Junge Politik von

Hoyos: "Man muss Kurz
in die Verantwortung nehmen"

JUNOS-Chef über sinnlose Symbolpolitik der Regierung und sein Mitleid mit Heinz Faßmann

Douglas Hoyos © Bild: Douglas Hoyos

Douglas Hoyos ist seit 2014 Bundesvorsitzender der Jungen liberalen NEOS (JUNOS) und ist der letzte in unserer Reihe „Junge Politik“. Im Gespräch mit News.at spricht er über seine – sehr kurze – Zeit bei der Jungen ÖVP, warum ihm Bildungsminister Heinz Faßmann leid tut und weshalb Sebastian Kurz seine guten Umfragewerte auf lange Sicht nichts bringen werden.

Wie sind Sie zur Politik gekommen? Was hat Ihr Interesse geweckt?
In meiner Familie war Politik immer ein Thema, meine Eltern waren aber nie politisch aktiv. So richtig politisiert hat mich mein Geschichtelehrer, der provokant mit uns diskutiert hat. Ich fand das spannend und habe kurz versucht, mich politisch zu engagieren. Das war zur Zeit Gusenbauer/Molterer/Pröll, eine Zeit der großen Depression in der österreichischen Politiklandschaft. Mein Engagement war nur von kurzer Dauer.
Dann bin ich vom Waldviertel nach Wien gegangen und sah Plakate von den JuLis für den ÖH-Wahlkampf. Dann ist das eben so passiert - und wir haben in weiterer Folge die NEOS mitgegründet.

Ich hatte diesen Gang in die Politik nie vor, aber ich bin sehr glücklich darüber. Gleichzeitig weiß ich aber auch, dass ich es nicht mein Leben lang machen werde. Ich glaube, das Berufsbild Politiker ist veraltet und ich hoffe und glaube, dass das auch der Politik gut tut.

Haben Sie politische Vorbilder?
Mir hat als junger Mensch Heide Schmidt imponiert. Diese Persönlichkeit war beeindruckend. Ich kann mich erinnern, dass ich mir zuhause Flyer ausgedruckt und sie verteilt habe, weil ich Schmidt in einer Diskussionsrunde gesehen habe und sie so eine Ausstrahlung hatte. Aber es gibt auf vielen Ebenen PolitikerInnen, die spannend sind. Barack Obama natürlich, nicht immer inhaltlich, aber als Persönlichkeit. Guido Westerwelle hat auch etwas sehr Spannendes gehabt.

»Ich habe schnell gemerkt, dass ich in der ÖVP falsch bin. «

Ihr erster Ausflug in die Politik damals im Waldviertel ging zur Jungen ÖVP (JVP)?
Ja, das ist auch kein Geheimnis. Das hat mich aber nie wirklich erfüllt und ich habe schnell gemerkt, dass ich in der ÖVP falsch bin. Aber im Waldviertel gibt es nicht viel anderes als die ÖVP. Ich halte das auch für ein Problem im ländlichen Raum. Wenn man sich politisch engagieren will, ist die Vielfalt für Jugendliche teilweise sehr gering.

Sind die JUNOS in ganz Österreich vertreten?
Wir sind in allen Ländern vertreten, aber wir haben keine klassischen Parteistrukturen in jeder Gemeinde, weil ich glaube, dass das etwas Veraltetes ist. Wir denken mehr in Themen und wie man diesbezüglich zusammenarbeiten kann als in die Richtung „Wir müssen einen lokalen Machtblock bilden“.

Douglas Hoyos
© News.at Douglas Hoyos beim Interview mit News.at: "Ich glaube schon, dass die Jugendlichen teilweise sehr frustriert sind."

Sie haben mit jungen Menschen zu tun: Wie würden Sie die Stimmung im Land derzeit beschreiben?
Wir sind gerade im Rahmen einer Kampagne aktiv auf junge Menschen in Europa zugegangen, um über Europa zu sprechen und man spürt, gerade was das Thema Europa betrifft, einen extremen Zustrom. Das hat mich positiv überrascht in den letzten Monaten.
Ansonsten glaube ich schon, dass die Jugendlichen teilweise sehr frustriert sind. Das betrifft Bildungspolitik, wo man merkt, dass Schüler das Gefühl haben,,sie sind in einem System gefangen, das nicht ihre Talente fördert, sondern das Durchmischen, damit ein Einheitsbrei herauskommt. Sie werden überhaupt zu wenig mit ihren Stärken und Schwächen wahrgenommen und das quer durch alle Gesellschaftsschichten und Bereiche.

