von
Gewinn und Verlust sind die entscheidenden Begriffe, die unsere Welt bestimmen. Das ist für den Wiener, der schon wenige Jahre nach einem erfolgreich absolvierten Jus-Studium den wenig abgesicherten und selten ertragreichen Beruf des Schriftstellers ergriff, eine Tatsache, die er nicht müde wird, in seinen Büchern zu beschreiben. "Normalerweise beschäftigt sich ein Dichter ja nicht mit Geld. Mir war aber immer klar, dass ich die Gesellschaft nicht verstehen kann, wenn ich die ökonomische Folie nicht mit bedenke", schilderte Rosei einmal im APA-Interview. "Ich habe immer dafür plädiert, dass die Leute die Wirtschaftsseiten nicht überblättern. Viele Leute nehmen Ökonomie oder Politik ja wie ein Naturereignis, so wie das Wetter."
In "Unsterbliche Seelen" nehmen die meisten Protagonistinnen und Protagonisten den Verlauf der Dinge selbst in die Hand. Die Josefstadt-Schauspielerin Marie Schlesinger etwa, die als Witwe die Schuhfabrik ihres Mannes erfolgreich weiterführt und damit beweist, dass sie nicht nur über ein reizendes Äußeres, sondern auch über wirtschaftliche Durchsetzungsfähigkeit verfügt. Oder die Japanerin Yoko, die eine erfolgreiche Pop- und Celebrity-Agentur betreibt, die Scheidung von ihrem Mann emotionslos als Geschäftsfall sieht und bei der Suche nach einer für ein neues Projekt geeigneten Insel auf Fidschi gewillt ist, auch so genannte "weibliche Reize" spielen zu lassen.
Der Wiener Ökonom Robert Perwald ist Maries Sohn und Yokos (Ex-)Mann. Statt das Familienunternehmen zu übernehmen ist er ihr lieber nach Tokio gefolgt und unterrichtet an einer Privatuniversität. Die Scheidung wirft ihn aus der Bahn - mehr als er und der Leser ahnt. In Chicago entwickelt sich unterdessen ein anderer Erzählstrang und eine andere Biografie: Herbert Schlesinger wuchs als Waisenkind bei einer tiefgläubigen Farmersfamilie in Kansas auf, absolvierte die Harvard Law School mit Auszeichnung und widmet sich nun weltweiten Immobilienprojekten. Auf Fidschi betreut er seine Klientin Yoko und erweist sich zu ihrer Verblüffung ihren Avancen gegenüber als immun. Starke Emotionen erzeugt bei ihm dagegen ein Brief von einer Anwaltskanzlei in Wien ...
Mit "Unsterbliche Seelen" bleibt Rosei seinen Hauptthemen treu und versteht es dennoch immer wieder zu überraschen. Bei der Buchpräsentation am 26. März in der Alten Schmiede in Wien wird wohl auch ein Buch besprochen werden, das zu seinem Frühwerk zu zählen ist, und dessen Titel schon viel verrät: "Entwurf für eine Welt ohne Menschen" erschien 1974 und wird vor dem 80er des Autors neu aufgelegt. Ein einsamer Wanderer erlebt die Welt in purem Zustand, unbeeinträchtigt von menschlichen Eingriffen: Rückschau in eine ferne Vergangenheit oder Vision einer postapokalyptischen Zukunft? Für die Leser jedenfalls eine Erinnerung daran, dass einst auch Peter Rosei die Phänomene der Welt abseits von Gewinn- und Verlustrechnungen zu ergründen versucht hat.
(Von Wolfgang Huber-Lang/APA)
(S E R V I C E - Peter Rosei: "Unsterbliche Seelen", Residenz Verlag, 206 Seiten, 25 Euro)
