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Die schwarz-weiß gemusterte Stechmücke wurde in den vergangenen Jahren eingeschleppt und hat sich in den Städten bereits etabliert. Graz ist besonders betroffen. Im Gegensatz zu heimischen Gelsen ist die Tigermücke auch tagsüber aktiv und nicht hörbar. Außerdem kann sie gefährliche Krankheiten übertragen. Männchen stechen nicht, nur Weibchen benötigen das Blut für die Versorgung der Eier. Seit Jahren appelliert das Grazer Gesundheitsamt, stehende Gewässer in Gärten regelmäßig zu entleeren oder vor Eiablagen zu schützen, dennoch wurde die Tigermücke in vielen Gärten zur Plage.
Im Vorjahr konnte die zur Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) gehörende Forschungseinrichtung im niederösterreichischen Seibersdorf als Projektpartner gewonnen werden. Zusammen mit den Forscherinnen wurden anstatt von zuerst 600.000 sogar 804.500 sterile Männchen über einen Zeitraum von mehreren Wochen ausgesetzt. Die durch Bestrahlung unfruchtbar gemachten Mücken mischten am "Heiratsmarkt" offenbar kräftig mit, denn schon nach zwei Wochen zeigten sich Erfolge der sogenannten Sterile-Insekten-Technik (SIT)-Methode.
Erwin Wieser, Experte für strategischen Infektionsschutz in Graz, erklärte, dass die Schlupfraten im Aktionsgebiet der Studie von zunächst 0,66 auf 0,22 zurückgegangen sind. Das bedeutet, dass von zuerst 100 Eiern etwa 66 lebensfähig waren und nach der Aussetzung der sterilen Männchen nur noch etwa 22 von 100 Eiern. Das entspricht einer Reduktion von rund 70 Prozent. Im Kontrollgebiet, wo keine bestrahlten Mücken freigesetzt wurden, stieg die Rate dagegen sogar ein wenig an. Zusätzlich wurden auch Lebendfallen aufgestellt und auch dabei zeigte sich, dass nach dem Freilassen der sterilen Männchen teilweise bis zu 70 Prozent weniger Mücken in die Fallen gegangen sind.
Wieser sprach von einem "sehr guten Ergebnis", allerdings betonten er sowie auch Eva Winter, Leiterin des Grazer Gesundheitsamts, und Gesundheitsstadtrat Robert Krotzer (KPÖ), dass die Bevölkerung weiterhin dringend die empfohlenen Maßnahmen umsetzen müsse. Eigenverantwortung sei gefordert. Die Tigermücke legt ihre Eier bei stehenden Gewässern, seien es noch so kleine Lacken oder Vasen, ab. Wer das verhindert, profitiert umgehend, denn die Stechmücken fliegen in einem Radius von nur rund 200 Metern. Wer also seinen Garten oder Balkon sauber hält und auch seine Nachbarn dazu animiert, könne rasch gegen die Plage Erfolge erzielen - ganz ohne sterile Männchen, unterstrichen die Experten. Eine Ausrottung sei allerdings nicht möglich.
Krotzer kündigte an, dass neben den bisherigen Maßnahmen wie Aufklärungsarbeit auch die SIT-Methode 2026 wieder angewendet werden soll. Unklar ist allerdings noch in welchem Umfang. Im Gegensatz zum Pilotprojekt im Vorjahr müssen die Mücken nun gekauft werden. Die Kosten für die Fortsetzung des Projekts werden sich daher im sechsstelligen Euro-Bereich bewegen. Details sollen erst in den kommenden Wochen ausverhandelt werden. Im späten Frühjahr will die Stadt Graz dann mehr Details bekanntgeben.
Bei der SIT-Methode werden männliche Mücken bestrahlt und dadurch unfruchtbar. Rund 24 Stunden später werden die Insekten dann in der Natur ausgesetzt. Die Methode wird häufig angewendet. Es gibt Beispiele in Italien und Florida und es können damit auch andere Mückenarten eingedämmt werden. Die SIT-Methode arbeitet nach dem Prinzip der Marktverdrängung: Die sterilen Männchen schnappen am "Heiratsmarkt" den fruchtbaren Tigermückenmännchen die Weibchen weg. Die daraus entstehenden Eier sind nicht überlebensfähig.