Niki Popper: Simulationsforscher, Koch und alles andere als ein "verrückter Professor"

Der Simulationsforscher rückte durch die Corona-Pandemie ins Licht der Öffentlichkeit. Dabei war der Tausendsassa schon zuvor ein bekanntes Gesicht. Ein Porträt.

von Niki Popper © Bild: APA/Georg Hochmuth

Steckbrief Niki Popper

  • Name: Nikolas Popper, besser bekannt als Niki Popper
  • Geboren am: 27. Februar 1974 in Wien
  • Wohnort: Wien
  • Ausbildung: Studium der Mathematik (Promotion an der TU Wien); Studium der Philosophie und Jazztheorie (nicht beendet)
  • Beruf: Unternehmer und Simulationsforscher
  • Familienstand: getrennt von Julia Rüdiger
  • Kinder: zwei

Eines vorweg: Niki Popper ist alles andere als ein zerstreuter, verrückter Professor. Sein äußeres Erscheinungsbild ist zwar immer wieder Thema, macht ihn aber nicht aus. Kommentare seine Frisur betreffend ist der studierte Mathematiker inzwischen gewohnt. Sein Friseur befinde sich auf der Wiener Lerchenfelderstraße. "Ich möchte ihn aber nicht schädigen, indem ich seinen Namen sage", meinte Niki Popper bei seinem Besuch bei Dirk Stermann und Christoph Grissemann in "Willkommen Österreich".

Niki Popper
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Bei der abendlichen Show versuchte Niki Popper auch, das, was er tut, einfach herunterzubrechen: "Wir schauen uns komplizierte Themen an und bilden sie dann am Computer ab."

Niki Poppers Familie

Geboren und aufgewachsen ist Nikolas Popper, besser bekannt als Niki Popper, in Wien. Seine Mutter ist Chemikerin, sein Vater Architekt. Nikis sieben Jahre älterer Bruder Alexander Popper bietet Supervision an. Sein großer Bruder habe ihn schon als Kind gefordert, erinnert sich Niki Popper im Gespräch mit der Wiener Zeitung zurück. Während gemeinsamer Autofahrten mit den Eltern habe er ihm kleine Mathematik-Rätsel gestellt, was ihm "sehr getaugt" habe.

1. Computer und erste Experimente

Im Alter von 14 Jahren freute sich Niki Popper über einen Atari-Heimcomputer. Zusammen mit seinem damaligen Schul- und heutigen Arbeitskollegen Michael Landsiedl spielte er nicht nur am Computer, sondern experimentierte auch herum. Unter anderem begannen sie, Bier zu brauen, und bekamen dazu Hopfen und Malz aus der Ottakringer Brauerei. "Über den Geschmack lässt sich vielleicht streiten, aber wir waren damals stolz wie Oskar", erzählt Landsiedl der "Wiener Zeitung".

Niki Popper
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Mathematik, Philosophie und Jazztheorie

1993 begann Niki Popper in Wien Mathematik, Philosophie und Jazztheorie zu studieren. Sein Studium führte ihn auch nach Barcelona sowie nach Moscow im US-Bundesstaat Idaho. Während Popper das Studium der Technischen Mathematik an der TU Wien abschloss, blieben die beiden Nebenfächer letztlich auf der Strecke. 2015 erhielt Popper den PhD für eine Arbeit zu "Comparative Modelling & Simulation".

Popper und der ORF

Im Jahr 1999 begann Niki Popper als Daten- und Wissenschaftsjournalist beim ORF zu arbeiten. Dort visualisierte er etwa die Papstwahl oder die Katastrophe von Kaprun in 3D-Modellen. Allzu lange hielt es den Mathematiker jedoch nicht bei Österreichs größtem Fernsehsender.

Die Drahtwarenhandlung

Zusammen mit Michael Landsiedl machte er sich im Jahr 2004 selbstständig. Die beiden kauften die ehemalige Drahtwarenhandlung in Wien-Neubau und gründeten die dwh GmbH. Bis Mitte der 90er wurden in der Firma in der Neustiftgasse Lampenschirme und andere Produkte mit und aus Drähten gefertigt, inzwischen werken Popper und sein Team im "Herzen von Bobo Town", wie es auf der Homepage heißt. Die Drahtwarenhandlung beherbergt nicht nur kreative Denk- und Schaffensräume, sondern auch ein Lokal. "Gutes Essen und Trinken hält Leib & Seele zusammen. Für uns mehr als nur eine Floskel. Dank der vorhandenen Lokalinfrastruktur wird oft gekocht oder auch beim gemeinsamen Filmabend die Freizeit miteinander verbracht", heißt es auf der Homepage.

Niki Popper
© APA/Herbert Neubauer

Popper, der Koch

Tausendsassa Niki Popper ist nämlich unter anderem auch ein leidenschaftlicher Koch. Mit Landsiedl liefert er sich immer wieder "Battles of Chefs". Unter dem Titel "Bei Vino Veritas" wird zu populärwissenschaftlichen Abenden geladen, bei denen sie komplexe Themen meist mit mathematischem Hintergrund einfach und humorvoll erklären. Während der Pandemie sind diese lustigen Abende seltener geworden.

