Papst Benedikt XVI. von

Wer kann Papst?

Personal-Schach im Vatikan: Spannendes Rennen um die Nachfolge Benedikts XVI.

  • Der Papst bei seinem letzten Auftritt
    Bild 1 von 13 © Bild: 2013 AFP/Getty Images

    Bei der vermutlich letzten großen liturgischen Feier mit dem scheidenden Papst: Benedikt XVI. ist es im Petersdom zu einem Massenandrang gekommen.

Wenn Kirchenfürsten derzeit über das Konklave reden, sollte man ihnen genau zuhören. Denn in der hohen Kunst der Kirchendiplomatie kommt es auf die Zwischentöne an. Wer genau zuhört, kann zwischen den wohlgeformten Sätzen viel Spannendes heraushören. So auch bei Christoph Kardinal Schönborn, einem der 118 Papst-Wähler Mitte März in der Sixtinischen Kapelle, der bei seinem „ZiB“-Interview zehn Stunden nach Benedikts Rücktritt die nächste Papstwahl auch aus österreichischer Sicht spannend macht.

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Zunächst erklärte der Wiener Kardinal entgegen vielen Vatikan-Insidern, das Konklave sei vor allem eine Persönlichkeitswahl. „Wer überzeugt als Persönlichkeit, als Christ, als Bischof, als Hirte? Wer hat die Qualität, von der zwei Drittel der Kardinäle sagen: Auf den legt Gott seine Hand, der wird der nächste Oberhirte.“ Zumal das Konklave keine normale Wahl sei, sondern: „Gott hat schon längst entschieden. Die Aufgabe der Kardinäle ist es nur, den zu finden, den Gott vorgesehen hat.“ Gott wirkt weltweit, daher ist das Land, aus dem der Kandidat stammt, nebensächlich.

Angesprochen auf seine international kolportierte Mit-Favoriten-Rolle und darauf, ob er eine allfällige Wahl auch annähme, reagiert Schönborn vielsagend: „Die Frage stellt sich nicht, das überlassen wir dem lieben Gott.“ Und auf die insistierende Frage, was denn wäre, wenn Gott ihn tatsächlich rufen sollte, antwortet der Kardinal mit ernstem Gesicht: „Wenn es Gottes Wille ist, dann sollen wir Ja sagen – so wie wir auch beten: Dein Wille geschehe!“

Für Spannung ist gesorgt

Zumal Österreichs Kardinal auf allen Shortlists internationaler Buchmacher als Kandidat aufscheint – zwar nicht an vorderster Stelle (letzte Quote 14 : 1), aber für eine Überraschung gut. Schönborn, der auch Mitglied der Glaubenskongregation im Vatikan ist, gilt in der Weltkirche als erprobter Krisenmanager, als teilweise reformfreudig und genießt international als Redaktionsleiter des Weltkatechismus hohes Ansehen. Und: Der Wiener Kardinal ging zuletzt des Öfteren mit der dringendst reformbedürftigen Vatikan-Kurie in den Clinch, der er zu liberal agiert und die deswegen auch Österreichs Kirche pauschal als „Krisenfall“ anprangert.

Umso mehr gehe es jetzt darum, so Kirchen-Insider, „in der Kurie und im Vatikan aufzuräumen“, da brauche es einen noch relativ jungen, starken Papst. Schönborn ist mit 67 im besten Papst-Alter. Bemerkenswert: Just italienische Medien loben derzeit Schönborn. Benedikt werde seinen Einfluss für seinen „Schüler“ noch geltend machen. Und unter Europas Kardinälen sei Schönborn ein „starker Name“, ein „ausgewogener Reformator“ und einer, der „für fortschrittliche Flügel in der Kirche offen ist“.

Das Match

Die Begegnung im Konklave wird Europa (50 Prozent der Kardinäle) gegen Afrika und amerikanischen Kontinent heißen. Von den Buchmachern in London und Rom wird Kardinal Peter Turkson (Ghana) aus Afrika als Top-Favorit gehandelt. Da 25 Prozent der Kardinäle Italiener sind, gilt Mailands Erzbischof Angelo Scola als Mit-Favorit. Mit Kardinal Odilo Scherer (São Paulo) und Kardinal Óscar Maradiaga (Honduras, studierte in Innsbruck) hat Lateinamerika zwei heiße Eisen im Feuer. Nur: Wer als deklarierter Papst-Favorit ins Konklave geht, kommt meist wieder nur als Kardinal heraus …

Mehr zum Abgang von Benedikt XVI. und der Verschwörung im Vatikan im aktuellen NEWS 07/13!

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