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Ist Österreichs Verschuldung langfristig außer Kontrolle?

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Finanzminister Markus Marterbauer

©Matt Observe

Ohne weitere Einschnitte droht Österreich eine höhere Verschuldung als Griechenland. Dafür, die steuerliche Belastung zu senken, gibt es in den kommenden Jahrzehnten schon gar keinen Spielraum.

Faktum der Woche

Die Studie zur „Langfristigen Perspektive der öffentlichen Finanzen in Österreich“, die das Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO gerade veröffentlicht hat, ist alles andere als erfreulich.

Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) mag sich zusammen mit den übrigen Regierungsmitgliedern sowie Länder- und Gemeindevertretern bemühen, das gesamtstaatliche Defizit bis 2029 auf weniger als drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu drücken.

Ja, vielleicht wird er das sogar schaffen. Für die Zeit danach schaut es jedoch gar nicht gut aus: Das WIFO rechnet damit, dass die Verschuldung* ohne weitere Einschnitte explodieren und 2060 knapp 150 Prozent des BIP betragen wird. Damit wäre die Quote dann höher, als sie in Griechenland heute ist. Dort ist sie bei rückläufiger Tendenz im vergangenen Jahr auf weniger als 150 Prozent gesunken.

Zurückzuführen ist die Entwicklung hierzulande vor allem auf die Alterung und damit einhergehende Dynamiken: Stärker noch als der Pensionsaufwand wird künftig jener für Gesundheit und Pflege steigen. Auf der anderen Seite nimmt mit der Verschuldung auch der Zinsaufwand zu.

Alles in allem werden die Staatsausgaben laut WIFO von etwas mehr als 55 im vergangenen Jahr auf fast 59 Prozent des BIP im Jahr 2060 klettern. Umgekehrt gehen die Wirtschaftsforscher davon aus, dass die Einnahmenquote mit gut 51 Prozent unverändert hoch bleiben wird, und dass die steuerliche Gesamtbelastung also nicht gesenkt werden wird bzw. nicht gesenkt werden kann, weil es hinten und vorne keinen Spielraum dafür gibt.

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 © Waltl & Waltl

Hoffnungen, dass die Schwierigkeiten durch ein größeres Wirtschaftswachstum wie von selbst verschwinden werden, werden vom WIFO zerschlagen. Ex-Kanzler Karl Nehammer (ÖVP) hatte noch darauf gesetzt. Sein Nachfolger Christian Stocker (ÖVP) wäre schon froh, wenn in absehbarer Zeit eine Wachstumsrate von einem Prozent zusammenkommen würde. Doch selbst wenn sie in weiterer Folge höher ausfallen sollte, wird es den Experten zufolge nicht reichen.

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 05/2026 erschienen.

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