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Mercosur: Was bedeutet das Abkommen für Wirtschaft und Verbraucher?

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Bauer in Lateinamerika

©Pexels / Franco Merino

Angesichts der protektionistischen Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump will die EU ihre Wirtschaftsbeziehungen breiter aufstellen.

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Mehr als ein Vierteljahrhundert lang wurde erbittert um Details gerungen – jetzt kann das Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den vier südamerikanischen Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay endlich abgeschlossen werden. Mit dem Abkommen soll eine der weltweit größten Freihandelszonen mit mehr als 700 Millionen Menschen entstehen. Wer profitiert, für wen gibt es Risiken? Fragen und Antworten im Überblick:

Was erhofft sich die EU von dem Freihandelsabkommen?

Im Endeffekt geht es um Jobs und Wohlstand. Über einen besseren Zugang zu den Märkten in den Mercosur-Ländern sollen europäische Unternehmen neue Wachstumsmöglichkeiten bekommen. Bisher müssen Importeure von EU-Waren zum Teil sehr hohe Zölle zahlen, die der Wettbewerbsfähigkeit schaden. Auf Autos sind es beispielsweise 35 Prozent, auf Maschinen 14 bis 20 Prozent und auf Chemikalien bis zu 18 Prozent. Die Zölle sollen nun schrittweise abgebaut werden. Am Ende könnten pro Jahr Abgaben in Höhe von rund vier Milliarden Euro eingespart werden, hat die EU-Kommission ausgerechnet.

"Die Zustimmung der EU zum EU-Mercosur-Handelsabkommen ist eine längst überfällige und sehr gute Nachricht für den europäischen Wirtschaftsstandort und insbesondere für das Exportland Deutschland", kommentierte Hildegard Müller, die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA).

Was macht den Mercosur für die EU so interessant?

In den Mercosur-Ländern Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay leben rund 270 Millionen Menschen. Zusammen bilden sie die sechstgrößte Wirtschaftsregion der Welt mit einem jährlichen Bruttoinlandsprodukt von 2,7 Billionen Euro. 2024 importierten sie aus der EU Waren im Wert von rund 53 Milliarden Euro, in umgekehrter Richtung betrug das Exportvolumen etwa 57 Milliarden Euro. An EU-Exporten in die Mercosur-Länder hängen nach EU-Angaben mehr als 750.000 Arbeitsplätze.

Werden auch Verbraucher Vorteile haben?

Durch die Liberalisierung des Handels könnten Preise für importierte Produkte aus den Mercosur-Staaten sinken – zum Beispiel für Fleisch, Obst, Soja, Kaffee und Zucker. Zum Schutz der EU-Landwirtschaft sollen bei bestimmten Agrarprodukten die Märkte aber nicht vollständig geöffnet werden. Die Zollerleichterungen würden dort nur für eine bestimmte Liefermenge gelten.

Warum kritisieren Umweltschützer das Freihandelsabkommen?

Sie befürchten, dass die neuen Absatzchancen für landwirtschaftliche Produkte die Umweltzerstörung befeuern könnten. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace bezeichnete das Abkommen am Freitag als "Desaster für den Amazonas-Regenwald". Sie ging zuletzt davon aus, dass die Abholzungsraten in der Mercosur-Region wegen der höheren Importquoten für Rindfleisch in den nächsten Jahren um fünf Prozent pro Jahr steigen werden. Sinkende Zölle auf Pestizide und Kunststoffe könnten demnach zudem auch die Plastikverschmutzung in Südamerika erhöhen und die Artenvielfalt gefährden.

Was haben die europäischen Bauern gegen den Deal?

Die Landwirte in Europa befürchten, im Wettbewerb mit den südamerikanischen Großbauern nicht bestehen zu können. Im Mercosur wird in deutlich größerem Maßstab produziert, was Kostenvorteile mit sich bringt. Die europäischen Bauern beklagen zudem, dass für sie strengere Regeln beispielsweise beim Umweltschutz und bei der Lebensmittelsicherheit gelten als für die südamerikanischen Konkurrenten.

Wie reagieren die EU auf die Kritik?

Sie weisen die meisten Vorwürfe als ungerechtfertigt zurück und betonen, dass die gesamtwirtschaftlichen Vorteile eindeutig überwiegen würden. Zum Thema Pestizideinsatz erklärt etwa das Bundeswirtschaftsministerium, dass auch künftig alle Importe die gesetzlichen Anforderungen der Europäischen Union einhalten müssen. Dies bedeutet, dass die in der EU geltenden Höchstwerte für Rückstände nicht überschritten werden dürften. Ganz allgemein gilt demnach, dass nur Produkte, die den umfangreichen europäischen Vorschriften entsprechen, in die EU eingeführt werden dürfen.

Um den Landwirten Existenzsorgen zu nehmen, wurde zudem ein umfangreiches Sicherheitsnetz gespannt. Dieses soll es unter anderem ermöglichen, dass Zollvorteile bei gefährlichen Preisrückgängen wieder zurückgenommen werden können.

Warum ist der Deal für die EU so wichtig?

Angesichts der protektionistischen Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump will die EU ihre Wirtschaftsbeziehungen breiter aufstellen und neue Absatzmärkte für europäische Unternehmen erschließen. Zudem wird die Gefahr gesehen, dass sich die Mercosur-Staaten noch deutlich mehr als ohnehin schon China zuwenden, wenn sich die EU nicht stärker dort engagiert. Für eine Reihe von Ländern in der Region wie beispielsweise Brasilien ist China schon jetzt der wichtigste Handelspartner.

Letztlich hofft die EU auch, ein Zeichen für freien Welthandel setzen zu können. Im Idealfall sollen in Kürze auch die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit Indien abgeschlossen werden können.

Wann wird das Abkommen in Kraft treten?

Das ist noch nicht ganz klar. Rechtlich könnte es bereits direkt nach dem Abschluss vorläufig angewendet werden – also sogar noch vor einer ausstehenden Abstimmung im Europäischen Parlament. Zuletzt wurde allerdings erwartet, dass die zuständige EU-Kommission von Ursula von der Leyen die Abstimmung abwartet. Die Zustimmung des Parlaments gilt angesichts der Zugeständnisse an die Agrarlobby als sehr wahrscheinlich. Die Unterzeichnung des Abkommens soll bereits in den nächsten Tagen erfolgen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident António Costa wollen dazu nach Paraguay reisen.

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