Andreas Babler wird an diesem Wochenende als SPÖ-Vorsitzender bestätigt. Gegen eine Ablöse sprach auch, dass so wenigstens eine Fortsetzung der Regierungsbeteiligung gesichert ist.
Die Pragmatiker der Macht
Dass Vizekanzler Andreas Babler mit der Aussicht, als SPÖ-Chef bestätigt zu werden, in den Bundesparteitag an diesem Samstag in Wien geht, hat er vor allem dem dortigen Bürgermeister Michael Ludwig zu verdanken: Neben führenden Gewerkschaftern zählt dieser zu den Pragmatikern der Macht in der Sozialdemokratie, die davon ausgehen, dass so wenigstens eine Fortsetzung der Regierungsbeteiligung gesichert ist.
Auch sie bezweifeln, dass es ihm noch gelingen kann, Wahlerfolge zu erzielen, geschweige denn das Kanzleramt zurückzuerobern. Sie sehen jedoch die Alternative: Mit einem neuen Vorsitzenden würde die SPÖ riskieren, eher früher als später in Opposition zu landen.
Das Dilemma der Sozialdemokratie
Zum Beispiel mit Christian Kern, der für ein Comeback zur Verfügung gestanden wäre: ÖVP und NEOS hätten ihn als Vizekanzler wohl akzeptiert. In der Koalition hätte er aber nicht so weitermachen können wie Babler, der hier weniger links als konsensorientiert agiert. Kern hätte sich profilieren müssen: Ja, er hätte davon ausgehen müssen, dass er Erwartungen, die er bei einem Teil der Wählerschaft weckt, nicht über die ganze verbleibende Legislaturperiode von bis zu dreieinhalb Jahren aufrechterhalten kann; dass er sein Potenzial von 25, 26 Prozent eher nur dann ausschöpft, wenn er es auf baldige Neuwahlen anlegt.
Und dann? Das ist das Dilemma der SPÖ: Von einer Mehrheit mit den Grünen ist sie weit entfernt. Nicht einmal inklusive NEOS geht sich das aus. Sie ist abhängig davon, dass die ÖVP mit ihr koaliert. Was nicht so klar ist, wie es wirkt.
Die offene Frage der Koalitionen
Vor einem Jahr mag Blau-Schwarz unter einem Kanzler Herbert Kickl (FPÖ) gescheitert sein. Das heißt jedoch wenig. Wenn Kickl auf das Innenministerium verzichtet hätte, wäre die Sache „wahrscheinlich“ anders ausgegangen, gestand Christian Stocker (ÖVP) damals.
Vor allem aber praktiziert die Volkspartei in bereits fünf Ländern eine Koalition mit der FPÖ, die von der Überzeugung getragen ist, dass man Verluste an Freiheitliche nur durch eine gemeinsame Politik mit diesen eindämmen kann. Das ist auch im schwarzen Kernland Niederösterreich der Fall und hat umso mehr Einfluss auf den Kurs der Bundes-ÖVP.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 10/2026 erschienen.

