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Innsbrucker Forscher entwickelte Frühwarnsystem für Hangmuren

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++ HANDOUT ++ Risiko von Erdrutschen steigt durch Extremwetterereignisse
©APA/UNIVERSITÄT INNSBRUCK/ROBERT HOFMANN
Extremwetterereignisse, heftige Niederschläge und stark wechselnde Temperaturen: Diese Zutaten erhöhen das Risiko für Hangmuren im Alpenraum, die besonders an Bahnstrecken und Straßen Probleme bereiten. Der Innsbrucker Forscher Robert Hofmann entwickelte daher mit einem Team ein Frühwarnsystem für diese Murenart. Kugelförmige Instrumente - auch "Mureneier" genannt - messen die Rotation im Hang und warnen vor Bewegungen, hieß es von der Universität Innsbruck zur APA.

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Als erstes "Testfeld" des mehrjährigen Projekts diente der sogenannte "Friedhof der Wildbachsperren": Der Lattenbach im Tiroler Bezirk Imst. Es war bereits bekannt, dass dort häufig flache Erdrutsche abgehen. Daher wurde gemeinsam mit der Wildbach- und Lawinenverbauung eine Stelle ausgewählt. Diese wurde mit Mess-Instrumenten ausgestattet und im Dezember 2023 ereignete sich dann tatsächlich ein Murenabgang.

Dieser sei direkt beobachtet und auch mit einer Kamera aufgezeichnet worden, berichtete Hofmann. Die IoT-Sensoren - die "Mureneier" - registrierten aber bereits vier Tage vorher Veränderungen. "Es handelt sich dabei um circa zehn bis 15 Zentimeter große kugelförmige Instrumente, die die Rotation im Hang messen", erklärte Hofmann die Funktionsweise. Diese befinden sich normalerweise im "Ruhemodus". Erst wenn Bewegung im Hang auftritt, "erwachen" sie und übermitteln Daten an eine Cloud.

Darüber hinaus wollte der Forscher ein besseres Bild über die Ursachen dieser Muren erhalten. Die Hangmuren sind nur einen halben bis einen Meter tief und treten meist lokal und spontan auf. Es wurden mithilfe von "aufwendigen Messtechniken" verschiedene Parameter wie Bodenfeuchte und -temperatur, Saugspannungen, Lufttemperatur und Niederschlagsmengen erhoben. Drei weitere Testfelder, die von den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) als Hauptprojektpartner zur Verfügung gestellt wurden, wurden mithilfe gezielter Bewässerung analysiert.

Auch dort gaben die Sensoren frühzeitig Warnsignale ab. "Dabei haben wir gelernt, dass es gar nicht so einfach ist, den Boden mit Beregnung zu mobilisieren", sagte der Geotechniker. Die Erdmassen werden nämlich erst durch ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren in Bewegung gebracht. Hauptverantwortlich seien starke Niederschläge und der Wechsel zwischen Plus- und Minusgraden im Winter. Es sei zudem sehr wahrscheinlich, dass bei Hangmuren im Untergrund bereits Sandschichten oder von Tieren erzeugte Hohlräume vorhanden seien, die als "Trigger" dienen. Die Forschungsergebnisse wurden im Vorjahr in der Fachzeitschrift "Commun Earth Environ" publiziert.

Extremwetterereignisse, heftige Niederschläge und stark wechselnde Temperaturen: Diese Zutaten erhöhen das Risiko für Hangmuren im Alpenraum, die besonders an Bahnstrecken und Straßen Probleme bereiten. Der Innsbrucker Forscher Robert Hofmann entwickelte daher mit einem Team ein Frühwarnsystem für diese Murenart. Kugelförmige Instrumente - auch "Mureneier" genannt - messen die Rotation im Hang und warnen vor Bewegungen, hieß es von der Universität Innsbruck zur APA. Im Bild: Luftaufnahme eines Hangrutsches.

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