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Scheidungszeit

Weihnachten ist die Hochzeit für Scheidungen. Warum? Helene Klaar im Interivew

Mann traurig vor dem Weihnachtsbaum © Bild: Shutterstock.com

Zu kaum einer anderen Zeit des Jahres lassen sich so viele Leute scheiden wie vor Weihnachten. Was ist der häufigste Scheidungsgrund? Mit welchen Tricks arbeiten die Noch-Ehepartner? Wer ist der Leidtragende? Und was das Geheimnis einer funktionierenden Ehe? Dr. Helene Klaar, Österreichs bekannteste Scheidungsanwältin, im Interview.

Wann ist die Hochzeit für Scheidungen?
Wir haben zwei Spitzen im Jahr. Die eine ist vor dem Sommer. Die andere vor Weihnachten. Ich sage immer: Ich hasse den Dezember. Er hat nur 20 Tage und in denen muss man doppelt so viel machen wie in einem anderen Monat.

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Warum gerade vor Weihnachten?
Für mich ist schwer nachvollziehbar, was da jedes Jahr ausbricht. Vielleicht rechnet man damit, dass zu Neujahr der Komet einschlägt. Vielleicht denken sich auch manche Männer, dass sie sich den Kauf eines Schmuckstücks ersparen, wenn sie die Scheidungsurkunde unter den Weihnachtsbaum legen. Wie auch immer man es sich erklären kann, der Druck, sich noch vor Weihnachten scheiden zu lassen, ist wahnsinnig hoch. Das passiert alle Jahre wieder.

»Ganz selten gibt ein Mann die Frau auf, die seine Hemden bügelt und seine Socken wäscht, wenn er keinen Ersatz für sie hat«

Warum wollen Männer für gewöhnlich die Scheidung? Warum Frauen?
Beim Mann ist die Korrelation mit einer anderen Beziehung sehr hoch. Fast kein Mann will die Scheidung, um nachher allein zu leben. Manche Männer behaupten, es gebe keine andere Frau, und die Frauen glauben das auch. Ganz selten aber gibt ein Mann die Frau auf, die seine Hemden bügelt und seine Socken wäscht, wenn er keinen Ersatz für sie hat. Frauen wollen die Scheidung eher wegen irgendwelcher Kränkungen oder weil der Mann zu wenig zum gemeinsamen Leben beiträgt. Oft sind sie mit der Ehe auch schon längere Zeit unzufrieden, wollten oder konnten sich aber wegen der Kinder nicht scheiden lassen.

Wie viele Ehen scheitern an den Herausforderungen, die Kinder mit sich bringen?
Der vernachlässigte Mann ... "Sie war nicht mehr Geliebte, nur mehr Mutter". Der häufigste Scheidungsgrund in Österreich ist das zweite Kind. Das nimmt so viel Lebensqualität. Zwar wird es weniger mühsam, wenn die Kinder größer werden. Viele Leute werfen aber offenbar schon unterwegs das Handtuch.

Raten Sie hier und da auch von einer Scheidung ab?
Ich bin keine Befürworterin schneller, unüberlegter Scheidungen. Ich bemühe mich herauszufinden, ob eine Scheidung unbedingt notwendig ist. Frauen, die sich nur beraten lassen wollen, versuche ich zu erklären, dass es oft besser ist, eine nicht ganz so glückliche Ehe zu führen, dafür aber keinen materiellen Mangel zu leiden. Das ist wie bei einer Blinddarmoperation: Man soll's nicht machen, solange noch Kamillendunstwickel helfen. Kann man mit gelinderen Mitteln ein Zusammenleben ermöglichen, braucht man sich nicht scheiden lassen. Meistens kommt ja auch nichts Besseres nach.

»Meistens kommt nichts Besseres nach«

Welche Gründe sprechen klar gegen eine Scheidung?
Wenn sich die Lebensverhältnisse durch die Scheidung ökonomisch sehr stark verschlechtern würden. Das Geld vermehrt sich ja nicht, wenn man vom gleichen Budget zwei Wohnungen, zwei Waschmaschinen und zwei Flachbildfernseher bezahlen muss. Meistens geht es einem emotional auch nicht besser, wenn man in einer kleineren Wohnung lebt und sich keinen Urlaub mehr leisten kann.

