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Friedhof der Kuscheltiere

Fakten - Friedhof der Kuscheltiere © Bild: Franz Neumayr / picturedesk.com

Die Akte Aiderbichl: Während sich Gründer Michael Aufhauser von einer schweren Operation erholt, wird sein Kompagnon vom Staatsanwalt vorgeführt. Den Ermittlern geht es um Erbschaften und Schenkungen. Doch auch das Geschäft mit toten Tieren erscheint dubios.

Der 4. Oktober dieses Jahres war ein ganz besonderer Tag für alle Freundinnen und Freunde des Tierschutzes und der Nächstenliebe. Speziellen Grund zur Freude hatten sicherlich jene Menschen, die ihre Vierbeiner Gassi führten, wie jeden Sonntag artig den einen Euro in die Geldbox am Zeitungsständer der "Krone" warfen und in der bunten Beilage des Blatts zu blättern begannen. Da war er wieder, Michael Aufhauser, Gründer von Gut Aiderbichl, König des Tierschutzes, der es sich nach langer, krankheitsbedingter Absenz "nicht nehmen ließ", pünktlich zum Welttierschutztag "seine Gedanken zu diesem Tag" zu diktieren: "Im Umgang mit Mensch und Tier erlebe ich, wie das Gebende etwas Verbindendes hat und den, der gibt, glücklich macht", erklärte er. Und: "Unsere mehr als 300 Tierpfleger kennen ihre Schützlinge genau. Denn Tiere sind keine Masse und kein Fleischberg und reagieren nicht nur instinktiv, sondern individuell unterschiedlich. Sie können sich freuen und sie leiden -genau wie wir." Welch eine Wiederkehr in wohlig warmen Worten. Exklusiv in der "Krone".

Tiere sind also kein Fleischberg, schreibt Aufhauser. Seltsam. In einem Kühlschrank im Keller von Gut Aiderbichl lagern ganze Packungen toter, vergaster Küken, die an die Füchse des Henndorfer Vorzeigehofes verfüttert werden, wie News-Recherchen ergaben. Gut Aiderbichl streitet dies auch gar nicht ab: "Laut Experten ist diese spezielle Fütterung notwendig. Es handelt sich dabei um ein 'Abfallprodukt' der Lebensmittelindustrie, das leider entsorgt wird. Hier wären wir für Alternativen sehr dankbar." Das Problem ist nur: Aiderbichl hatte sich -verbal zumindest - stets für den Schutz dieser sogenannten Eintagesküken, deren männliche Exemplare gleich nach dem Schlüpfen getötet werden, eingesetzt. Im Frühjahr wurde auf der Homepage ein Bild glücklicher, süßer Küken im Stroh veröffentlicht, dazu die frohe Botschaft verkündet: "Noch vor Ostern überraschte der deutsche Agrarminister mit einer sensationellen Nachricht. Ab 2017 werden keine männlichen Küken von Legehennen mehr vergast oder geschreddert (...) Nach jahrzehntelanger Qual endet ein schlimmer Sündenfall des Menschen." Spätestens dann muss auch Gut Aiderbichl seinen Füchsen anderes Futter als knöchrige Küken vorsetzen. Warum hat man das nicht längst getan? Wird auf Gut Aiderbichl Wasser gepredigt, aber Wein getrunken?

© Franz Neumayr / picturedesk.com Die Geschäftsleitung liegt derzeit bei Dieter Ehrengruber (links).

Regelmäßige Leser der Boulevardmedien wissen nur zu gut, dass es um die Gesundheit des obersten Aiderbichlers in den letzten Monaten nicht zum Besten bestellt war: Der 63-jährige Michael Aufhauser konnte am 28. Mai nur dank einer Notoperation am Herzen gerettet werden, fünf Wochen lang lag er im Koma, seit dem Sommer erholt er sich in einer Spezialklinik in Bayern und macht gute Fortschritte; die Last der Geschäftsleitung liegt derweilen alleine bei Aufhausers Kompagnon Dieter Ehrengruber, der den Gründer täglich besucht und nebenbei von Salzburg aus die Verantwortung für das Aiderbichl-Reich des Tierschutzes und der Nächstenliebe mit seinen 26 Gnadenhöfen, 6.000 Tieren und mehr als 300 Tierpflegern zu tragen hat.

