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Vor allem in Wien gehe das Auftreten einer neuen Generation von Neonazis mit einer Zunahme gewalttätiger Angriffe einher. Jüngere Mitglieder wollen sich etwa vor älteren Kameraden der Gruppe beweisen. Wie in den Vorjahren ist die überwiegende Mehrheit der Beschuldigten mit 90 Prozent männlich, 80 Prozent sind österreichische Staatsbürgerinnen und -bürger, einer von fünf Beschuldigten ist zwischen 14 und 18 Jahren alt. Einschlägige Propaganda werde vorwiegend online verbreitet. Im Gegensatz dazu findet mit 27,2 Prozent nur eine Minderheit strafbarer rechtsextremistischer Tathandlungen im Internet statt. Andreas Kranebitter, Leiter des DÖW, bezeichnete den Rechtsextremismus als quantitativ größte Bedrohung für die Demokratie. Er rechnet mit einem weiteren Anstieg rechtsextremistischer Fallzahlen 2025.
Die "Neue Rechte" verfolgt dem Bericht nach das Ideal einer ethnisch möglichst homogenen Gesellschaft. Etwa stuft das DÖW auch die "Identitäre Bewegung" (IBÖ) mit Martin Sellner an der Spitze als "zentrale 'neurechte' Gruppierung Österreichs" ein. Sie sollen 2024 wieder verstärkt Versuche unternommen haben, ihre Sichtbarkeit an Hochschulen zu steigern. Die Relevanz der IBÖ liege nicht unbedingt in Größe und Mobilisierungskraft, sondern in ihrer Fähigkeit, Themen, Strategien und Sprachregelungen für weite Teile der extremen Rechten vorzugeben. Als Beispiel nennt der Bericht den Begriff "Remigration", worüber Sellner im Berichtsjahr 2024 ein Buch veröffentlichte.
Nach Ansicht von DÖW-Projektleiter Bernhard Weidinger herrscht in der Öffentlichkeit zu wenig Bewusstsein dafür, dass dieses Konzept ein "gigantisches Gewaltprogramm" darstellt. Nach dem Rechtsextremismus-Barometer 2024 des DÖW stimmt rund die Hälfte der Befragten zu, dass eine umfassende Remigration notwendig sei. DÖW-Leiter Kranebitter sprach im Zusammenhang mit "Remigration" von einer "Normalisierung rechtsextremer Kampfbegriffe", die er für den zentralsten Trend des Berichtsjahres hält. Mittels einschlägiger Medien baue sich die rechtsextreme Szene eine Parallelgesellschaft auf. Wie Weidinger weiter ausführte, habe die Verbreitung des Begriffs unter FPÖ-Bundesparteiobmann Herbert Kickl zugenommen.
Auch die wiederkehrende Verwendung neonazistischer Slogans und Ästhetiken der 1990er-Jahre sei auffällig. Die "Teilrenaissance" von Forderungen wie "Ausländer raus" werde durch die virale Verbreitung über rechte Medien und das Internet beschleunigt. Ein Beispiel sei die ausländerfeindliche Coverversion des Partylieds "L'amour toujours" von Gigi D'Agostino. Weidinger wies auch auf eine fortschreitende Militarisierung der Szene hin und begründete diese Beobachtung mit zahlreichen Waffenfunden.
Wie bereits im März 2025 durch die Beantwortung des Innenministeriums einer parlamentarischen Anfrage der SPÖ-Nationalratsabgeordneten Sabine Schatz bekannt wurde, stiegen rechtsextreme Tathandlungen 2024 um 23 Prozent an. Wurden im Jahr 2023 noch 1.208 Taten registriert, waren es 2024 1.486 Taten. Der Anstieg kann dem Rechtsextremismusbericht zufolge teilweise auf die Verschärfung des Verbotsgesetzes mit 1. Jänner 2024 zurückgeführt werden. Rund 60 Prozent gehen auf Tathandlungen nach dem Verbotsgesetz, vor allem Wiederbetätigung und Holocaust-Leugnung, zurück. Die restlichen 40 Prozent entfallen auf andere strafrechtlich relevante Handlungen, etwa Körperverletzung, Freiheitsentziehung, Nötigung oder Vermögensdelikte.
