorwürfe gegen Holding

Burgtheater-Skandal: Hartmann dementiert überhöhte Barauszahlungen. © Bild: Marcus E. Deak/NEWS

Der deutsche Theaterfachmann Peter F. Raddatz, Geschäftsführer des Hamburger Schauspielhauses und ehemaliger Leiter der Berliner Opern-Holding, entlastet in einem Interview für die morgen erscheinende NEWS-Ausgabe den entlassenen Burgtheaterdirektor Matthias Hartmann. Schwere Vorwürfe richtet Raddatz gegen die Bundestheater-Holding und deren Chef Georg Springer. Wie NEWS außerdem berichtet, ist am 17. März auch gegen Springer eine anonyme Anzeige – u. a. wegen Kontrollversagens und Veranlassung dubioser Abschreibungspraktiken – bei der Korruptionsstaatsanwaltschaft eingegangen. Gegen ihn, Hartmann und die ehemalige Kaufmännische Direktorin Silvia Stantejsky wird derzeit ein "Anfangsverdacht" geprüft. Ob es zur Anklage kommt, ist bei allen dreien offen.

Raddatz erklärt, er wäre Anfang 2011 von Hartmann wegen der undurchschaubaren Finanzsituation beigezogen worden (Springer hätte ihn schon zuvor wegen anderer Bundestheater-Agenden konsultiert). Raddatz: „Hartmann hatte die Einnahmen gesteigert und die Kosten gesenkt, trotzdem stimmten die Zahlen nicht.“ Die Kaufmännische Direktorin habe kein brauchbares Material geliefert. „Also wollten wir weiter an Informationen herankommen, über die Holding und die Prüffirma Price Waterhouse, und sind auch da auf Granit gestoßen.“ Erst 2014 wäre man vom neuen Burgtheater-Geschäftsführer Königstorfer mit tauglichen Zahlen versorgt worden.

Probleme begannen in Spielzeit Bachlers

Die Probleme des Burgtheaters hätten 2007/08, in der letzten Spielzeit Klaus Bachlers, begonnen. „Als Hartmann das Haus 2009 übernahm, war es de facto mit 13,6 Millionen überschuldet. Man hatte die Schulden in die Ära Hartmann verschoben, mit einem Abschreibungsverfahren, das es sonst an keinem deutschsprachigen Haus gibt. Sonst hätte man am Bilanzstichtag schon ein deutlich höheres Defizit als ausgewiesen gehabt. Das wollte man offenbar verhindern." Man habe Springer von der Situation informiert, doch der habe die Situation für problemlos erklärt, kein Interesse an Aufklärung der Vorgänge gezeigt und die Vorgänge heruntergespielt, um sie von der Öffentlichkeit fernzuhalten.

Hartmann, so Raddatz, wäre kein Vorwurf zu machen, er müsste vor Gericht komplett entlastet werden. Die Alleinschuldigen wären „die kaufmännische Geschäftsführerin, die keine zuverlässigen Zahlen geliefert und den Betrieb intransparent geführt hat, und die Holding, von der sie bei diesen Vorgängen unterstützt wurde.“

Bundestheater-Anwalt Bernhard Hainz zieht in einer Stellungnahme für NEWS die Glaubwürdigkeit von Raddatz’ Ausführungen in Zweifel: „Das sind die altbekannten Hartmann-Verse: alle Anderen sind schuld, nur Hartmann nicht. Gut, dass solche Behauptungen bald vor einem ordentlichen Gericht und unter Wahrheitspflicht einem Faktencheck unterworfen werden. Dann werden wir uns auch umfassend dazu äußern.“

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