Weit weniger bekannt ist der Öffentlichkeit die Intensität, mit der die Korruptionsstaatsanwaltschaft Ermittlungen gegen die Ober-Aiderbichler führt. Bei so viel Güte und Idealismus wollen die schweren strafrechtlichen Vorwürfe der Kriminalisten nicht in das Bild eines Idylls passen, das Aufhauser und Ehrengruber in den letzten 15 Jahren von sich und ihren Gnadenhöfen zeichnen ließen. Aber auch News-Recherchen werfen Fragen auf.

Wer sich so selbstlos um traumatisierte, verwahrloste Tiere kümmert, der kann doch an alte, leichtgläubige, tierliebende Menschen nicht mit wenig hehren Hintergedanken an deren Erbe herantreten, oder? Nein, so etwas kann nicht sein.

Wer sich mit so viel Herzblut um Spenden für notleidende Fellnasen bemüht, der kann doch nicht mit Tieren um Spenden werben, die tot unter der Erde liegen? Gut Aiderbichl, ein Friedhof der Kuscheltiere? Nein, so etwas darf nicht wahr sein.

Marketing mit Mitleid

Wer einen Blick auf die Homepage von Gut Aiderbichl wirft, dem sticht der rote Button "Online spenden" ins Auge. Darunter findet man "Patentiere" samt der Aufforderung: "Werden Sie Pate und zu einem Aiderbichler Tierretter." Die Auswahl ist enorm: Entzückende Esel sind da zu sehen; abgemagerte Füchse, die so todtraurig dreinschauen, dass man kein Tierliebhaber sein muss, um Mitleid zu bekommen; Schweinchen und Minipigs stehen auf der Wiese; Hasen, Pferde, Mulis drücken ebenso auf die Tränendrüsen potenzieller Spender wie ein Honigbärchen, das das rührige Angebot abrundet. Doch News-Recherchen belegen -vorsichtig formuliert - Schönheitsfehler: Der Hund Riki, ein schwarzer Labrador, der auf der Homepage von Gut Aiderbichl als rund und g'sund dargestellt wird und um Patenschaften und Geld wirbt, wurde bereits 2014 eingeschläfert. Das Pferd Antonius und die Katze Felix sollen sich laut Insidern schon vor Monaten von Gut Aiderbichl, dem vermeintlichen Tier-Himmel auf Erden, ins echte Himmelreich verabschiedet haben. Gut, böse, Gut Aiderbichl? Offiziell wird dementiert: "Die Tiere leben nach wie vor auf unseren Gütern." Tatsache ist: Unmittelbar nach der News-Anfrage wurde Antonius von der Homepage gelöscht und die Katze Felix durch eine neue Katze Felix ersetzt (siehe Fotostrecke). Eine derart fragwürdige Geschäftemacherei mit seligen Tieren führt jedenfalls fast zwangsläufig zu peinlichen Situationen -spätestens dann nämlich, wenn die Paten der Tiere nach Gut Aiderbichl pilgern, um nach ihren Liebsten zu sehen, diese allerdings schon längst nicht mehr unter den Lebenden weilen. Dann kommen Mitarbeiter der Gnadenhöfe schon mal in Erklärungsnot.

  • Bild 1 von 6 © Bild: Ursula Düren / dpa / picturedesk.com

    Patenschaft für tote Tiere

    Franco Nero herzt Schaf Mango: Das Lamm wurde im November 2014 von Filmstars in die Kameras gehalten. Ein Tierfreund schloss eine Patenschaft ab.

