Legenden im Schnee

10 alte und neue Skihelden, die Unglaubliches schafften

von Franz Klammer 1976 © Bild: imago/ZUMA/Keystone

1. Erfolgreichster Abfahrtsläufer aller Zeiten

Die wohl größte Ski-Legende der Skination Österreich ist Franz Klammer (im Bild oben rechts): Der ehemalige Kärntner Skirennläufer fuhr zwischen 1973 und 1984 insgesamt 25 Abfahrtssiege ein und wurde fünfmal Abfahrtsweltcup-Erster. Damit ist er der erfolgreichste Rennläufer dieser Disziplin in der Weltcup-Geschichte. Nach „Kaiser Franz“ ist auch jene berühmte Weltcup-Abfahrt „Kärnten-Franz Klammer“ in Bad Kleinkirchheim benannt, die eine Hangneigung von 35 Grad besitzt.

Franz Klammer 1976
© imago/ZUMA/Keystone Klammer 1977

2. Deutschlands erfolgreichster Slalom-Rennfahrer

Auch die Deutschen haben ihren Ski-Rekordhalter: Der Garmisch-Patenkirchener Felix Neureuther fuhr im Dezember 2014 beim Nachtslalom in Madonna di Campiglio seinen zehnten Weltcup-Sieg ein. Das hat vor ihm kein anderer Deutscher geschafft und somit hält der 31-Jährige den Rekord als erfolgreichster Skifahrer in der deutschen Weltcup-Geschichte. Und wer weiß, vielleicht wird er sich in seiner Paradedisziplin Slalom in dieser Saison selbst toppen.

Felix Neureuther
© imago/Hartenfelser Felix Neureuther

3. US-Abfahrerin auf der Überholspur

Im Januar 2015 stellte die US-Amerikanerin Lindsey Vonn einen Weltrekord auf, den zuvor 35 Jahre lang die Salzburgerin Annemarie Moser-Pröll innehatte: Vonn holte sich beim Super-G in Cortina d’Ampezzo ihren 63. Weltcup-Sieg. Damit zählt sie insgesamt einen Sieg mehr als seinerzeit die „Weltsportlerin des Jahrhunderts“ Moser-Pröll. Allerdings hat Vonns Vorgängerin ihr immerhin sechs Gesamtweltcup-Siege sowie fünffaches Weltmeister-Gold in der Abfahrt voraus. Respekt!

Lindsey Vonn
© imago/United Archives International Lindsey Vonn

4. Skiwunder-Team aus Kitzbühel

Das Hahnenkamm-Rennen gilt als eines der schwierigsten Skirennen der Welt und Kitzbühel als eines der wichtigsten Skisportzentren. Aus der Gamsstadt stammen sechs herausragende Skirennläufer, die bis heute als das „Ski-Wunderteam von Kitzbühel“ bezeichnet werden. Der bekannteste und verehrteste unter ihnen war der charismatische Toni Sailer.

Toni Sailer 1956
© imago/ZUMA/Keystone Toni Sailer starb im August 2009

Der „erste Weltstar des Skisports“ entschied 50 FIS-Rennen für sich. Zu dem Sextett zählten außerdem Anderl Molterer (*1931), Ernst Hinterseer (*1932), Hias Leitner (*1935), Christian Pravda (1927-1994) und Fritz Huber (*1931). Die Ski-Urgesteine waren Wegbereiter des modernen Skilaufs, feierten etliche Rennerfolge und galten in den 1950er Jahren gemeinsam als sportliches Wunderteam.

Hias Leitner
© imago/SKATA Hias Leitner 2012
Ernst Hinterseer
© imago/SKATA Ernst Hinterseer 2012

5. Der Herminator

Hermann Maier ist nicht nur durch seine Erfolge, sondern auch die Geschichten dahinter zur Legende geworden. Die spektakulärste ereignete sich 1998 bei den Olympischen Spielen in Nagano, als Maier im Abfahrtsrennen antrat und in einer Kurve spektakulär stürzte. Es grenzte an ein Wunder, dass er sich bei dem Sturz nicht verletzte. Nur drei Tage später fuhr er im Super-G zur Goldmedaille. Es habe ihn schon Überwindung gekostet, wieder an den Start zu gehen, sagte Maier später. Doch es ging alles gut und er bekam so seinen legendären Spitznamen „Herminator“. Nach zwei Olympia-Goldmedaillen, drei Weltmeistertiteln und vier Gesamtweltcup-Siegen beendete er 2009 seine Karriere.