Zusammenbleiben ist also besser als sich scheiden lassen?
Eine Scheidung ist nicht grundsätzlich etwas Schlechtes. Es kommt darauf an, wie groß der Leidensdruck ist. Ist das Zusammenleben ganz schrecklich, dann kann man gegen die Scheidung auch nicht argumentieren. Etwas anderes ist es, wenn man nur nicht mehr so zufrieden ist wie am ersten Tag. Da besteht eine große Bandbreite. Interessant wäre zu wissen, wie zufrieden diejenigen sind, von denen der Scheidungswunsch ausgegangen ist. Ob sich die Situation für sie wirklich verbessert hat. Immerhin muss man auch in der neuen Beziehung einkaufen gehen und die Schwiegermutter besuchen.

Sie haben den ökonomischen Aspekt angesprochen. Wie wirkt sich die Scheidung finanziell auf Mann und Frau aus?
Die meisten Frauen sind zu Beginn der Ehe berufstätig und verdienen gut. Dann kriegen sie Kinder und es stellt sich heraus, dass sich der Mann nicht um sie kümmert. Irgendwer muss sich aber um sie kümmern, das haben Kinder so an sich. Also steckt die Frau zurück. Sie geht nicht oder nicht mehr ganztags retour in den Beruf. Zehn Jahre später hat der Mann einen guten Pensionsverlauf. Die Frau einen unterbrochenen. Da geht sich keine existenzsichernde Pension aus. Also muss sie mit 40 wieder zu arbeiten beginnen. Wenn der Mann dann auf die Idee kommt, dass er nicht nur beim Auto, sondern auch bei der Ehefrau ein neues Modell braucht, vertschüsst er sich. Der Mann hat eine schöne Karriere gemacht und die Frau ist ein Sozialfall. Sie kämpft ums Überleben, darum, dass sie Geld für Essen und Heizung hat.

Ein düsteres Bild, das Sie hier zeichnen.
Ja. Eine der häufigsten Fragen von Frauen, die zu mir kommen, lautet: Als ich geheiratet habe, hatte ich eine Wohnung, ein Auto, einen Job. Wieso habe ich jetzt nicht den Anspruch, das alles wieder zu haben? Auf diese Frage weiß ich keine Antwort.

»Junge Frauen wollen nicht sehen, dass sie so enden werden wie ihre Mütter - nur schlechter«

Gehen Frauen denn blauäugig in die Ehe?
Junge Frauen, die eine tolle Ausbildung, einen tollen Job haben, wollen natürlich nicht sehen, dass sie so enden werden wie ihre Mütter - nur schlechter. Bei der Müttergeneration war zumindest klar, dass die Kinder im Falle einer Scheidung bei der Mutter bleiben und der Vater den Unterhalt bezahlt. Ich finde, dass sich die Lebenssituation von Frauen in letzten 15 bis zwanzig Jahren allgemein verschlechtert hat. Die Mieten steigen, die Gehälter nicht. Es wird immer schwieriger, einen Job zu finden. Und die Pensionen werden immer niedriger.

Stichwort Geld. Mit welchen Tricks arbeiten die Noch-Ehepartner?
Meistens verwalten die Männer das Geld. Und nachdem die Frauen alles andere machen, sind sie froh, dass sie sich nicht auch noch darum kümmern müssen. Folglich haben sie keine Ahnung, wo das Geld ist. Wenn sie dann die Scheidungspapiere bekommen, merken sie, dass alles weg ist: Das Sparbuch liegt nicht mehr dort, wo es immer gelegen ist, die Kontoauszüge kommen nicht mehr nach Hause. Derjenige, der die Scheidung will, ist meist im Vorteil, weil er sich vorbereiten kann. Daher bin ich froh, wenn Frauen zu mir kommen, bei denen die Scheidung noch nicht unmittelbar ansteht. Ihnen rate ich nachzuschauen, solange noch etwas zu finden ist.

Das hört sich nach einer Aufgabe an, die viele Belastungen mit sich bringt.
Im Kapitalismus wird man nur dafür bezahlt, dass man unangenehme Dinge tut. Schöne Dinge laufen unter der Bezeichnung Hobby. Ich könnte weder Kranke verbinden noch auf Dächer steigen, also muss ich etwas anderes machen. Auch wenn es nicht immer angenehm ist.

Lehnen Sie hier und da auch einen Fall ab?
Das ist meistens nicht notwendig, weil man den Leuten, die einem unsympathisch sind, selbst auch unsympathisch ist. Meistens merkt man das schon bei der ersten Besprechung. Ich habe Klienten aber auch schon die Vollmacht gekündigt.