Niki Popper privat

1999 lernte Niki Popper bei einem Essen unter Freunden die damals 21-jährige Julia Rüdiger kennen. Die langjährige Partnerschaft ging inzwischen in die Brüche, man ist aber weiterhin freundschaftlich miteinander verbunden. Popper und Rüdiger, ihres Zeichens Assistenzprofessorin für Architekturgeschichte an der katholischen Privatuniversität Linz, haben zwei Kinder, um die sie sich gemeinsam kümmern, sowie einen Hund, der ebenfalls Teil der Patchwork-Familie ist. "Das ist unser aller Therapiehund. Dieses Wesen, das sich nicht im Geringsten dafür interessiert, ob man im Fernsehen auftritt und dort etwas Schlaues oder weniger Schlaues gesagt hat", meinte Julia Rüdiger gegenüber der "Wiener Zeitung".

Während des allerersten Lockdowns im März 2020 gab Niki Popper auf Twitter einen kleinen Einblick in sein Familienleben. Sein damals 10-jähriger Sohn baute auf einem Stratego-Brett den Epidemie-Verlauf nach.

"Ich simuliere nur!"

Zusammen mit der Autorin Ursel Nendzig arbeitet Niki Popper gerade an einem Buch mit dem Titel "Ich simuliere nur!", das im Mai 2022 erscheinen soll. Das Cover ist bereits fertig, es zeigt Popper als verrückten Professor, der aussieht wie der jüngere Bruder von Michael Niavarani. "Dass er so wahrgenommen wird, findet er witzig. Er ist aber nicht der nutty Professor, dafür hat er alles zu sehr im Blick und unter Kontrolle", so Nendzig zur "Wiener Zeitung".

»Er ist nicht der nutty Professor, dafür hat er alles zu sehr im Blick und unter Kontrolle«

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Nicht erst seit Covid bekannt

Wie so viele andere Wissenschafter rückte Niki Popper durch die Corona-Pandemie in den Mittelpunkt des Interesses. Ähnlich wie etwa der Umweltmediziner Hans-Peter Hutter war aber auch der Simulationsforscher schon zuvor ein bekanntes Gesicht. Freilich sei er früher nicht so oft im Fernsehen aufgetreten, meinte er zu Stermann und Grissemann in "Willkommen Österreich", er habe aber durchaus vor, auch nach der Pandemie "hoffentlich mit anderen Themen" am Bildschirm präsent zu bleiben.

Gecko-Krisenkoordination

Im Moment stehen aber noch Covid und seine Folgen im Mittelpunkt von Poppers Schaffen. "Wir liefern drei Dinge: Wie schaut es jetzt aus, wie wird es wahrscheinlich Mitte der Woche ausschauen und was würde passieren, wenn wir etwas ändern", erklärte der Simulationsforscher bei "Willkommen Österreich" seine Arbeit. Er gehört zusammen mit zahlreichen anderen Experten, wie etwa der Epidemiologin Eva Schernhammer, dem Molekularbiologen Andreas Bergthaler, Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres oder Rotes-Kreuz-Rettungskommandant Gerry Foitik, der Gecko-Krisenkoordination an, die Ende letzten Jahres gegründet wurde, um das Pandemiemanagement zu verbessern.

»Das Schlimmste ist, wenn jemand glaubt, dass er immer die Weisheit mit dem Löffel gefressen hat«

Es gehe nicht darum, dass die Wissenschaft der Politik vorschreiben sollte, was sie zu tun hat, meinte Popper in "Willkommen Österreich". Er mache sich da auch keine Illusionen, immerhin gehe es auch immer um Interessensabwägung. Er versuche einfach - zusammen mit seinem Team - seinen Teil zum Pandemiemanagement beizutragen. "Das Schlimmste ist, wenn jemand glaubt, dass er immer die Weisheit mit dem Löffel gefressen hat. Das ist sehr bedenklich, gerade bei Modellen", so Popper. Bei dem, was seine Kollegen und er machen, müsse man immer "mit größter Vorsicht agieren".

© APA/Herbert Neubauer

15 Jahre Erfahrung

Niki Popper und sein Team der dwh GmbH verfügen über mehr als 15 Jahre Erfahrung in der Simulationsforschung. Im Zentrum steht dabei "die Modellierung und Simulation von unterschiedlichen dynamischen Systemen mit vielen verschiedenen Baustellen", wie Popper es ausdrückt. Der Grundgedanke der Simulation ist es, im Computer eine Art Abbild der Bevölkerung Österreichs oder eines Bundeslandes zu erschaffen, in dem sich die virtuellen Personen möglichst ähnlich verhalten, wie sie es auch in der Realität tun.

Österreicher des Jahres 2021

Im Oktober 2021 wurde Niki Popper zum Österreicher des Jahres in der Kategorie "Forschung" gekürt. Der Preis gebühre natürlich dem ganzen Team, dem "allercoolsten überhaupt", wie Popper auf Twitter erklärte.

Verwandt mit Karl Popper?

Bleibt noch eine Frage zu klären: Ist Niki Popper mit Sir Karl Popper verwandt? Diese Frage sei ihm schon "sicher 2.000 Mal" gestellt worden, meinte der Mathematiker im Interview mit dem jüdischen Stadtmagazin "Wina". Er müsse sie zwar verneinen, aber es gäbe Schlimmeres. "Ich habe viel zu ihm gelesen: Der Mann war wohl ein schwieriger, herausfordernder Charakter. Aber er war schlau."