6. Der Popstar unter den Skirennläufern

Muskulös, braungebrannt, charismatisch und dazu sehr erfolgreich: Der Italiener Alberto Tomba war in den 1980er und 90er Jahren der gefeierte Popstar unter den großen Skirennläufern. Dem exzentrischen Sunnyboy wurden Affären nachgesagt und es herrschte stets ein großer Medienrummel um ihn. Das lag aber auch an seinen großen Erfolgen: Mit 50 Weltcupsiegen, dreimal Olympia-Gold und zwei Weltmeistertiteln im Slalom und Riesenslalom ist er der dritterfolgreichste Skirennläufer aller Zeiten.

7. Tapfere Skilangläuferin aus Polen

Justyna Kowalczyk
© imago/Kyodo News Justyna Kowalczyk (Mitte)

Im polnischen Langlaufsport hat sie die Skispitze vorn: Justyna Kowalczyk. Sie war die erste Polin, die eine Olympia-Medaille im Langlauf gewann sowie viermal den Gesamtweltcup-Sieg einfuhr. Sie ist zweifache Olympiasiegern (2010 und 2014) und damit eine der erfolgreichsten polnischen Skilangläuferinnen der Sportgeschichte. Legendär wurde ihr Lauf in Sotchi 2014, als sie trotz eines Knochenbruchs im Fuß den 10-km-Lauf im klassischen Stil tapfer meisterte und olympisches Gold gewann.

8. Schwedischer Skispringer mit Erfindergeist

Ohne den Schweden Jan Boklöv wäre der Skisprung nicht das, was er heute ist. Er gilt als Erfinder der V-Sprungtechnik, die er angeblich per Zufall im Sprungtraining erfand. Durch den so gewonnen Auftrieb flog Boklöv mehrere Meter weiter als seine Konkurrenten, bekam für die „Victory“-Pose aber Abzüge in der Haltungsnote. Irgendwann sah jedoch auch das Sprungkomitee ein, dass mit dem V-Stil größere Erfolge erreichbar waren, sodass dieser im Jahr 1990 offiziell und endgültig die Parallelsprung-Technik ablöste.

9. Skisprung-Idol wird Sportphilosoph

Anton „Toni“ Innauer wurde in den 1970er Jahren als Skispringer zum Idol der Nation. Er war der erste in der Geschichte des Skispringens, der fünfmal die Bestnote 20 für einen perfekten Flug erhielt. Im Jahr 1982, mit gerade einmal 22 Jahren, endete seine Karriere jäh nach einem schweren Sturz. Später war er Sportdirektor des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV) und arbeitete seine Karriere-Erlebnisse in dem Buch „Am Puls des Erfolgs“ auf. Darin wirft der heutige Sportphilosoph einen kritischen Blick auf den Spitzensport und stellt fest, dass er selbst nicht als (Volks)-Held angesehen werden wollte. Für den Skisprungsport bleibt er jedoch immer einer.

Innauer
© imago/SKATA Toni Innauer

10. Britischer Adler als Anti-Held

Michael Edwards ist der wohl schlechteste Skispringer aller Zeiten. Dabei wollte er doch nur unbedingt für seine Heimat England an den Olympischen Spielen teilnehmen. Tatsächlich trat der talentfreie Ehrgeizling als erster britischer Skispringer bei den Olympischen Spielen 1988 in Calgary an. Er wurde mit 71 m Sprungweite Letzter und von der Presse als „Lachnummer der Nation“ verschrien. Doch Eddy hatte nach dem Motto „Dabei sein ist alles“ seinen Kindheitstraum verwirklicht.

Michael Edwards
© Getty Eddy the Eagle

Er bekam den Spitznamen „Eddy the Eagle“ und trotz seiner schlechten sportlichen Leistung avancierte „der Adler“ in England zur Kultfigur. Seine unglaubliche Geschichte wurde jüngst mit Taron Egerton, Hugh Jackman und Christopher Walken verfilmt und kommt im März 2016 in die Kinos.

Michael Edwards
© imago/Future Image Michael Edwards heute

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