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Babler, Kern, Doskozil: Zerrissene Sozialdemokratie

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Andreas Babler und Hans Peter Doskozil

©APA-Images / Alex Halada

Seit zehn Jahren kommt die SPÖ nicht zur Ruhe. Dabei geht es nur vordergründig um Leute wie Babler und Doskozil: Es gibt keine gemeinsame Idee mehr davon, wie man sich ausrichten soll.

Analyse der Woche

Das Jahr 2016 steht für eine Zäsur in der jüngeren Geschichte der SPÖ: Gegen den Willen des Wiener Bürgermeisters Michael Häupl (SPÖ) haben Ländervertreter die Ablöse des damaligen Kanzlers und Bundesparteivorsitzenden Werner Faymann erzwungen.

Seither ist sie nicht mehr zur Ruhe gekommen: Nachfolger Christian Kern ging ein Jahr nach Verlust des Kanzleramts, und dessen Nachfolgerin, Pamela Rendi-Wagner, wurde vom burgenländischen Landeshauptmann Hans Peter Doskozil demontiert. Damit er jedoch nicht übernehmen konnte, half vor allem der nunmehrige Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ), dass sich Andreas Babler im Juni 2023 bei einer Kampfabstimmung um den Vorsitz durchsetzte.

Stadt vs. Land

„Alles gut“ ist damit aber eben nicht geworden für die SPÖ. Wobei es um mehr als um Persönliches geht. Relevant ist auch, dass es in ihren Reihen keine übereinstimmende Idee mehr davon gibt, wie man sich ausrichten soll, um österreichweit groß punkten zu können. Zumal es wirklich schwierig ist: Viele Menschen, die sich als Arbeiter oder „Hackler“ betrachten, sind längst zur FPÖ gewechselt und stimmen auch deren Zuwanderungs- und Integrationspolitik zu.

Im Burgenland mag es Doskozil schaffen, sie zu erreichen. Für die Bundespolitik wäre es jedoch riskant, es ihm gleichzutun: Damit würde man Gefahr laufen, Akademikerinnen und Akademiker zu verlieren, die vor allem in Städten eine zunehmend bedeutende Wählergruppe bilden und die sich etwa einen anderen Zugang zu Zuwanderung und Integration erwarten – einen, wie er in wesentlichen Zügen zum Beispiel von Michael Ludwig praktiziert wird.

Nullsummenspiel

Bezeichnend: Nicht nur Babler ist bisher daran gescheitert, zu zeigen, wie man diesen Gegensätzen entsprechen und noch Wahlerfolge erzielen könnte für die SPÖ. Auch Christian Kern ist es: Unter seiner Führung hat die Partei bei der Nationalratswahl 2017 in den Städten zwar zugelegt – in Innsbruck sogar auf Platz eins –, auf der anderen Seite hat sie in ländlichen Regionen jedoch Verluste erlitten. Es handelte es sich also nur um ein Nullsummenspiel.

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 07/2026 erschienen.

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