So wird es nie zu Gleichstellung kommen: Nach wie vor gehen eher nur Mütter in Karenz. Das wirkt sich auf Dauer nachteilig aus für sie - auch im Hinblick auf berufsrelevante Kompetenzen.
Sobald „absolute Gleichstellung“ erreicht ist, kann man laut Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) darüber reden, die allgemeine Wehrpflicht nicht auf Männer zu beschränken, sondern auf Frauen auszuweiten. Noch sei man jedoch weit entfernt davon. In einem Ö1-Interview erinnerte Tanner daran, dass Frauen unter anderem weniger verdienen und einen Großteil der Sorgearbeit übernehmen; insbesondere in Bezug auf Kinder. Auch von SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Ruth Manninger ist jüngst daher ein „klares Nein zur Wehrpflicht von Frauen“ gekommen. Anlass: Eine Reformkommission zur Wehrdienstverlängerung hatte eine solche im Jänner als längerfristige Option vorgeschlagen.
Bleibt es seitens der Politik bei diesem Standpunkt und werden Gleichstellungsbemühungen nicht vervielfacht, wird es wohl nie dazu kommen: Laut einer Studie, die Forscherinnen der „Österreichischen Akademie der Wissenschaften“ erstellt haben, sind Mütter nach der ersten Geburt im Durchschnitt 416 Tage in Karenz und Väter gerade einmal neun.


Dadurch kommt es zu einer Verfestigung von Ungleichheit: Frauen verlieren Einkommen. Unter anderem auch, weil viele nach der Karenz* nicht mehr Voll-, sondern allenfalls Teilzeit wieder erwerbstätig werden. Das führt letzten Endes zusätzlich zu entsprechend niedrigeren Pensionsansprüchen.
Karenz
Unselbstständig erwerbstätige Eltern haben Anspruch auf Karenz. Das ist eine befristete Freistellung von der Arbeit. Ein Elternteil allein kann die Möglichkeit bis zum Ablauf des 22. Lebensmonats des Kindes nutzen. Tun es beide Elternteile abwechselnd, kann es sich um bis zu zwei Jahre handeln.
Im Übrigen geht die Karenz auf Kosten berufsrelevanter Kompetenzen, die in dieser Phase ja weniger gepflegt werden müssen. Das zeigt eine Folgestudie, die gerade als „Working Paper“ veröffentlicht worden ist und sich im Begutachtungsstadium befindet. Untersucht wurden Regelungen in mehreren europäischen Ländern sowie die Auswirkung von Reformen, die im Laufe der Zeit durchgeführt worden sind. Vorläufiges Ergebnis: Jedes zusätzliche Jahr gesetzlicher Elternzeit reduziert die Rechenfähigkeiten von Müttern um drei bis fünf Prozent. Problem: Mit jedem Prozent sinken auch die weiteren Beschäftigungschancen.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 09/2026 erschienen.

