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Staatsanwalt Bernhard Löw skizzierte demgegenüber in seinem Anklagevortrag das Bild eines Hochstaplers, der einen Schaden von knapp über 1,6 Millionen Euro angerichtet habe. Bei weiteren 400.000 Euro sei es beim Versuch geblieben. "Er hat das Blaue vom Himmel versprochen", sagte Löw. Danny K. habe sich als Vertreter von Investoren ausgegeben und diverse Finanzierungsinstrumente angeboten, wobei er Interessenten kostspielige Due-Diligence-Prüfungen und Bankberatungen in Rechnungen stellte.
Folgt man dem Staatsanwalt, existierten diese nur am Papier. In keinem einzigen Fall sei es zu einem Investment gekommen: "Außer Spesen nix gewesen, war das Fazit für die Opfer." Alles sei "nur Schall und Rauch" gewesen, Danny K. habe "eine Spur der Verwüstung hinterlassen", fand der Staatsanwalt harte Worte für den Angeklagten, der seit den frühen 1990er Jahren in mehreren europäischen Ländern Vorstrafen wegen Vermögensdelikten "gesammelt" hat. Der Liebe wegen hatte sich Danny K. 2021 in Wien niedergelassen.
Von der Anklage umfasst sind 40 Betrugsfakten, nachdem zuletzt noch die Schweizer Strafverfolgungsbehörden den Kollegen in Wien einen Strafantrag zur Verhandlung am Landesgericht übermittelt hatten. Darüber hinausgehend sind 22 Urkundendelikte inkriminiert: Als die Kunden des vermeintlichen Investors die Rückzahlung ihrer Gelder verlangten, legte dieser Unterlagen vor, die sie beruhigen sollten. "Alles, was vorgewiesen wurde an scheinbaren Überweisungen, war eine Fälschung", bemerkte dazu der Staatsanwalt.
Zu den gefälschten Urkunden war Danny K. geständig. "Sie wurden nicht hergestellt, um betrügerische Handlungen zu begehen. Er war in die Enge getrieben. Die Leute waren erbost. Er hat es mit der Angst zu tun bekommen und hat sich leider dazu hinreißen lassen, falsche Urkunden herzustellen", sagte Verteidigerin Astrid Wagner, die den 53-Jährigen gemeinsam mit dem auf Zivilrecht spezialisierten Wiener Anwalt Gerhard Podovsovnik vertritt. Podovsovnik hatte die vorsitzende Richterin Helene Gnida insofern verwirrt, als er ihr am Vorabend vor dem Prozessauftakt eine Mail übermittelte, in der sich der Satz "Vielleicht finden wir morgen einen Weg, den Herrn K. zu enthaften" fand. Das sei kein formeller Enthaftungsantrag, stellte Verteidigerin Wagner klar.
Betrüger sei ihr Mandant keiner, versicherte Wagner, nachdem sie dem Schöffensenat einen "Ausflug in die glamouröse Hochfinanz" versprochen hatte. Ihr Mandant bleibe dabei: "Die Finanzierungsinstrumente, diese Investments waren echt. Es war kein Fake. Es findet sich im Akt kein Beweis, dass es nicht echt gewesen ist." Die Finanzierung der ins Auge gefassten Projekte sei halt gescheitert: "Es hat nicht funktioniert." Die Hochfinanz sei nun mal "eine sensible, fragile Welt". Investoren hätten sich von Danny K. zurückgezogen, weil es Zweifel an dessen Bonität gab "und weil zu viel in der Zeitung gestanden ist", führte Wagner ins Treffen.
Danny K. hatte der Anklageschrift zufolge spätestens Anfang 2022 den Entschluss gefasst, "sich fortlaufende Einnahmen zu verschaffen, indem er sich wiederholt wahrheitswidrig als finanzstarker Geschäftsmann und Investor ausgab, vermeintliche Investitions- und Kreditzusagen gewährte, angebliche damit im Zusammenhang stehende Leistungen verrechnete und nach den entsprechenden Zahlungseingängen die Einhaltung der abgeschlossenen Verträge mit vorgeschobenen Gründen verweigerte, dies ohne die bereits geleisteten Beträge zu refundieren." Danny K. habe bewusst die prekäre finanzielle Lage einiger seiner Opfer ausgenutzt, hält die Anklagebehörde fest. Diese dürften in ihm eine Art Strohhalm gesehen haben, an den sie sich klammerten, um wirtschaftlich betrachtet nicht unterzugehen.
Dass Danny K. Fotos und Medienberichte lancierte, die ihn mit dem damaligen ÖVP-Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und dem seinerzeitigen Vizekanzler und FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache zeigten, dürfte ihm den "Kundenfang" erleichtert haben. Erörtert wurde vor Gericht in diesem Kontext etwa der Fall einer Chefköchin, der Danny K. als vermeintlich mit Polit-Größen vernetzter Kapazunder 350.000 Euro in Aussicht gestellt haben soll.
Auch Strache selbst dürfte an einer Geschäftsanbahnung mit Danny K. interessiert gewesen sein. Eine Reise nach Albanien, an der Strache mit einigen Bekannten teilnahm, hatte einen von Danny K. ausgestellten "Letter of Intent" zur Folge. Für diesen stellte der 53-Jährige 6.000 Euro in Rechnung, ohne dass es je zu einem Geschäftsabschluss mit Strache bzw. einem Bekannten Straches gekommen wäre. Strache selbst, der im Verlauf der Verhandlung als Zeuge aussagen soll, zählt sich zu den Geschädigten des 53-Jährigen.