  • Bild 2 von 6 © Bild: News/Screenshot

    Patenschaft für tote Tiere

    Obwohl das Tier bereits im Winter verstarb, wurde er im Juni 2015 von Gut Aiderbichl gemahnt. Aiderbichl erklärt: „Unsere Patenschaften sind symbolisch“

Wie dreist das System bisweilen betrieben wird, lässt sich auch am Beispiel eines Kuscheltieres darstellen, das im November 2014 Schlagzeilen machte: Damals schauten die Schauspielstars Hugh Grant, Alain Delon und Franco Nero zur Eröffnung des Weihnachtsmarkts auf Gut Aiderbichl vorbei, herzten Schaf Mango und hielten es publikumswirksam in die Kameras. Damals schloss ein Spender eine Patenschaft für das süße Lamm ab, zehn Euro sollten für das Tier monatlich zu den Aiderbichlern fließen. Im Juni 2015 gab es offensichtlich Buchungsprobleme, woraufhin Gut Aiderbichl den Tierfreund schriftlich mahnte: "Leider kann unsere Buchungsabteilung keine regelmäßigen Zahlungseingänge für MANGO verbuchen." Der Schönheitsfehler an diesem Vorgang: Diesen Mango gab es gar nicht mehr. Das Kuscheltier, das an den Vorderbeinen behindert war, war bereits im Februar 2015 eingegangen.

Nun mag dieses Vorgehen seitens Gut Aiderbichl rechtlich möglicherweise sogar mit dem Vermerk gedeckt sein: "Sie können sich symbolisch ein Tier als Patentier aussuchen oder eine Patenschaft für alle Tiere abschließen." Moralisch erscheint diese Praxis für eine Tierschutzorganisation mit so hohen moralischen Ansprüchen an sich selbst zumindest fragwürdig. Aiderbichl- Geschäftsführer Ehrengruber lässt dazu ausrichten: "Wenn ein Tier verstirbt, werden die Paten zeitnah informiert. Wir bieten den Paten dann generell an, die Patenschaft auf ein anderes symbolisches Patentier zu übertragen." Zumindest in dem News vorliegenden Fall wurde allerdings gemahnt und nicht "zeitnah informiert".

Ein System unter der Lupe

Für das System Aiderbichl, eine gut geölte Marketing-Maschinerie der Herren Aufhauser und Ehrengruber, interessiert sich mittlerweile auch die Staatsanwaltschaft. Der Verdacht gegen Aufhauser, Ehrengruber und weitere Personen, die jahrelang für das Gnadenhof-Imperium tätig waren, lautet auf schweren gewerbsmäßigen Betrug, der Schaden soll insgesamt fünf Millionen Euro übersteigen -für alle Beschuldigten gilt selbstredend die Unschuldsvermutung. 41 Beamte der Polizei und vier Experten des Finanzamts haben am 23. Juli ab sechs Uhr früh nicht nur Gut Aiderbichl durchsucht und die Aiderbichl-Büros in der Salzburger Johannes-Filzer-Straße gefilzt, sondern auch die Villa unter die Lupe genommen, in der Aufhauser und Ehrengruber wohnen. An vier Standorten wurden rund 50 Ordner sichergestellt, dazu Telefone, Laptops, USB-Sticks. Ein besonders auffälliges Fundstück, das in einem Büroschrank sichergestellt wurde, sorgte selbst bei den erfahrenen Fahndern für fast tierische Verwunderung: ein verschlossener Safe, dessen Code Geschäftsführer Ehrengruber seinen Angaben zufolge nicht kannte. Er erklärte, dass der Tresor "aus einer Verlassenschaft" stamme.

Gute Geschäfte macht Gut Aiderbichl tatsächlich längst nicht nur mehr mit Patenschaften für notleidende Tiere, die auf den Gnadenhöfen ihr Gnadenbrot fristen, sondern auch mit Schenkungen und Verlassenschaften vermögender Tierfreunde. Ein Zeuge gibt zu diesem Aiderbichl-Geschäftsfeld den Kriminalisten unter Wahrheitspflicht unter anderem zu Protokoll: "Diese Organisation" werde "wie eine Sekte" geführt; "jedes wertvolle Teil, sämtlicher Schmuck und Bargeld werden nach den Räumungen" nach Salzburg in die Villa Aufhauser gebracht. Ein anderer Zeuge erklärt: Aufhauser stelle sich als "graue Eminenz" dar, Ehrengruber mache "die Schmutzarbeit"."Das Geschäftsmodell von Gut Aiderbichl sehe ich persönlich so, dass man von Kleinspenden nicht leben kann und dass intensiv mögliche Erbschaften wie z. B. im Fall Viebig praktiziert werden."

