Kroatien von

Rijeka & Opatija:
Doppelter Meerwert

Kroatien - Rijeka & Opatija:
Doppelter Meerwert © Bild: Shutterstock/ Leonid Andronov

Rijeka & Opatija bilden Kroatiens anziehendste Gegensätze: Da die leicht runtergerockte Hafenstadt mit ihren realsozialistischen Landmarks, dort das weltläufige Habsburger-Seebad, auf dessen Terrassen man Walzer tanzt. Rijeka ist Erlebnis, Opatija Erholung

Egal, ob es eigentlich runter ins zerklüftete Dalmatien geht oder rüber ins multikulturelle Istrien oder einfach nur an Opatijas mondäne Riviera -Rijeka steht in der Regel nicht auf der Route, sondern meist bloß im Weg. Ein Gutteil der Österreicherinnen und Österreicher, die an die kroatische Adria wollen, muss irgendwie an der weitgehend unbekannten Hafenstadt mit ihren 130.000 Einwohnern vorbei. Doch kaum wer kommt auf die Idee, dort auch Halt zu machen - was sich jetzt ändern soll.

Titos bröckelnde Skyline

Aber warum? Wer sich aus dem Norden nähert, sieht zunächst nicht nur das tiefblaue Meer, sondern auch eine mausgraue Skyline realsozialistischer Prägung: Auf der Anhöhe der Stadt ließ noch der alte Tito in den Sechzigerjahren leistbaren Wohnraum für die Arbeiterschaft der weitläufigen Werften hochziehen. Doch heute gilt die kroatische Schiffsindustrie größtenteils als gestrandet, chinesische Investoren wollen die maroden Werften Rijekas preisgünstig übernehmen und gnadenlos schrumpfen. Tja, und auch der Stolz und die Fassaden der Skyline bröckeln. Rijeka, das ist mitunter mehr kroatischer Alltag, als dem Traumreisenden lieb ist. Und doch ein spannendes Zwischenziel.

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Die Touristiker der malerischen Kvarner-Bucht zwischen Lovran und Crikvenica, in deren geografischer Mitte Rijeka trotzig knotzt, haben sich nämlich nun dazu entschlossen, die Umfahrene, die sich im kommenden Jahr mit dem Titel "Europäische Kulturhauptstadt" schmücken darf, endlich in ihre Vermarktungskonzepte einzubauen: als urbanen Kontrapunkt zum benachbarten Seebad Opatija, dem Schmuckkästchen habsburgischer Prägung. Und da Rijeka zwar über ein paar ansprechende Businesshotels, aber kaum touristische Unterkünfte verfügt, lautet der wohlmeinende Rat: Übernachten in Opatija, Erholen in Opatija, Abtauchen ins kroatische Echtleben in Rijeka -ein Kontrast mit doppeltem Meerwert.

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Alter Kaiser, junge Szene

Schon die etwa 20-minütige Fahrt von Opatija nach Rijeka -auch die Hauptstraße schlängelt sich, stets am Meer entlang, geduldig von Bucht zu Bucht -offenbart die Gegensätze der beiden Nachbarstädte: da Opatija, der wichtigste Kurort der alten Monarchie, mit seinen ausgedehnten Parkanlagen voll duftender exotischer Pflanzen, seinen weitläufigen Villen mit Panoramaterrassen (wo abends mitunter sogar zum Walzertanzen aufgespielt wird), seinen vom Wien der Jahrhundertwende (der vorletzten) inspirierten Kaffeehäusern, seinem zwölf Kilometer langen, nach Kaiser Franz Joseph benannten Lungomare (der besten Joggingstrecke an der Küste der oberen Adria); dort, an der Peripherie Rijekas, die riesigen, von Möwen bevölkerten Kräne der alten Werften und deren hoch in den Himmel ragende Greifarme, die alten, ziegelgemauerten Industriehallen und Fabriksgebäude (heute Teils von der wachsenden Musik-und Partyszene in Beschlag genommen), das altehrwürdige Fußballstadion "Kantrida"(auch das wollen die Chinesen kaufen), das direkt am Meer liegt und dem abfällig gebrauchten Begriff "Badekick" einen völlig neuen, positiven Beigeschmack von Wahrheit gibt

© Shutterstock/travelpeter

Opatija, das sind die schicken Cabrios der durchwegs etwas betuchteren (und reiferen) Klientel in ihren blütenweißen Leinen-Looks und ihrer Lebensart, die wohl ein klein wenig an die Côte d'Azur erinnern soll. Rijeka hingegen, das ist ein buntes Dauerprovisorium: Ein Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg, mitten im Zentrum, heißt heute schlicht "Boonker" und ist die derzeit angesagteste Pizzeria (Holzofengrill) und Lounge Bar (perfekter Panoramablick, perfekter Latte macchiato) der Stadt. Auch der Club "Tunel"(die Topadresse für Gigs von Bands aus der Region) hat, wie bereits der Name vermuten lässt, eine ähnliche Vergangenheit.

