Kynophobie von

Angst vor Hunden?
9 Fragen und Antworten

Woher sie kommt, wie man sich verhält und was man dagegen tun kann

hund © Bild: iStockphoto/tverkhovinets

Angst vor Hunden. Das ist etwas, was Hundebesitzer oft nicht verstehen können, aber die sogenannte Kynophobie ist weit verbreitet und mit Sicherheit unter den „Top zehn Ängsten“, wie die Psychologen Johannes Lanzinger und Christian Dingemann News.at verrieten. Sie erklären, wie man sich als Hundephobiker richtig verhält, wie einem geholfen werden kann und was eine Therapie bringt.

1.) Woher kommt die Angst vor Hunden?

Die Angst vor Raubtieren ist uns wahrscheinlich ein bisschen angeboren. Je größer das Raubtier, desto stärker die Angst. Jeder hat einen gewissen Respekt vor Hunden, bzw. ursprünglich vor Wölfen. So eine gewisse Vorsicht und eine gewisse Anspannung vor allem freilaufenden Hunden, die man nicht kennt, die man nicht einschätzen kann, die hat wohl jeder. Aber das ist nicht dasselbe wie eine Phobie.

Eine richtige Phobie besteht manchmal schon immer, da gab es kein konkretes Ereignis, aber zumeist entsteht sie durch ein auslösendes, traumatisches Erlebnis mit einem Hund.

2.) Wie wirkt sich diese Hundeangst aus?

Eine Phobie ist ein Kontinuum das geht von „Man vermeidet es, alleine im Wald spazieren zu gehen, wenn man weiß, dass da vielleicht Hunde freilaufen könnten“ bis zu „Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie einen Hund berührt oder sogar ein Tier berührt.“
Körperliche Reaktionen sind Panik oder Herzrasen. Bei der Hundephobie ist man auch oft wie versteinert und kann sich nicht mehr bewegen. Schwitzen, beschleunigte Atmung, das Gefühl, möglichst schnell weg zu müssen, also Fluchtgedanken sind ebenfalls typische Symptome.

3.) Wie verhält man sich am besten, wenn ein Hund am Gehsteig entgegenkommt?

Man sollte Hunde nicht anstarren, weil das verängstigt sie. Den Blickkontakt nur flüchtig halten oder überhaupt vermeiden, denn so geht die Aufmerksamkeit nicht auf den Hund und er fühlt sich auch nicht bedroht.

4.) Wie verhält man sich, wenn man auf einen Hund etwa in einem Stiegenhaus trifft, wo man nicht ausweichen kann?

Den Hund niemals bedrängen, ihm Freiraum geben. Wenn ihnen, wie zum Beispiel in der U-Bahn, auf die Füße oder auf den Schwanz getreten wird, dann erschrecken sie natürlich und schnappen (nicht beißen). Also immer den Raum geben, nicht hektisch werden, Ruhe bewahren.

5.) Wie verhält man sich, wenn ein freilaufender Hund auf einen zuläuft?

Nicht zu dem Hund runter beugen, nicht kleiner machen, als man ist oder auf Augenhöhe mit dem Hund gehen. Am besten ruhig stehen bleiben, nicht hektisch werden, denn so etwas wie Wegrennen kann auch als Spiel aufgefasst werden. Mann sich auch leicht abwenden und soll nicht konfrontativ auf ihn zugehen.

Auch interessant: Hunde und Kinder - Wie verhält man sich richtig?

6.) Spüren Hunde, wenn man Angst hat?

Das ist natürlich Interpretation, das kann nicht zu 100 Prozent gesagt werden. Man weiß aber, wie viel besser Hunde riechen können und wenn wir Angst haben, schwitzen wir auch. Gut möglich, dass das Hunde spüren. In der Praxis gab es die Erfahrung, dass Hunde in einer größeren Runde, in der einer Angst hat, die Hunde oft genau auf denjenigen zugehen. Aber wahrscheinlich eher aus dem Grund, um zu beschwichtigen, um zu sagen: „Hey, alles ist gut.“

7.) Wie verhält man sich am besten, wenn man vor einem Besuch steht, wo ein Hund im Haus ist? Kann man sich „vorbereiten“?

Das Relevante ist die Aufmerksamkeit. Wenn man Angst hat, neigt man dazu, dass man den Hund die ganze Zeit fixiert und nicht aus den Augen lässt. Je mehr man das aber macht, desto mehr kommen Hunde, weil sie darauf gezüchtet sind, auf die Aufmerksamkeit von Menschen zu reagieren. Das heißt also nicht, wenn man ihn anschaut und er kommt her, dass der etwas Böses will, sondern einfach nur: „Du hast mir Aufmerksamkeit geschenkt, ich nehme dich jetzt wahr.“

Vorbereiten kann man sich schwer. Man müsste sich die Angst abtrainieren. Und wenn jemand sagt „Der tut ja eh nichts“, das hilft genau gar nichts, weil es ja oft eine traumatische Erfahrung gibt, wo erlebt wurde, dass der eben schon etwas tun kann.
Angst ist nie rational. Wenn man Angst hat, kann man nicht mehr logisch denken. Darum hilft einem so eine Aussage auch gar nicht.

8.) Was kann man gegen die Angst vor Hunden tun? Wie sieht eine Therapie aus?

Eine Therapie besteht aus drei Teilen: Im ersten Teil geht es darum, möglichst alles über Hunde zu erfahren. Wie sie sich verhalten, wie man das einschätzen kann. Was heißt es, wenn er bellt, was heißt es, wenn er knurrt? Auf der anderen Seite erfährt man alles über die eigene Angst. Wie funktioniert Angst, warum habe ich Angst? Was kann ich dagegen tun? Je mehr man über Dinge weiß, desto weniger Angst hat man.

Die zweite Stufe ist, die körperlichen Symptome unter Kontrolle zu bekommen, da gibt es zum Beispiel Entspannungs- und Atemtechniken.

Und der dritte Schritt ist die Konfrontation. Da geht es darum, sich wieder an Hunde zu gewöhnen und zu lernen, dass die eigentlich nichts tun und dass man die Situation meistern kann. Denn fast alle Hunde sind harmlos, wenn man weiß, wie man sich verhalten soll. Das muss man aber wieder erleben und je öfter man das tut, desto mehr Selbstsicherheit bekommt man wieder und desto mehr geht die Angst vorbei.

9.) Kann man die Angst komplett los werden?

In einigen Fällen ist es, so die Erfahrung, möglich, die Angst ganz ablegen und komplett gelassen auf Hunde zugehen. In den meisten Fällen wird die Angst deutlich besser, man kann damit besser umgehen. Dieses Erstarren und dieser komplette Kontrollverlust, dieses unangenehme Angstgefühl, das kann die Therapie meist lindern.

Christian Dingemann und Johannes Lanzinger sind Psychologen bei Phobius, dem Phobie Zentrum Wien.