Die Justiz interessiert sich denn auch vor allem für den Fall Gerd Viebigs, eines mittlerweile verstorbenen Manns, der laut seiner langjährigen Sekretärin vor der Finanzkrise ein Vermögen von zehn Millionen hatte, danach immer noch sieben Millionen Euro besaß. 2006 hatte Viebig bei einem Notar in Mondsee ein Testament aufgesetzt -sein Vermögen sollte zu gleichen Teilen an das Land Oberösterreich und das Land Salzburg gehen und für den Tierschutz verwendet werden. Ab dem Jahr 2010 treten die Aiderbichler auf den Plan und lassen sich von dem End-Achtziger Viebig zunächst den Hof in Maria Schmolln, Oberösterreich, schenken. Allerdings soll der großzügige Spender bei dieser Schenkung getäuscht worden sein - vermutet zumindest die Staatsanwaltschaft. Laut den Behörden steht Aufhauser darüber hinaus im Verdacht, eine Mitbeschuldigte, die für Aiderbichl um Spenden warb, dazu bestimmt zu haben, Herrn Viebig kurz vor dessen Tod Ende 2011 wiederholt vorgespiegelt zu haben, "dringend Geld für die Durchführung unbedingt notwendiger Bauprojekte von Gut Aiderbichl zugunsten notleidender Tiere zu benötigen, und ihm dadurch zumindest drei Spenden im Ausmaß von 200.000 €(Katzenhaus in Kilb), 300.000 €(Hundehaus in Aiderbichl) und 300.000 €(Hundehaus in Gänserndorf) herauslockte, wobei diese Spendengelder jedoch zweckwidrig verwendet worden sein sollen". Das nach den Millionenschenkungen noch übrige Vermögen erbte nach Viebigs Ableben dann auch noch Aiderbichl. Das ursprüngliche notarielle Testament zugunsten Oberösterreichs und Salzburgs wurde ersetzt. Testamentszeugen für die Aiderbichl'sche Erbeinsetzung waren anstelle eines Notars allerdings drei zufällig am Viebig-Hof anwesende Bauarbeiter.

Briefe an den "lieben Gerd"

Ob die Vorwürfe der Ermittler nun zu Anklagen führen oder nicht: Ein ganz besonderes Bemühen um den alten, kranken und tierliebenden Millionär zeigen jedenfalls die Briefe, mit denen Aiderbichl-Gründer Aufhauser ab 2011 den vermögenden Mann umgarnte, bevor dieser sechsstellige Summen überwies. Am 23. Jänner 2011 schrieb er an den "lieben Gerd", der gerade eine schwere Operation hinter sich hatte: "Du könntest dich in manchen Momenten fragen, wozu das Ganze. Du blickst auf ein langes Leben zurück, was gibt es für dich noch zu hoffen? Dann denke bitte daran, dass die Beziehung zu deinen Tieren zweigleisig ist. Mücke zum Beispiel war immer bei dir, als es dir noch einigermaßen gut ging. Auch sie wird älter und sollte von einem Gerd Viebig profitieren, der ihr in der zweiten Lebenshälfte die Liebe gibt, die sie sich so ersehnt. Sie braucht dich wie Schnauz und die vielen anderen." Es grenze "geradezu an ein Wunder", schreibt Aufhauser, dass einige seiner Aiderbichl-Mitarbeiter "ihr junges Leben umgestellt haben, um Dir zu einer lebenswerten Zeit auf Erden zu verhelfen (...) Davon würden Milliardäre träumen, wenn sie sich in so guten Händen wüssten." Aufhauser schließt den Brief an den "lieben Gerd" handschriftlich: "Umarmung, Dein Michael".

