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Mohammad Azizzadeh vom Ludwig Boltzmann Institut für Lungengesundheit in Wien und seine Co-Autoren, unter ihnen langjährig führende Wiener Pneumologen wie Sylvia Hartl und Otto Burghuber, haben ihre Studie zum Jahreswechsel im angesehenen Journal of Hypertension (Online voraus) publiziert (doi: 10.1097/HJH.0000000000004227). Sie griffen auf die seit 2011 in Wien und sechs Gemeinden in Niederösterreich stattfindende Langzeit-Beobachtungsstudie zurück. In ihr werden alle wichtigen Gesundheitsdaten erhoben und umfassende medizinische Untersuchungen durchgeführt, die sich besonders auf Lungengesundheit sowie Herz-Kreislauf-Parameter konzentrieren.
Im Rahmen von LEAD konnten auch die Werte zur Pulswellengeschwindigkeit (cfPWV) gemessen werden. Eine höhere cfPWV bedeutet eine größere Steifigkeit der Blutgefäße und gilt als Parameter für die Gefäßalterung. Letztere bestimmt wiederum zu einem beträchtlichen Teil das biologische Alter im Verhältnis zum nominellen Alter. In der Studie wurde eine Referenzpopulation ohne Diabetes, ohne Herz-Kreislauf-Erkrankungen und ohne Einnahme von Medikamenten wegen Bluthochdrucks oder erhöhter Blutfettwerte gebildet. Dann kam es zur Einteilung in drei Gruppen mit früher/vorzeitiger Gefäßalterung (EVA), normaler (NVA) und gesunder (damit verlangsamter) Gefäßalterung (HVA).
"In der Gesamtpopulation (7.926 Probanden, 54,2 Prozent Frauen, Alter 18 bis 82 Jahre) betrug die Häufigkeit von HVA (gesunder Gefäßalterung; Anm.)/NVA (normaler Gefäßalterung; Anm.)/EVA (vorzeitiger Gefäßalterung; Anm.) 9,1 Prozent, 78,6 Prozent bzw. 12,2 Prozent, wobei die EVA-Prävalenz (Häufigkeit vorzeitiger Gefäßalterung; Anm.) mit zunehmendem Alter anstieg", schrieben die Wissenschafter in der Zusammenfassung ihrer Ergebnisse.
Im Vergleich zu einer gesunden (verzögerten) Gefäßalterung hatten Frauen ein um den Faktor 2,8 erhöhtes Risiko für eine frühe Gefäßalterung. Einen Einfluss hatten auch die Blutdruckwerte, die Herzfrequenz und die Körpergröße sowie Diabetes mellitus mit einem um den Faktor 3 erhöhten Risiko. Gesunde Ernährung führte zu einem um 30 Prozent niedrigeren Risiko. Die Ergebnisse waren auch ähnlich beim Vergleich zwischen früher und normaler Gefäßalterung. Dabei stellten aber regelmäßiger Alkoholkonsum (plus 37 Prozent für frühe Gefäßalterung) und ein niedriges Einkommen (plus 21 Prozent) einen negativen Einfluss dar.
Eine Grafik in der wissenschaftlichen Arbeit zeigt sowohl für normale als auch für gesunde und vorzeitige Gefäßalterung bis etwa zum 50. Lebensjahr ziemlich gleich bleibende Werte. Dann geht zunehmend eine Schere zwischen den Menschen mit vorzeitiger und verlangsamter Gefäßalterung auf.