Was muss passieren, damit Sie das tun?
Zwischen Anwalt und Klient muss ein Vertrauensverhältnis herrschen. Wenn ich das Gefühl habe oder dahinter komme, dass mir der Klient nicht die Wahrheit sagt, dann ist das ein Zeichen dafür, dass er kein Vertrauen zu mir hat. Dann kann ich ihn auch nicht vertreten.

Und was muss passieren, damit Ihnen der Geduldsfaden reißt?
Ich bemühe mich natürlich geduldig zu sein wie ein indischer Elefant. Besonders gegenüber den eigenen Klienten. Was ich aber ganz schlecht vertrage, ist, wenn mir jemand ins Gesicht lügt. Die wenigen Male, bei denen ich bei Gericht ausgerastet bin, war das der Fall.

Was bereitet Ihnen an Ihrem Beruf am meisten Freude?
Eines der schönen Dinge in meinem Beruf ist, dass immer etwas vorkommt, was man noch nicht gehabt hat. Die Arbeit wird nicht wirklich zur Routine. Die Menschen sind so verschieden. Man muss herausfinden, was für den konkreten Klienten in seiner speziellen Lebenssituation das Beste ist und wie man es umsetzt. Das ist eine sehr kreative und abwechslungsreiche Tätigkeit. Das macht mir Freude. Natürlich ist eine Scheidung für jeden Menschen auch eine Lebenskrise. Wenn man dazu beitragen kann, dass es den Leuten nach der Scheidung wieder gut geht, dann ist das eine sehr sinnvolle Aufgabe.

»Wenn sich mehr Väter um ihre Kinder kümmern würden, wären die Frauen am Abend auch nicht zu müde für Sex«

Sie haben ja einen Scheidungsratgeber für Frauen geschrieben. Welchen Rat geben Sie Frauen mit auf ihren Beziehungsweg? Welchen Männern?
Man muss ja nicht heiraten. Mittlerweile ist es kein Mangel mehr, wenn man nicht verheiratet ist. Außerdem sollte man sich überlegen, ob man seinen Partner wirklich so gerne hat, dass man die ganze Zeit mit ihm zusammen sein möchte, ob es in der Lebensgestaltung, bei der Kindererziehung genügend Übereinstimmungen gibt. Allzu große Gegensätze lassen sich über 40, 50 Jahre hinweg meist nicht überbrücken. Daher sollte man nur jemanden heiraten, der halbwegs zu einem passt.

Sie selbst sind schon seit sage und schreibe 40 Jahren verheiratet. Was ist Ihrer Meinung nach das Geheimnis für eine gelungene Ehe?
Man muss sich während der Ehe bemühen, sie so zu führen, dass sie nicht gleich wieder auseinander geht. Es endet nicht damit, dass man geheiratet hat, und von da an ist das Leben ein Meer von Rosen. Man muss sich Beistand leisten im täglichen Existenzkampf. Wenn man Kinder hat, sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass sich beide im Rahmen ihrer Möglichkeiten um sie kümmern. Wenn sich mehr Väter um ihre Kinder kümmern würden, wären die Frauen am Abend auch nicht zu müde für Sex.

Dr. Helene Klaar
© Fotostudio Floyd

Zur Person
Dr. Helene Klaar ist seit 1976 als selbstständige Rechtsanwältin mit Kanzlei in Wien tätig. Ihre Schwerpunkte liegen auf dem Familienrecht, dem Miet- und Arbeitsrecht. Sie ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne.

Kommentare

Petra Prückler
Petra Prückler melden

Selten ein dämlicheres Interview gelesen... Allein der Vergleich mit einer Blindarmoperation... und es kommt eh nichts besseres nach. Da zweifelt man an jeglicher Kompetenz...

Klara Vakaj melden

Liebe Frau Prückler! Frau Dr. Klaar berichtet, wie gesagt, aus ihrer Jahrzehnte langen Erfahrung in diesem Bereich. Mit Sicherheit mag es auch anders gehen! Doch man darf nicht außer Acht lassen, dass es auch diese Seite gibt.

Sehr geehrter Herr Oberwalder! Nach Jahrzehnte langer Berufspraxis zeichnet Frau Dr. Klaar ein Bild das - leider immer noch viel zu oft - der Realität entspricht. Mit Männerhass hat das nichts zu tun. Glücklicherweise gibt es heute aber auch genügend Gegenbeispiele. Wollen wir hoffen, dass es immer mehr werden!

Mr.O

Ist Die Rechtsanwältin Klaar eine Männerhasserin oder irre ich mich?

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