Am 19. April 2011 richtet sich Aufhauser erneut an den lieben Gerd: "Heute habe ich schon drei Wunder erlebt. Unsere Zirkus Ponystute Bella haben wir letztes Jahr gerettet und da war sie trächtig. Heute hat sie ein kleines Stutfohlen bekommen. Mutter und Tochter sind wohl auf. Das zweite Wunder ist ein Bild (...) Da sitzt Du gerade am 'Gerd Viebig -Neidenburger Platz' und Du siehst blendend aus. Auf einem anderen Bild streichelst Du eines der neuen Minischweine. Das dritte Wunder hat in allen wesentlichen Punkten mit Dir zu tun. € 300.000,00, die ohne Deine Hartnäckigkeit verloren gegangen wären, sind heute bei uns in der Stiftung eingetroffen. Du weißt, es handelt sich um das Geld vom Land Oberösterreich!"

Wenige Monate zuvor hatte sich Aufhauser bereits brieflich an Viebigs vermögende und hochbetagte Schwester in Deutschland herangemacht. An diese schrieb er im November 2010 unter anderem: "Ich habe Ihre Adresse von Ihrem Bruder bekommen (...) Ich bin selbst vermögend, unabhängig und schuldenfrei (...) Sehr gerne würde ich mit Ihnen, auf Anregung Ihres Bruders hin, darüber sprechen, ob Sie sich vorstellen könnten, in den Zielen von Gut Aiderbichl auch Ihre Vision zu entdecken. Vielleicht sich ähnlich engagieren wollen, wie ich es gemacht habe und Ihr Bruder." Auch Viebigs Schwester sollte ihr Portemonnaie letztlich weit öffnen, wie bei ihrem Bruder stellt sich für die Kriminalisten die Frage, ob die alte Dame diverse Besitztümer im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte an die Aiderbichler weiterreichte.

© Ursula Düren / dpa / picturedesk.com Patenschaften für Tiere sind das einzige gute Geschäft.

Doch wie wurde Michael Aufhauser, was er heute ist: vermögend, unabhängig, schuldenfrei? Wie gelang es dem einstigen Lebemann, der aus gutem Hause stammt und sich als Schauspieler und Fremdenführer verdingte, von Salzburg aus ein Netzwerk der Nächstenliebe für Tiere zu erschaffen und dieses derart auszubauen?

Gewiss ist: Den Grundstein für die wohl entscheidende Vermehrung seines Vermögen legte "Michael von Assisi", wie ihn der "Kurier" nannte, am 6. Oktober 1997 in einem Salzburger Nobelhotel und am 9. Oktober 1997 in der Gemeinde Abtenau im Bezirk Hallein. In Abtenau heiratete Michael Aufhauser nämlich an diesem Tag Irene Florence Albert, die reiche Erbin eines Chemieunternehmens. Nur drei Tage zuvor hatte die betagte Braut um 20 Millionen Schilling in Salzburg eine Villa gekauft und gleichzeitig vertraglich festgelegt, dass diese bei ihrem Ableben auf Aufhauser übergehen sollte. Der Schenkungsvertrag wurde in dem Hotel geschlossen.

Michael Aufhauser war damals 45 Jahre alt, seine Frau Irene Florence 82; sie verstarb 2002. Durch diese Ehe erhielt Aufhauser sein Vermögen, das er teilweise zur Begründung seines Konzerns des Tierschutzes und der Nächstenliebe verwendete. In der erwähnten Villa lebt der Gnadenhof-Gründer heute nicht nur mit zahlreichen Hunden, sondern auch mit Aiderbichl-Manager Ehrengruber.

