Mit dem Begriff „Völkerwanderer“ spitzt FPÖ-Chef Kickl eine Kampagne zu, die unterstellt, dass Flüchtlinge und Migranten das Gesundheitssystem massiv belasten würden.
Der Begriff „Völkerwanderer“ wirkt bedrohlich für jemanden, der der Überzeugung ist, dass es ohnehin schon zu viele Zuwanderer gebe. Er ist wie ein Code, der dazu dient, eine Abwehrhaltung zu verstärken. FPÖ-Chef Herbert Kickl hat jüngst in einem ZIB2-Interview von „Völkerwanderern“ gesprochen und damit eine Kampagne zugespitzt, die von seiner Partei seit Wochen betrieben wird.
Inhalt: Österreicherinnen und Österreicher hätten in zehn Jahren insgesamt 22 Millionen medizinische Behandlungen von Flüchtlingen und Migranten aus verschiedenen Staaten finanzieren müssen, die oft noch keinen Cent eingezahlt hätten. Kein Wunder, dass „unser Gesundheitssystem“ blockiert sei, meinte die Abgeordnete Katayun Pracher-Hilander in der „Kronen Zeitung“ dazu.
Tatsache ist: In den zehn Jahren, die gemeint sind, nämlich jenen ab 2015, wurden in den Krankenhäusern vom Boden- bis zum Neusiedlersee insgesamt 800 Millionen medizinische Leistungen erbracht. Gut ein Zehntel davon entfiel auf nicht-österreichische Staatsangehörige, was gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil* sehr wenige waren.
Bevölkerungsanteil
Der Anteil der Bevölkerung mit nicht-österreichischer Staatsangehörigkeit ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen: 2015 belief er sich auf knapp 14 und 2024 auf rund 20 Prozent, also ein Fünftel.
Schaut man sich die Zahl der ambulanten Besuche und stationären Aufenthalte im Jahr 2024 an, zeigt sich, dass es sich in ihrem Fall um 1,1 pro Kopf handelte. Das waren fast halb so viele wie bei Österreichern (2,1). Bei Angehörigen von Staaten, bei denen angenommen werden kann, dass viele von ihnen als Geflüchtete oder Vertriebene zugewandert sind, ist das nicht anders: Bei Afghanen handelte es sich um 1,2, bei Syrern und Ukrainern um einen.


Das ist nicht neu: Laut einer Studie der Medizinischen Universität Wien und des dortigen „Complexity Science Hub“ sind Zugewanderte weniger oft im Spital. Zurückzuführen ist das offenbar nicht nur darauf, dass sie eher jünger und damit gesünder sind, sondern auch auf sprachliche- und kulturelle Barrieren, die sie zögern lassen, ein Krankenhaus aufzusuchen.
Und natürlich: Geflüchtete zahlen zunächst oft nichts ein ins System. Das ändert sich jedoch im Laufe der Zeit. Laut einer Untersuchung des Instituts „Eco Austria“ sind zum Beispiel all jene, die seit 2015 gekommen sind, in Summe dabei, Nettozahler zu werden.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 11/2026 erschienen.

