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Jodler und Popstars: Interviewbuch eines Musikjournalisten

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Journalist und Autor Köck traf auch Amy Winehouse zum Gespräch
©APA/APA/Samir Köck
Der Wiener Musikjournalist Samir H. Köck hat große Namen interviewt - von Amy Winehouse über Lana Del Rey bis zu Tom Waits und Harry Belafonte. Den Künstlerinnen und Künstlern entlockte er mit auf Fachwissen basierenden Fragen Aussagen abseits von Produktwerbung. Nachzulesen ist das im nun erschienenen Buch "Talk To Me". Der Untertitel "Stars im Gespräch" ist berechtigt, aber der Band bietet auch spannende Gespräche abseits des Mainstreams.

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"Das Buch soll auf unterhaltsame Weise neue Einsichten und Spaß vermitteln, die zu intensiverer Beschäftigung mit Musik führen", beschreibt Köck gegenüber der APA seine Intention. "Das Interesse an Künstlern zu wecken, die man womöglich nicht kennt und nach der Lektüre hören will."

62 Interviews "aus herkömmlichen und entlegenen Genres" sind enthalten. Der Autor hatte französische Chansonnièren ebenso vor dem Mikrofon wie Wiener Strizzis, Jazzgrößen wie Popstars, Jodlerinnen wie Liedermacher (von Georg Danzer bis Bonnie "Prince" Billy). Von Tom Waits persönlich wurde Köck von einer Bushaltestelle in Kalifornien mit dem Auto abgeholt, Little Jimmy Scott kam gar ins Wohnzimmer des Journalisten.

Warum wurde Trent Reznor von Nine Inch Nails zornig, als Johnny Cash sein "Hurt" coverte? Welches gesangliche Vorbild hatte Lana Del Rey? Welches Gericht hat Françoise Hardy vor einem gemeinsamen Duett mit Iggy Pop diesem zubereitet? Und wie kam Björk "auf die leicht megalomane Idee, Technologie und Biologie popmusikalisch zusammenzudenken?", fragte Köck die Isländerin. Die Antworten finden Musikfans auf mehr als 270 Seiten transkribierter, zeitlos erscheinender Interviews.

Nach etwa 2.500 Gesprächen mit nationalen und internationalen Künstlern "ist dieses Buch einerseits ein Innehalten, andererseits auch ein Schwanengesang auf bessere Zeiten, als man Stars noch in intimem Rahmen auf ein Gespräch treffen konnte, das von keinerlei Message Control seitens eines Managements beschädigt wurde", sagt Köck. "Die saloppen Treffen in Bars, Hotellobbys, am Strand oder im Zuhause des Künstlers, die gibt es praktisch nicht mehr. Seit Covid und seit es Zoom- und E-Mail-Interviews gibt."

Die Tiefe der Gespräche ist keine Überraschung: Der Wiener, Träger des Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst, schreibt regelmäßig für "Die Presse", ist Kurator der Reihe "Soundstage" im Burgtheater, veröffentlichte 23 Kompilationen diverser Stilrichtungen und besitzt zigtausend Schallplatten. Was ein gutes Interview ist? "Eines, das mit überraschenden Wendungen aufwartet", so Köck.

(S E R V I C E - Samir H. Köck: "Talk To Me - Stars im Gespräch", Milena Verlag, 272 Seiten, 26 Euro)

WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/Samir Köck

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