Warum das alles von Interesse ist? Unter anderem deshalb, weil der Schenkungsvertrag für die Villa genau vor jenem Salzburger Notar geschlossen wurde, der später zum Haus-und-Hof-Notar von Gut Aiderbichl werden sollte. Und das Gnadenhof-Imperium wickelt offenbar die Vermögensübergaben betuchter und betagter Personen ebenfalls immer wieder über Schenkungen ab. Diese dürften wohl einfacher handhabbar sein als Testamente und umständliche Verlassenschaftsverfahren. Das Vermögen ist so schneller verfügbar. Und: Testamente können jederzeit problemlos widerrufen werden, etwa dann, wenn es sich der betagte Tierfreund anders überlegt oder die Verwandtschaft interveniert; bei Schenkungen besteht dieses Risiko - aus Sicht der Aiderbichler Tier- und Menschenfreunde - nicht.

Details zur extravaganten Liaison zwischen Aufhauser und Irene Florence Albert finden sich übrigens mittlerweile auch im Ermittlungsakt. Denn: Ein langjähriger Finanzbeamter, nebenbei gerichtlich beeideter Sachverständiger für Tierhaltung, hatte sich bereits vor vielen Jahren an die Fersen des geschäftstüchtigen Aufhauser geheftet und sich für dessen Deals zu interessieren begonnen. Heute sagt der mittlerweile pensionierte Beamte als Zeuge unter Wahrheitspflicht unter anderem aus: "Mir ist bekannt, dass Michael Aufhauser im Jahre 1997 eine Frau Irene Florence Albert geheiratet hat. Mir ist noch in Erinnerung, dass Aufhauser Frau Albert schon im Krankenhaus in Salzburg ehelichen wollte. Dazu kam es aber nicht, weil es der zuständige Standesbeamte wegen des Gesundheitszustandes von Irene Florence abgelehnt hatte. Daraufhin wurde Albert in das Krankenhaus nach Abtenau verlegt, wo sie schließlich am 9.10.1997 geheiratet hat."

Michael Aufhausers Anwalt teilte mit, dass dieser aus gesundheitlichen Gründen keine Fragen beantworten könne.

Der "vorgeführte" Thronfolger

Weit mehr als die strafrechtlich natürlich nicht relevanten Umstände der Aufhauser'schen Hochzeit interessieren die Ermittler aktuell die Aktivitäten von Aufhausers engstem Vertrauten. Dieter Ehrengruber fungiert mittlerweile als Sprachrohr, ist Geschäftsführer von Gut Aiderbichl, sitzt zudem in der Stiftung. In den Briefen, die Aufhauser an reiche Tierfreunde schrieb, stellte er seinen Statthalter bereits als seinen Nachfolger vor. Bei näherer Betrachtung der Geschäfte rund um die Schenkungen und Erbschaften, in die Aufhauser, Ehrengruber und Aiderbichl involviert sind, fällt nicht nur auf, dass sich der Thronfolger bei seinen Angaben in Widersprüche verstrickt - den Ermittlern sticht auch der rasant gewachsene Immobilienbesitz von Aufhausers Juniorpartner ins Auge.

Tatsächlich hat Dieter Ehrengruber, 37, zwischen 2007 und 2014 sieben Wohnungen erworben. Sechs davon befinden sich in der Stadt Salzburg, eine in München. Ehrengruber rechtfertigt sich gegenüber den Kriminalisten damit, dass es sich lediglich um Kleinwohnungen handle - zu einem Gutteil kreditfinanziert.

Ungeachtet der behördlichen Ermittlungen muss auf Gut Aiderbichl die Show weitergehen. Ohne Show keine Paten. Ohne Paten keine Spenden. Ohne Spenden kein Gnadenbrot für Tiere. Ein Geschäftsführer wie Ehrengruber muss da vorangehen, vor allem in turbulenten Zeiten wie diesen. Ende August eröffnete er eine neue Hundewiese, Ende September kam Pamela Anderson zu Besuch und ließ sich von ihrem Patenpferd Rupi aus der Hand fressen: "Ich bin hier im Himmel", soll sie laut Aiderbichl-Homepage gesagt haben.

