Selfmade-Millionärin von

Anna im Glück

Anna Ausserladscheider © Bild: APA/AFP/GETTY IMAGES/Cindy Ord

Die Devise der Weißrussin Anna Ausserladscheider: "Think big!" Staatenlos emigrierte sie mit 18 Jahren nach Österreich. Später kreierte sie ihre eigene Schmucklinie ANИA und betreibt heute Shops in Wien, Berlin, München, London und New York.

Ihre Story mutet an wie ein Märchen. Aufgewachsen in Weißrussland und nach dem Zerfall der Sowjetunion staatenlos geworden, emigrierte die damals 18-jährige Anna Sidorenko nach Österreich. "Du hast keine Rechte, kannst nicht reisen, musst beten, dass dir nichts passiert", schildert sie die Zeit. Doch sie ging ihren Weg, und der war steinig. Heute ist Anna stolze Wienerin, kreiert ihre Schmucklinie unter dem Label "Anna Inspiring Jewellery", betreibt Boutiquen am Wiener Kohlmarkt und in der Seilergasse, in München, London, Hamburg und New York, an den besten und teuersten Adressen.

Mit ihrer unerschöpflichen Kreativität, viel Liebe zum Detail und dem Willen zum Perfektionismus hat sie ihr "Annaversum" geschaffen. Bekannt wurde sie mit ihren "Wish-Bändchen" in Einstiegspreislagen, sie fertigt aber auch Einzelstücke an, die mit Diamanten, Perlen und hochwertigen Edelsteinen verarbeitet werden. Das Charakteristische ihrer Shops sind Puppen mit zauberhaften Ballett-Tutus. Zu ihren Kundinnen zählen Sängerin Helene Fischer, Schauspielerin Helena Bonham Carter oder Victoria's-Secret-Model Nadine Leopold. "Angefangen habe ich mit einem Darlehen, heute bin ich Millionärin", Anna Ausserladscheider, 51, ihre Erzählung.

Das Leben in Schlobin war einfach. Der Vater starb, als Anna sechs Jahre alt war. Groß wurde sie bei ihrer Mutter, einer Sekretärin, und dem Stiefvater, einem Elektriker. "Die Propagandamaschine lief 24 Stunden lang. Der Westen wurde uns schlechtgeredet. Trotzdem sind wir zu stolzen Bürgern erzogen worden." Die Armut war groß. Ein Paar Ballerinas kostete 80 Rubel, die Mutter verdiente 100. Das mühsam ersparte Geld für ein Auto war über Nacht entwertet. "Um das Geld konnten wir uns gerade mal fünf Kisten Bier kaufen. Deshalb sind wir alle größenwahnsinnig", erzählt Anna lachend, "durch die Inflationen haben wir keine Ehrfurcht vor Geld."

Aufgewachsen in einem Plattenbau, musste Anna, wie auch andere Hausbewohner, im Sinne der "sozialen Fairness" den Hausflur waschen. Bei dieser Tätigkeit sang sie immer. Eigentlich wollte sie Schauspielerin werden, doch es kam anders. Mit 17 verliebte sie sich in einen Österreicher, der bei der Voest in Schlobin arbeitete. Ein Jahr später heirateten die beiden und übersiedelten in die Steiermark. "Die Ehe war gut, aber wir waren Kinder. Die Scheidung war unvermeidbar."

Der Weg nach oben

Sie probierte einige Jobs aus, bevor sie die Liebe zum Verkauf entdeckte und mit 22 Jahren in einer Boutique der italienischen Modekette Furla in Linz ihr Glück fand. "Ich bin ein Ästhet, liebe schöne Dinge", erklärt sie dazu. Bei ihrem Vorstellungsgespräch sah sie aus wie ein "Million-Dollar-Baby", gekleidet in Kaschmir-Cap und Armani-Hose. "Alles secondhand, aber es zeigte Wirkung." Bald verdoppelte sie den Umsatz der italienischen Chefin, die ihre zweite Schwiegermutter werden sollte. Anna hatte nicht nur ein gutes Händchen im Verkauf, sondern entwarf bald ihre eigene Kaschmirkollektion und Taschen unter der Marke Pitti in der Wiener Innenstadt. In den 17 Jahren ihrer Ehe gebar sie ihre beiden Söhne Jacques und Jean. Mit 40 folgte die Scheidung. "Es war eine knallharte Trennung. Ich habe meine Sachen gepackt, auf alles verzichtet, wollte von vorn beginnen."

In der Meinl-Bar traf sie ihre große Liebe und heutigen Mann, den Tiroler Unternehmer Werner Ausserladscheider. Zu ihm sagte sie: "Manage mich und wir werden erfolgreich." Das war kein leeres Versprechen. Die beiden gründeten vor zehn Jahren die Wenna GmbH, Inhaberin von Anna Inspiring Jewellery. Das Business lief von Anfang an gut. Mittlerweile erwirtschaften sie Gewinne in Millionenhöhe. Doch Anna ist am Boden geblieben. Sie entwirft selbst, gestaltet die Auslagen und schaut weltweit auf ihre Läden. "Ich bin stolz auf mein Team und auf meinen Mann, ohne den ich das nicht geschafft hätte." Zum Zehn-Jahres-Jubiläum schenkt sich die Selfmade-Millionärin Ende November ein Riesenfest im Semperdepot. Ein Funkeln am Ende eines steinigen Wegs.