"Narben sind geblieben": Bluttat an Schule in Zöbern jährt sich heute zum zehnten Mal

Pädagogin am 5. 5. 1997 von 15-Jährigem erschossen Gedenkmesse für getötete Lehrerin in kleinem Kreis

"Narben sind geblieben": Bluttat an Schule in Zöbern jährt sich heute zum zehnten Mal

Nach dem Schulmassaker im US-Bundesstaat Virginia Mitte April werden in Österreich Erinnerungen an den 5. Mai 1997 wach. Vor zehn Jahren erschoss in der Hauptschule Zöbern (Bezirk Neunkirchen) ein damals 15-Jähriger eine 48-jährige Lehrerin und verletzte eine neun Jahre jüngere Kollegin der Frau schwer. Heute, am Jahrestag der Tragödie, wird eine Gedenkmesse im kleinen Kreis für die getötete Pädagogin abgehalten.

"Natürlich herrscht noch immer Betroffenheit nach diesem schrecklichen Vorfall", sagte der Direktor der Hauptschule, Matthias Putz, in einer schriftlichen Stellungnahme an die APA am Freitag. "Diese wird auch nie weichen." Die Tat "war für unsere Schüler, für den Ort und für jeden einzelnen von uns ein sehr einschneidendes Ereignis, das mit starken Gefühlen verbunden ist".

Die Wunden seien im Laufe der Zeit verheilt. "Aber die Narben sind geblieben", erklärte Putz. "Es ist leider nicht mehr so wie es einmal war. Wir haben mit dieser Realität leben lernen müssen." Für die erschossene Lehrerin wurde in der Schule eine Gedenktafel errichtet: "In dankbarer Erinnerung" ist darauf zu lesen.

Johann Nagl (V), Bürgermeister von Zöbern, sagte zur APA, dass keine öffentliche Trauerfeier seitens der Gemeinde geplant sei. Die Ereignisse von 1997 seien "sehr dramatisch" gewesen, grundsätzlich sei aber wieder das normale Leben eingekehrt. Er appellierte an Außenstehende, entsprechende Pietät im Umgang mit diesem Thema walten zu lassen.

Ein Lehrerin getötet, eine weitere verletzt
Der Jugendliche war am 5. Mai 1997 mit der Waffe seines Vaters, einem Revolver Taurus .357 Magnum, am Nachmittag in ein Klassenzimmer gekommen. Laut den Ermittlungen wollte er ein Mädchen vergewaltigen. Er habe der Schülerin den Revolver an den Kopf gehalten und zuvor einen Schuss in die Decke abgegeben. Die Lehrerin, der einstige Klassenvorstand des Jugendlichen, schritt daraufhin ein. Der Bursche stieß sie nieder, als die Frau sich wieder aufrichtete, gab er zwei Schüsse auf sie ab. Für die 48-Jährige kam jede Hilfe zu spät.

Nach der Bluttat verließ der 15-Jährige das Klassenzimmer und begab sich auf den Gang der Schule. Wenig später sah er eine 39-jährige Lehrerin, die auf dem Weg ins Konferenzzimmer war, um die Rettung und die Polizei zu alarmieren. Noch bevor die Pädagogin die Tür erreichte, wurde auch sie niedergestreckt. Ein Projektil traf die Frau ins Bein. Sie erlitt einen Oberschenkeldurchschuss.

Der Jugendliche flüchtete auf einem Fahrrad, ehe er in ein Auto stieg, das von einem Nachbarn gelenkt wurde. Die beiden wollten nach Zöbern zurückfahren, wurden jedoch unterwegs von einer Polizeistreife angehalten. Der 15-Jährige wurde festgenommen und in der Folge zu acht Jahren Haft verurteilt.