Das Zusammenleben mit zugewanderten Menschen ist nicht überall so schlecht, wie die Integrationsministerin tut. In Städten ist es viel besser. Aus den Gründen könnte man Entscheidendes ableiten.
„Ich denke, es überrascht wenig, dass die Stimmung punkto Integration und Zuwanderung nicht die beste ist“, meinte Integrationsministerin Claudia Bauer (ehemals Plakolm) jüngst auf Basis von Befragungsergebnissen für ein Integrationsbarometer. 60 Prozent der österreichischen Staatsangehörigen bezeichnen das Zusammenleben mit zugewanderten Menschen demnach als schlecht. In Bezug auf Musliminnen und Muslime handelt es sich gar um 66 Prozent.
Kritik, sie betreibe Stimmungsmache, wies Bauer ebenso zurück wie ihre Partei, die ÖVP, die die Erhebung zum Anlass nahm, um in sozialen Medien ausschließlich Probleme zu befeuern. Zum Beispiel durch die Fragestellung: „Wusstest du, dass zwei Drittel das Zusammenleben mit Muslimen als schwierig empfinden?“
Wenn man an Lösungen interessiert wäre, wäre es relevant, genauer hinzuschauen: Bei einer Eurobarometer-Befragung hierzulande haben im vergangenen Herbst 59 Prozent angegeben, dass zugewanderte Menschen einen positiven Beitrag für Österreich leisten würden. Wobei die Unterschiede nach Wohnort sehr groß waren: In Städten handelte es sich mit 75 Prozent um viel mehr als in ländlichen Regionen mit 45 Prozent. Dort sah sogar eine Mehrheit von 52 Prozent keinen positiven Beitrag.


Wie sind die höheren Stadt-Werte erklärbar? Zu tun hat es offenbar nicht nur damit, dass in den Metropolen mehr Menschen mit Migrationshintergrund* leben und ihre Anwesenheit irgendwann im Sinne eines Gewöhnungseffekts vielleicht entspannt(er) gesehen wird von der alteingesessenen Bevölkerung. Untersuchungen des Sozialforschungsinstituts „Foresight“ zufolge geht es vor allem darum, dass Kontakte gepflegt werden. Und zwar am besten Freizeitkontakte, die auch von der alteingesessenen Bevölkerung als Bereicherung begriffen werden. Das führt zu Einstellungsänderungen. Sprich: Derartige Kontakte zwischen Menschen verschiedener Herkunft müssten gefördert werden, um Vorurteile abzubauen und ein positives Zusammenleben zu unterstützen. Dadurch könnte die Stimmung auch insgesamt verbessert werden.
Migrationshintergrund:
Zweieinhalb Millionen Menschen in Österreich verfügen über einen Migrationshintergrund. Das entspricht einem Bevölkerungsanteil von rund 28 Prozent. In Wien allein handelt es ich um knapp eine Million bzw. 50,5 Prozent.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 06/2026 erschienen.