Ein Bauch für die Bäuche

Nur einen Steinwurf entfernt befindet sich der "Bauch der Region Kvarner", der von den Touristikern so genannt wird, weil er die Bäuche der Region Kvarner füllt: Der große Bauernmarkt mit Früchten und Gemüsen aus dem Umland Rijekas erstreckt sich rund um zwei Pavillons aus dem späten 19. Jahrhundert, die ihrerseits als Lebensmittelhallen dienen: Hier sollte man sich durch das reichhaltige Käseangebot (der Local Hero ist der "Paski Sir" von der nahegelegenen Insel Pag) und die verschiedenen Varianten des Rohschinkens Prsut (den dünnen, leichten aus Istrien und den dunkleren, würzigen aus Dalmatien) kosten. Gleich daneben tut sich, ebenfalls in einer denkmalgeschützten Halle, der quirlige Fischmarkt auf, wo fangfrisches Meeresgetier aus der Kvarner Bucht ebenso feilgeboten wird wie importierte Tiefkühlware.

Wer das Flair (und die Produktpalette) der Siebzigerjahre schätzt, ist in Rijekas Flaniermeile, dem "Korzo", und ganz speziell im Einkaufscenter "Robna kuća Korzo" bestens aufgehoben. Und wer dem Himmel ein Stückchen näher kommen möchte, erklimmt die exakt 561 Stufen zur vorstädtischen Anhöhe Trsat. Hier befindet sich der älteste Marienwallfahrtsort Kroatiens (kostengünstige Engerln in schneiender Glaskugel werden am Kirchenplatz verscherbelt) mit himmlischem Rundumblick auf Rijeka und die Inselwelt der Region Kvarner. Und wer die 561 Stufen talwärts und dann noch 500 Meter Richtung Meer spaziert, landet direkt vor Rijekas Topkuriosität: Titos alter, noch still vor sich hindümpelnden Yacht, wo der kommunistische Jetset-Staatschef einst Prominenz wie Elizabeth Taylor und Richard Burton empfing. Wenn Rijeka nächstes Jahr Kulturhauptstadt sein wird, soll der alte Kahn dann bereits frisch aufgemöbelt sein und als Museum dienen.

Bis dahin bleibt Nachbar Opatija das große Museum: ein Freilichtmuseum unter sedierender Lavendel-Duftglocke, in dem sich der Rijeka-Gast abends von der Großstadt erholt.

Tipps

Gastronomie, ziemlich im Öl

Was kaum wer weiß: Österreicherinnen und Österreicher, die (etwa wegen Atemwegserkrankungen) eine Kur verschrieben bekommen, können diese auch im "Heilklimatischen Kurort" Opatija verbringen - die Kasse zahlt. Mehrere Tageskliniken bieten Kur-Packages. Und: Auch privat bezahlte Wellness-Dienstleistungen sind aufgrund des niedrigeren Lohnniveaus um etwa 40 Prozent günstiger als bei uns. Informationen unter www.kvarnerhealth.hr.

Der Hotel-Tipp.

Das angesagteste Haus im Großraum Opatija ist derzeit das Designhotel Navis (Bild oben), das futuristisch an einem schmalen Küstenstreifen direkt über dem Meer klebt. Nicht ganz billig (Übernachtung mit Frühstück im Doppelzimmer für 150 Euro pro Person), aber stylishe Zimmer mit Topblick und hervorragende Küche (zwei Gault-Milau-Hauben). Details unter www.hotel-navis.hr.

Der Restaurant-Tipp.

30 Kilometer südlich von Rijeka liegt Crikvenica, ein Seebad, das in den Sommermonaten vor allem bei der Society von Zagreb beliebt ist. An den Ausläufern der kleinen Stadt (hinten üppiges Grün, vorne tiefblaues Meer) liegt das Restaurant Dida, das regionale Kost wie die Eierteigwaren Fuzi oder Thunfisch pfiffig verfeinert. Im Dida werden zur Verfeinerung fünf (!) verschiedene Olivenöle aus der Region gereicht. Schon allein das lohnt den Besuch. Menüs und

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