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Bei aller Partystimmung und allem bunten Messetrubel sind es jedoch unsichere Zeiten für die Literaturbranche. Im vorigen Jahr musste der Buchhandel nach zuvor überwiegend stabilen Jahren einen Umsatzrückgang von 2,9 Prozent hinnehmen. Und auch die ersten Monate 2026 entwickelten sich laut Börsenverein des Deutschen Buchhandels schwach und unter Vorjahresniveau. Das Konsumklima sei wegen der Kriege und Krisen auf der Welt nach wie vor mau.
Dazu kommen politische Turbulenzen, ausgelöst von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Für seine Entscheidung, drei linke Buchhandlungen aus Berlin, Bremen und Göttingen wegen nicht näher benannter "verfassungsschutzrelevanter Erkenntnisse" von der Nominierungsliste für den Deutschen Buchhandlungspreis zu streichen, wurde er bei der Eröffnung der Messe von Teilen des Publikums ausgebuht.
Eigentlich hätte dieser Preis erstmals auf der Buchmesse verliehen werden sollen. Der Kulturstaatsminister sagte die Veranstaltung allerdings komplett ab und schlug vor, den Preis im nächsten Jahr weiterzuentwickeln.
Der Gegenwind für Weimers Vorgehen zog sich durch die Messe. So nutzte die in der Sowjetunion geborene neue Trägerin des Preises der Leipziger Buchmesse, Katerina Poladjan, ihre Dankesrede für kritische Worte: "Sie müssen mir nachsehen, dass ein staatliches Handeln, das sich auf diffuse Verweise, auf nicht näher benannte geheimdienstliche Erkenntnisse beruft, bei mir ein tief verwurzeltes Unbehagen und dunkle Erinnerungen weckt. Dunkle Erinnerungen an eine erstickende Atmosphäre der Unsicherheit und Ohnmacht."
Im nächsten Jahr wird die Leipziger Buchmesse vom 18. bis 21. März veranstaltet. Zuvor steht im Herbst von 7. bis 11. Oktober mit der Frankfurter Buchmesse das zweite große Branchentreffen des Jahres in Deutschland an.





