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Konzentration im heimischen Einzelhandel nimmt weiter zu

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©Franz Neumayr

Langzeitanalyse von RegioData zeigt steigende Bündelung auf wenige Anbieter nicht nur im Lebensmittelhandel – auch Drogeriemärkte oder Schuhverkauf stark konzentriert. Trend dürfte sich fortsetzen.

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Der österreichische Einzelhandel wird immer mehr von wenigen großen Akteuren dominiert. Die starke und zunehmende Marktkonzentration erstreckt sich dabei nicht nur auf den Lebensmittelhandel, wo dieses Phänomen zuletzt verstärkt Gegenstand von Diskussionen war, sondern auch auf Drogeriemärkte, Baumärkte, den Sporthandel, oder den Schuhverkauf, ergab eine Langzeitanalyse des Marktforschers RegioData. Besonders deutlich zeigt sich der Trend im Drogeriehandel.

Drogeriehandel: Bipa und dm führend

Führend im Bereich der Drogeriemärkte sind die Ketten dm und Bipa, die mehr als zwei Drittel des gesamten Marktes auf sich vereinen. Ein Faktor ist allerdings auch die Expansion des deutschen Drogerieunternehmens Müller, die in den vergangenen Jahren eine weitere Konzentration zur Folge hatte. Generell erhöhte sich der Marktanteil der Top-3-Unternehmen von 79,1 Prozent im Jahr 2014 auf rund 85,8 Prozent im Jahr 2024, wobei für 2026 ein weiterer Anstieg auf gut 87 Prozent prognostiziert wird.

RegioData schreibt in einer Analyse von einer Marktstruktur, die von einer "außergewöhnlich stabilen Führungsposition einzelner Anbieter geprägt" ist, "während alternative Formate oder kleinere Marktteilnehmer kaum an Bedeutung gewinnen". Der Wettbewerb im Drogeriehandel finde beinahe ausschließlich zwischen den großen Anbietern statt.

Konzentration im Schuhhandel steigt

Eine ähnliche Entwicklung ist im Schuhhandel zu beobachten. Aufgrund zahlreicher Austritte und Insolvenzen – in den vergangenen Jahren verließen unter anderem Vögele Shoes, Stiefelkönig, CCC, Delka, Reno, Salamander und Görtz den Markt – kommen immer weniger Unternehmen auf immer größere Marktanteile. Die Top-3-Unternehmen wechselten zuletzt mehrfach, aktuell dominiert die Deichmann-Gruppe, gefolgt von der Humanic-Mutter Leder & Schuh AG.

Dominanz am Baumarkt und im Sportartikelhandel

Auch im Baumarkthandel kam es zu Marktführerwechseln: Nach dem Notverkauf von Baumax, dessen Filialen großteils in der deutschen Kette Obi aufgingen, avancierte diese zum klaren Marktführer, insgesamt sind laut RegioData am Baumarkt jedoch nur leichte Konzentrationstendenzen erkennbar. Im Sportartikelhandel wiederum dominieren seit Jahren Intersport und Sport 2000, während der drittgrößte Marktteilnehmer mehrfach wechselte. Aktuell ist Hervis auf Platz drei, der einstige Marktführer Sports Direct (vormals Intersport Eybl) ist heute nicht mehr relevant.

Die geringste Marktkonzentration besteht im Bekleidungshandel. Trotz vieler unterschiedlicher Konzepte gewinnen jedoch auch hier die drei größten Anbieter H&M, Peek & Cloppenburg und die Inditex-Gruppe (unter anderem Zara) Marktanteile seit der Coronakrise hinzu, schreibt RegioData.

Big 4 im Lebensmittelhandel

Besonders hoch ist die Konzentration seit einigen Jahren im Lebensmitteleinzelhandel, was aufgrund der hohen Inflation bei Nahrungsmitteln zuletzt wieder verstärkt thematisiert wurde. Spar, Rewe (u.a. Billa, Penny), Hofer und Lidl verfügen hier über einen Marktanteil von gut 90 Prozent. Im Zuge einer Branchenuntersuchung, die 2023 abgeschlossen wurde, kam die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) unter anderem zu dem Schluss, dass der Lebensmittelhandel "sich in den letzten Jahrzehnten zur gegenwärtigen Marktstruktur versteinert", "mit weiterhin leichten Tendenzen zu höherer Konzentration", heißt es im Abschlussbericht. Darüber löste der Konkurs von Kika/Leiner, von dem Ikea und XXXLutz profitierten, zuletzt auch im Möbelhandel eine Debatte über Marktanteile aus.

Konzentration in Österreich vergleichsweise groß

Auch verglichen mit anderen Ländern attestiert RegioData Österreich eine starke Bündelung auf wenige Anbieter. "Der Handel hat hier bereits eine ausgesprochen hohe Konzentration erreicht, die auch im internationalen Vergleich bemerkenswert ist und im europäischen Vergleich zu den oberen Rängen zählt", heißt es. Mit einer Umkehr dieser Entwicklung rechnet der Marktforscher in den kommenden Jahren nicht – eher mit einer Fortsetzung.

BWB: Wettbewerb im Einzelhandel "entscheidender Hebel" für Preise

Die BWB betonte zu der Studie auf APA-Anfrage, dass funktionierender Wettbewerb im Einzelhandel ein "entscheidender Hebel" für leistbare Preise sei, da der Handel letztlich die Preise für Endkundinnen und Endkunden festlege. "Je stärker Märkte konzentriert sind, desto größer ist das Risiko wettbewerbswidrigen Verhaltens zulasten der Konsumentinnen und Konsumenten." In ihren Untersuchungen betrachte die Behörde allerdings stets die gesamte Wertschöpfungskette, von der "Produktion bis zum Handel".

Unter Druck gerät der heimische Wettbewerb laut BWB in einzelnen Bereichen aktuell durch "unfaire Praktiken" großer E-Commerce-Plattformen. "Hier gilt es wachsam zu sein, um die Entstehung monopolartiger Strukturen zu verhindern."

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