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Pompejis Bewohner mussten Wasser pumpen und badeten eher unhygienisch

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Wieder neue Erkenntnisse entdeckt
©AFP, APA, ANDREAS SOLARO
Der große Ausbruch des Vesuvs im Jahr 79 nach Christus zerstörte und verschüttete die antike Stadt Pompeji und konservierte damit auch deren Wasserversorgungssystem. Anhand neuer Analysen der Karbonat-Ablagerungen erhielt ein Forschungsteam nun erstaunlich detaillierte Einblicke in Wasserversorgung und Hygiene. Bis zum Bau eines Aquädukts musste das kühle Nass von Menschenhand mühsam hochgepumpt werden, in den Bädern wurde das Wasser recht selten gewechselt.

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Unter Leitung von Gül Sürmelihindi von der University of Oxford (Großbritannien) und der Universität Mainz sowie Cees Passchier von der Uni Mainz ging das Team, dem auch Christoph Spötl vom Institut für Geologie der Universität Innsbruck angehörte, daran, die vielfältigen Kalkablagerungen in Kanälen, Becken oder Wasserleitungen aller Art in der einstigen Stadt zu durchleuchten, die so katastrophal ein Ende fand. Bis heute bietet die besondere Geschichte des im sechsten Jahrhundert vor Christus gegründeten Ortes in der Nähe Neapels ein einzigartiges Umfeld für archäologische Forschungen. Weltberühmt sind etwa die durch den heißen Ascheregen konservierten Überreste von Bewohnern. Immer noch werden an dem wissenschaftlich stark erschlossenen Ort auch neue Entdeckungen gemacht.

In Ablagerungen von im Wasser gelösten Feststoffen lässt sich mit modernen Methoden vieles über frühere Umstände herauslesen. Solche Gesteinsablagerungen bietet Pompeji in zahlreichen Varianten. Dazu kommt, dass sich die Art der vorrangigen Wasserversorgung der Stadt im Laufe ihrer Geschichte markant verändert hat: Musste das Gros des Wassers zunächst manuell - höchstwahrscheinlich von Sklaven - aus bis zu 40 Meter tief im Vulkangestein gelegenen Brunnen zum Endverbraucher gehoben werden, kam es nach dem Anschluss der Gegend an das Römische Reich als Kolonie um 80 vor Christus zu einer Änderung. Um die Zeit um Christi Geburt wurde ein Aquädukt errichtet, das Wasser aus etwas weiter entfernten Karstquellen angeliefert hat.

Der Großteil der Brunnen, die stark mineralhaltiges Wasser aus den vulkanischen Böden lieferten, wurde daraufhin nicht mehr verwendet. Dieser Umbau in der Versorgung, der der Stadt Zugang zu kühlem Nass in Trinkwasserqualität bescherte, lässt sich in den neuen Daten gut nachvollziehen, berichten die Wissenschafterinnen und Wissenschafter im Fachjournal "PNAS".

In den beheizten Bädern, die vor dem Bau der Fernwasserleitungen betrieben wurden, offenbarten sich nun im Zuge der Analyse der Isotopenzusammensetzung Zustände, die es aus Sicht heutiger Thermenbesucher und -betreiber tunlichst zu vermeiden gilt: Das Wasser wies starke Spuren menschlicher Nutzung bzw. organische Abfälle menschlichen Ursprungs auf, wie die Forschenden beschreiben. Das heißt, dass das vulkanisch geprägte Grundwasser aus der Tiefe offenbar nur relativ selten gewechselt wurde. In einer Aussendung der Uni Mainz spricht Sürmelihindi von einem Wassertausch, der wahrscheinlich nur ein Mal täglich stattfand. Das lässt wiederum auf entsprechend hygienisch bedenkliche Zustände in den "Republikanischen Bädern" dieser vorrömischen Zeit schließen.

In der Zeit nach der Umstellung der Wasserversorgung veränderte sich auch das Badewesen nachweislich und entsprach eher dem Bild der römischen Badeanstalten. Mit dem Plus beim Wasserangebot gab es dann auch mehr Bäder, in denen die hygienischen Bedingungen mit hoher Wahrscheinlichkeit auch besser waren, wie die Analysen der Zusammensetzung der Ablagerungen nahelegen.

Man könne nun tatsächlich "ein hochaufgelöstes Bild der antiken Wasserqualität" zeichnen, wie es Spötl ausdrückte. Laut den Forscherinnen und Forschern könnte man anhand vieler Proben vielleicht auch die Aktivität des Vesuvs vor dem verheerenden Ausbruch aufklären. In den Analysen fand man nämlich ein "eigentümliches, zyklisches Muster im Kohlenstoffisotopenverhältnis der Kalkablagerungen in den Brunnen", heißt es.

(S E R V I C E - https://doi.org/10.1073/pnas.2517276122)

A photo shows a general view of the archaeological site of Pompeii, near Naples, on January 25, 2021. (Photo by Andreas SOLARO / AFP)

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