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So funktioniert der digitale Euro

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Der digitale Euro soll die Vorteile von Bargeld in den virtuellen Raum bringen. Kann das funktionieren?

Bis 2029 will die Europäische Zentralbank den digitalen Euro (D€) einführen. Größtes Argument für das Vorhaben ist die Stärkung der europäischen Unabhängigkeit von US-Dienstleistern: Vergangenes Jahr verhängten die USA etwa Sanktionen gegen Nicolas Guillou, Richter am Internationalen Strafgerichtshof (IStGH), und acht weitere IStGH-Juristen.

Sie können seitdem US-Dienste wie MasterCard und PayPal nicht mehr nutzen und sind von weiten Teilen des internationalen Zahlungsverkehrs ausgeschlossen. Ihr „Vergehen“: die Haftbefehle gegen Israels Premier Netanjahu und Verteidigungsminister Gallant wegen Kriegsverbrechen in Gaza. Aktuell verhandeln Rat und Parlament über einen Kommissionsentwurf, bis Jahresende soll entschieden werden.

Wozu brauchen wir das?

Österreich ist eine Bargeld-Hochburg: Laut einer PwC-Studie zahlten 2025 39 Prozent bevorzugt bar, deutlich mehr als in anderen europäischen Ländern. 2022 waren es noch 47 Prozent. Bisher geht der Trend zu virtuellen Zahlungen einher mit einer steigenden Abhängigkeit von privaten Zahlungsabwicklern. Sie handeln gewinnorientiert, verlangen teils hohe Gebühren und verwerten Nutzerdaten.

Der Markt wird von US-amerikanischen Unternehmen wie MasterCard, Visa, PayPal, Google und Apple dominiert, was angesichts geopolitischer Spannungen immer mehr zum Problem wird. Der D€ soll für geringere Gebühren und weniger Abhängigkeit sorgen.

Warum sind die Banken skeptisch?

Die Banken befürchten durch den D€ einen Verlust an Kontrolle und Liquidität. Und sie haben ein eigenes Projekt: 2024 gründeten 16 europäische Großbanken und Zahlungsdienstleister die Plattform „Wero“, die ähnlich wie PayPal funktioniert. Damit soll bald in der gesamten EU bezahlt werden können. Raiffeisen ist die bisher einzige teilnehmende österreichische Bank. Online-Zahlungen sind bereits möglich, der stationäre Handel soll bald folgen.

Was kostet das?

Die EZB rechnet mit Kosten in Höhe von 1,3 Milliarden Euro bis zur Einführung und dann 320 Millionen jährlich für den laufenden Betrieb des Systems. Finanziert werden soll der D€ aus den Einnahmen der Zentralbanken – der sogenannten „Seigniorage“. Das bedeutet ein Einnahmen-Minus für die Mitgliedsstaaten.

Die Implementierungskosten für Geschäftsbanken schätzt die EZB auf vier bis sechs Mrd. Euro, die an die Kunden abgewälzt werden dürften. Auch auf Händler kommen Kosten zu, sie müssen ihre Zahlungssysteme anpassen.

Werden wir dann alle überwacht?

Bei Online-Zahlungen sollen Sender und Empfänger für die abwickelnde Bank identifizierbar sein – nicht aber für das Eurosystem. Datenschützer befürchten trotzdem die zentrale Sammlung und Nachverfolgung von Daten zur Geldwäschebekämpfung.

Die Offline-Variante soll ähnlich anonym sein wie Bargeld. Damit soll direkt von Gerät zu Gerät Geld übertragen werden können. Wer Geld verschickt und bekommt, soll nur für die Teilnehmer selbst sichtbar sein. Hier soll es aber Auflade- und Transaktionslimits geben, um Geldwäsche vorzubeugen.

Wie funktioniert das?

Laut aktuellem Vorschlag der Kommission sollen alle Händler in der EU, die digitale Zahlungen anbieten, zur Annahme des D€ verpflichtet werden. „Cash Only“ wird aber weiter erlaubt sein. Digitale Euros sollen in „Wallets“ aufbewahrt werden, die in bestehende Online-Konten und Apps integriert werden können.

Auch Offline-Wallets, die nicht an ein Konto gebunden sind, sollen kommen. Zahlungen vor Ort sollen in der gesamten EU per NFC, durch das Scannen eines QR-Codes oder per Bluetooth-Transfer möglich sein. Während etwa bei einer Zahlung per Kreditkarte nur eine Forderung übertragen wird, soll beim D€ direkt Zentralbankgeld den Besitzer wechseln. Transaktionen sollen wie bei Bargeld unmittelbar und final sein.

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 09/2026 erschienen.

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