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Münchner Sicherheitskonferenz 2026: Dialogforum unter Druck

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vl: Johann Wadephul, Bundesminister des Auswärtigen, Ursu, la von der Leyen, Präsidentin Europäische Kommission, Markus Söder, CSU-Parteivorsitzender und Ministerpräsident Bayern, Mark Rutte, Generalsekretär NATO

©IMAGO / Chris Emil Janßen

Was das Treffen seit 1963 ausmacht und warum die MSC am 13. Februar 2026 mit transatlantischen Spannungen in die neue Runde geht.

Heute am 13. Februar 2026, hat in München die 62. Münchner Sicherheitskonferenz (Munich Security Conference, MSC) begonnen. Erwartet werden wieder zahlreiche Spitzenpolitikerinnen und Spitzenpolitiker, darunter Bundeskanzler Friedrich Merz sowie Delegationen aus Europa, den USA, der Ukraine und China.

In diesem Jahr richtet sich der Blick besonders auf die Belastungsprobe im Verhältnis zwischen Europa und den Vereinigten Staaten. Dazu kommen die Kriege und Krisen, die seit Jahren die Agenda dominieren.

Ein Forum ohne Abschlusserklärung

Die Münchner Sicherheitskonferenz ist kein Gipfel, der Verträge aushandelt oder Beschlüsse fasst. Nach eigener Darstellung soll sie den offenen Austausch ermöglichen, bewusst ohne Abschlussdokument und ohne die Erwartung, dass in München formelle Vereinbarungen unterzeichnet werden.

Gerade dieses informelle Setting macht die Konferenz für viele Regierungen attraktiv: In Panels, bilateralen Treffen und Hintergrundgesprächen können Positionen getestet, Kompromisse sondiert und Konfliktlinien sichtbar gemacht werden. Wer eingeladen wird, entscheidet die Leitung der Konferenz.
Als Leitidee verweist die MSC auf das Prinzip „Frieden durch Dialog“. Im Streit darüber, wer sprechen darf und wer nicht, steckt ein Teil der politischen Sprengkraft des Formats.

Von der Wehrkundetagung zum globalen Treffpunkt

Gegründet wurde das Treffen 1963 unter dem Namen „Internationale Wehrkunde-Begegnung“. Initiator war Ewald-Heinrich von Kleist, der dem militärischen Widerstand gegen die NS-Diktatur zugerechnet wird.

Schon beim ersten Treffen im November 1963 waren prominente Namen dabei, darunter Helmut Schmidt und Henry Kissinger, damals noch in anderen Rollen als später auf der Weltbühne.

Nach dem Ende des Kalten Krieges wuchs die Konferenz deutlich und öffnete sich stärker für Staaten außerhalb des westlichen Bündnisses. Parallel wurde der Sicherheitsbegriff breiter, von Militärfragen hin zu ökonomischer, technologischer, ökologischer und „menschlicher“ Sicherheit.

Immer wieder wurde die MSC zur Bühne für Zäsuren, die bis heute nachhallen: 2003 stritt der damalige Außenminister Joschka Fischer öffentlich mit US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld über den Irakkrieg. 2007 hielt Russlands Präsident Wladimir Putin eine Rede, die viele rückblickend als Wendepunkt im Verhältnis zwischen Russland und dem Westen bewerten.

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 © IMAGO / dts Nachrichtenagentur

Wer organisiert, wer finanziert und wer führt

Träger ist eine gemeinnützige Organisation, die Bundeszentrale für politische Bildung als Stiftung Münchner Sicherheitskonferenz gemeinnützige GmbH beschreibt. Unter Wolfgang Ischinger wurde die Organisation 2011 in diese Struktur überführt, 2018 kam eine zusätzliche Stiftung bürgerlichen Rechts hinzu.

Finanziert wird die MSC laut bpb durch eine Mischung aus staatlicher Unterstützung und Beiträgen von Partnern und Sponsoren. Für das Geschäftsjahr 2024/25 nennt die bpb etwa 30 Millionen Euro Einnahmen von Unterstützern und nicht öffentlichen Institutionen sowie fast 2 Millionen Euro staatliche Unterstützung. Außerdem verweist die bpb auf die MSC-Aussage, kein Unterstützer solle mehr als acht Prozent des Gesamtbudgets beitragen.

Auch an der Spitze ist Bewegung. Nach bpb-Angaben leitete Christoph Heusgen die Konferenz von 2022 bis 2025, aktuell führe Ischinger kommissarisch, bis der frühere NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg übernehmen kann.

Warum die Konferenz 2026 besonders aufgeladen startet

Dass die MSC 2026 mit besonderer Spannung beginnt, hat viel mit der transatlantischen Lage zu tun. Die Associated Press beschreibt die Eröffnung explizit als von Spannungen zwischen Europa und den USA geprägt und nennt als Teilnehmende unter anderem Rubio, den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sowie Chinas Außenminister Wang Yi.

Im Hintergrund steht auch die Erinnerung an die MSC 2025: Damals sorgte eine Rede von US-Vizepräsident J. D. Vance für heftige Reaktionen in Europa. Als inhaltlicher Rahmen dient der Munich Security Report 2026, der unter dem Titel „Under Destruction“ vor „Abrissbirnenpolitik“ und der Stärkung politischer Kräfte warnt, die Zerstörung über Reformen stellen.

Ein Baustein dafür ist der Munich Security Index 2026, eine Umfrageauswertung in Kooperation mit der MSC. Kekst CNC berichtet dort von auseinanderlaufenden Risikowahrnehmungen zwischen G7-Staaten und BICS-Ländern, in den G7 würden etwa Cyberangriffe, Finanzkrisen und Desinformation besonders hoch gewichtet.
Der Guardian fasst die Stoßrichtung des Reports mit Blick auf Europa zugespitzt zusammen: Die Debatte über größere strategische Eigenständigkeit Europas werde drängender, auch weil Vertrauen in die US-Politik sinke.

Proteste, Kritik und die Frage, wer dazugehören darf

Zur MSC gehören seit Jahren Proteste. Am Freitag berichtete Die Welt über eine Aktion von Greenpeace, bei der Aktivisten an einem Kran ein Banner entrollten, um Energieabhängigkeiten als Sicherheitsfrage zu markieren.

Kritik entzündet sich regelmäßig an der Nähe zu Militär und Rüstungsindustrie, an der Rolle von Unternehmenspartnern sowie an der Abschottung der Veranstaltung. Die bpb beschreibt zudem, dass die Teilnehmerliste 2026 nicht öffentlich sei und dass Einladungen politisch umstritten sein können, etwa im Umgang mit der Alternative für Deutschland (AfD), die 2026 wieder vertreten sein soll.

Am Ende bleibt die Münchner Sicherheitskonferenz ein Seismograf: Sie zeigt, wie Regierungen und Bündnisse ihre Prioritäten setzen, ohne sie sofort in Verträge zu gießen. Ob aus den Münchner Gesprächen in diesem Jahr neue Linien für NATO-Politik, Ukraine-Unterstützung oder den Umgang mit China entstehen, wird eher in Tonlage und Nebenabreden sichtbar werden als in einem offiziellen Kommuniqué.

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