Am meisten Fälle gab es demnach 2024 in absoluten Zahlen in Wien und Oberösterreich. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl standen Vorarlberg mit 27,6 und Salzburg mit 21,3 Tathandlungen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner an der Spitze, was in diesen Bundesländern einer Verdoppelung im Vergleich zu 2021 entspricht. Der Durchschnitt liegt österreichweit bei 16,2 Tathandlungen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Am wenigsten Tathandlungen gab es in der Steiermark (8,5).
Wie schon im Bericht 2020-2023 thematisiert der Bericht erneut das Verhältnis zwischen der 2020-2023 thematisiert und der FPÖ. Im Jahr 2024 soll demnach das Verhältnis zwischen Identitären und FPÖ, vor allem der Parteijugend, noch enger geworden sein. Der Bericht bezeichnet das Verhältnis gar als "symbiotisch". und dd der FPÖ. Im Jahr 2024 soll demnach das Verhältnis zwischen Identitären und FPÖ, vor allem der Parteijugend, noch enger geworden sein. Der Bericht bezeichnet das Verhältnis gar als "symbiotisch".
Dem Bericht zufolge pflegen Mitglieder der extremen Rechten weiterhin Kontakte ins Ausland. Wichtigster Bezugspunkt bleibe Deutschland, es werden aber etwa auch Kontakte in zahlreiche andere europäische Länder unterhalten, zum Beispiel nach Italien, in die Schweiz sowie nach Ost- und Südosteuropa. Ambivalent sei das Verhältnis zur USA und Russland. Trotz antiamerikanischer Ressentiments hegten weite Teile der extremen Rechten Sympathien für die Politik von US-Präsident Donald Trump und würden sich dadurch "internationalen Rückenwind" erwarten. Neonazis würden Russland aus rassistischen Erwägungen als Feind betrachten, hingegen würden einzelne Mitglieder Russland "regelrecht idealisieren".
Kurz vor der Präsentation des Berichts kritisierte FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz in einer Aussendung, dass für dessen Erstellung Steuermittel verbraucht werden. Es sei eine "skandalöse Farce und ein offensichtlicher Versuch der Regierung, Steuergeld zu missbrauchen, um hinsichtlich von Wahlen einen Vorteil gegenüber ihren erfolgreicheren politischen Konkurrenten zu erzielen." Es seien in den letzten Jahren über 220.000 Euro an Steuergeld geflossen, Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) habe allein im letzten Jahr dem DÖW 90.000 Euro nachgeworfen, um einen politisch motivierten Bericht zu erstellen. Nach Auskunft des DÖW haben Innen- und Justizministerium jeweils die Hälfte für die Kosten von insgesamt rund 75.000 Euro für den aktuellen Bericht getragen.
SPÖ-Sprecherin für Erinnerungskultur Sabine Schatz meinte in einer Aussendung, es gebe nichts zu beschönigen oder zu verharmlosen. Es sei deutlich, dass Österreich ein Rechtsextremismus-Problem habe, was eine klare Gefahr für die innere Sicherheit sei. Außerdem werde man mit den Koalitionspartnern ÖVP und NEOS den Nationalen Aktionsplan gegen Rechtsextremismus auf den Weg bringen. Lukas Hammer, Rechtsextremismussprecher der Grünen, hielt in einer Aussendung fest, dass die FPÖ immer mehr zum parlamentarischen Arm der extremen Rechten in Österreich werde. Er kritisierte außerdem Innenminister Karner, der sich weigere, das Symbolegesetz ordentlich zu vollziehen und den ausstehenden Beschluss des Nationalen Aktionsplans gegen Rechtsextremismus.
Das DÖW erstellt den Rechtsextremismusbericht im Auftrag von Innen- und Justizministerium seit 2025 nach einer 20-jährigen Pause wieder jährlich. Die Berichte erfassen Entwicklungen des österreichischen Rechtsextremismus und identifizieren maßgebliche rechtsextremistische Akteurinnen und Akteure. Als Quellen verwendet das DÖW Erhebungen von Behörden und zivilgesellschaftlichen Meldestellen. Der im Vorjahr präsentierte Bericht durchleuchtete Entwicklungen in der rechtsextremistischen Szene zwischen 2020 und 2023.