Manager Ehrengruber pendelt derweilen nicht nur emotional zwischen Himmel und Hölle. Am 7. Juli ließ ihn die Korruptionsstaatsanwaltschaft polizeilich vorführen. Zur sofortigen Vernehmung. Der Grund: Ehrengruber hatte "nachweislich Kontakt" mit einem Zeugen aufgenommen und versucht, "den Inhalt von dessen Aussage vor der Polizei zu erfahren". Es bestehe die Gefahr, heißt es in den Akten, dass "er sich mit Mittätern besprechen und Zeugen, insbesondere ehemals in seinem Abhängigkeitsverhältnis stehende Angestellte bzw. Mitarbeiter, beeinflussen werde".

Lange Zeit mussten sich die Aiderbichler um staatliche Kontrollen offensichtlich wenig kümmern. Das zeigt auch jene Anekdote, die ein Hausbesorger, der zuletzt im Frühjahr 2015 für Gut Aiderbichl tätig war, den Ermittlern zu Protokoll gab: Er habe eine Mitteilung an das Arbeitsinspektorat gemacht, "da illegale Arbeiter in Henndorf beschäftigt waren". Grundsätzlich sei Henndorf verschlossen, man müsse sich anmelden. Und, so der Zeuge: "Wenn man sich anmeldet und als Polizei oder Ähnliches ausgibt, laufen alle illegal Beschäftigten in den benachbarten Wald. Wie bereits angeführt, hatte ich mehrere Zeugen und dies dem Arbeitsinspektorat gemeldet." Und wie lief so eine Überprüfung ab? "Die Kontrolle lief so ab, dass das Arbeitsinspektorat sich angemeldet hat, die illegal Beschäftigten wegliefen und der Arbeitsinspektor mit einem von Aufhauser geschenkten Hundewelpen nach Hause ging."

Aufhauser und Ehrengruber haben stets alle Vorwürfe vehement bestritten. Über ihre Anwälte ließen sie ausrichten, dass sie "bis auf Weiteres nicht bereit sind, Fragen im Zusammenhang mit dem Gegenstand des Verfahrens zu beantworten". Aufhauser sei überdies noch nicht vernehmungsfähig. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Lesen Sie weiter: "Last Exit Gnadenhof" - Ein Bauer in Not übertrug Gut Aiderbichl seinen Hof. Die Hofübergabe wird nun ein Justizfall.

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Kommentare

Wie dämlich - überall wo raubtiere gehalten werden wird man tiere füttern müssen - wenn man sie artgerecht halten will - da führen keine wege vorbei - ja da können die Aufdecker aufdecken in jeden zoo

Oberon
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Leider ist es wirklich so, dass männliche Küken von Arbeitern am Fließband aussortiert und später getötet werden. Das war einmal in einem TV-Bericht zu sehen. Wobei - gesehen habe ich es nicht, vorher habe ich den Sender umgeschaltet.
Ob ich das Töten jetzt gut finde oder nicht, es wird sich nichts daran ändern. Diese Küken enden als Futter für die Zootiere. Lebendfutter wird nur bei den .......

Oberon
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... Tieren verfüttert, die das unbedingt brauchen.

tierfreundin1 melden

Nun es ist halt so - fressen und gefressen werden, Naturgesetze....was mich allerdings mächtig stört, dass man von Seiten Aiderbichl behauptet, bei den Schenkungs- und Erbverträgen sei alles mit rechten Dingen zugegangen.... dass alte Menschen betrogen wurden....und die diversen Ablenkemanöver, die jetzt gestartet werden....gestern in der

tierfreundin1 melden

Krone...Fiona Swarovski wird zitiert - es reicht ihr....lach
den Betrogenen reicht es auch....

Oberon
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Stimmt, das ist ein Naturgesetz. Fleischfresser kann man halt nicht auf Pflanzenkost umstellen. Was mich aber echt aus der Haut fahren lässt, ist, dass die Betreiber von Alderbichl alte, gutherzige und spendenfreudige Menschen manipulieren und für ihre eigenen Interessen ausnützen. Daher - keine Milde bei der Strafe!
Ganz allgemein finde ich, dass alle Hilfsorganisationen, ob für Mensch ....

Oberon
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.... oder Tier, offenlegen müssten, wofür die Spenden verwendet werden.

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