Die Österreicher rechnen eher mit einer weiteren Verschlechterung der wirtschaftlichen und finanziellen Verhältnisse als mit einer Verbesserung. Die politischen Folgen sind weitreichend.
Faktum der Woche
Jahre der Rezession und einer massiven Teuerung haben Spuren hinterlassen. Zwar geben 50 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher an, dass ihre Lebensqualität in Sachen Komfort und Finanzen in den vergangenen zwölf Monaten gleich geblieben ist, schwerwiegender ist jedoch dies: Nur 14 Prozent berichten von einer Verbesserung, viel mehr, nämlich 36 Prozent, von einer Verschlechterung. Das hat eine Eurobarometer-Befragung* ergeben, die im Herbst durchgeführt worden ist.
Eurobarometer-Befragung
Die Eurobarometer-Erhebung wurde im Auftrag der EU-Kommission europaweit durchgeführt. Es gibt nur zwei EU-Länder, in denen mehr Menschen eine Verschlechterung ihrer Lebensqualität orten als in Österreich: in Griechenland (37 Prozent) und in Frankreich (39). EU-weit tun es 24 Prozent. Besonders in Skandinavien sind es weniger.
Das Ganze deckt sich eben mit realen Entwicklungen. Stichwort längste Wirtschaftskrise der Zweiten Republik sowie eine Arbeitslosigkeit, die im europäischen Vergleich stark steigt, sowie eine ungewöhnlich hohe Inflation. Die politischen Folgen sind weitreichend: Es schwindet das Vertrauen in Regierende und ihre Lösungskompetenz. Es wachsen Zweifel am demokratischen System.
Wenig Licht am Ende des Tunnels
Ein Licht am Ende des Tunnels wird nur von wenigen Menschen gesehen. Die Österreicherinnen und Österreicher rechnen eher mit einer weiteren Verschlechterung als mit einer Verbesserung der Verhältnisse.
Ob es um ihr Leben im Allgemeinen geht oder die finanzielle Situation des eigenen Haushalts. Oder um die wirtschaftliche Lage: 39 Prozent befürchten, dass sich diese in den kommenden zwölf Monaten noch mehr eintrüben wird, gerade einmal 20 Prozent gehen von einem Aufschwung aus. Ähnlich verhält es sich in Bezug auf den Arbeitsmarkt: 37 Prozent erwarten eine Verschlechterung, nur 17 Prozent eine Verbesserung.


Umso wichtiger ist es zumindest für die Regierung, dass kommt, worauf Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) setzt und was von Wirtschaftsforschern in absehbarer Zeit als möglich eingestuft wird: dass die Inflation auf zwei Prozent sinkt und das Wirtschaftswachstum auf ein Prozent klettert. Das ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass die Umfragewerte von ÖVP, SPÖ und NEOS in Summe wieder auf mehr als 50 Prozent klettern können. Derzeit liegen sie darunter, also wäre die Regierung im Falle eines Urnengangs abgewählt.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 1+2/2026 erschienen.