Migrationsproblematik in der Schule: Was sind Ihre Lösungsansätze?
Ich glaube, dass Integration und Bildung ganz eng zusammenhängen und dass es wichtig ist, viel stärker in die Unterstützung der Lehrer vor Ort zu gehen, etwa durch mehr Sozialarbeiter. Ich glaube auch, dass wir über ein zweites Kindergartenjahr, für die, die es brauchen, nachdenken sollten. Weil wir wissen, dass Integration im frühkindlichen Alter viel besser funktioniert.

Halten Sie das Kopftuchverbot für eine sinnvolle Maßnahme?
Eine Einzelmaßnahme ist zu wenig, darum wollen wir ein Integrationspaket. Klar ist, dass Integration Maßnahmen braucht, wie etwa Ganztagesangebote an Brennpunktschulen oder gezielte Deutschförderung.

»In der Erklärung dieses Gesetzesentwurfes, steht das Wort Integration gar nicht drinnen. Das ist ja entlarvend. «

Im Zuge der Kopftuchdebatte sagten Sie: "Es ist bezeichnend, dass ÖVP und FPÖ wieder einmal zuerst an die Öffentlichkeit gehen, bevor sie mit dem Parlament in einen Dialog treten." Können Sie das genauer erklären?
Wenn man eine Mehrheit haben möchte, sollte man doch am Anfang mit jenen diskutieren, mit denen man eine Mehrheit haben möchte und nicht sagen: „Wir werden einen Vorschlag liefern und da könnt ihr zustimmen oder nicht.“ „Wenn ihr nicht zustimmt, seid ihr die Trotteln, die nicht mit uns zusammenarbeiten wollen und wenn ihr zustimmt, seid ihr die Trotteln, weil ihr eine Einzelmaßnahme, die nur der Regierung was bringt, mittragt.“ Und die Kopftuch-Maßnahme bringt wirklich nur der Regierung etwas, weil alleine durch ein Verbot die Integration in Österreich nicht verbessert wird. In der Erklärung dieses Gesetzesentwurfes, steht das Wort Integration übrigens gar nicht drinnen. Das ist ja entlarvend.

Keine einfache Zusammenarbeit im Parlament?
Ich finde es wirklich schade, dass in Punkto Zusammenarbeit – ich glaube, es gibt viele, die sehr offen sind und auch bereit, über den eigenen Schatten zu springen und wichtige Dinge zu besprechen – gar nichts passiert. Ich hätte mir erwartet, dass genau das mit diesem "neuen Stil", den ich persönlich nicht wirklich spüre, kommt, aber da hat die Regierung Kurz ganz einfach bisher nichts geliefert.

»Man hat das Gefühl, dass er eigentlich weiß, dass das was er macht, nicht das Gescheiteste ist. [zu Heinz Faßmann]«

Welches Zeugnis stellen Sie Bildungsminister Heinz Faßmann aus?
Er tut mir ein bisschen leid. Man hat das Gefühl, dass er eigentlich weiß, dass das, was er macht, nicht das Gescheiteste ist, nämlich reine Parteipolitik. Das, was er machen wollen würde und was auf wissenschaftlichen Fakten basieren würde, kann er nicht umsetzen, warum auch immer.
Ich glaube, dass da das Regierungssystem Mitschuld ist. Denn wenn die Parteipolitik über die Sachlichkeit übernimmt, stößt die vielzitierte "Message-Control" an ihre Grenzen. Und das ist gerade im Bildungsbereich extrem verheerend. Da muss man auch den Sebastian Kurz in die Verantwortung nehmen, der eigentlich sehen müsste, dass durch Maßnahmen, die nur durch Symbolik getrieben sind, die jungen Menschen auf der Strecke bleiben. Und das kann doch nicht das sein, was der Bundeskanzler will, gerade in dem jungen Alter.

»"Es ist wenig passiert, außer irgendwelche Alibi-Gesetze und Symbolpolitik"«

Was macht Sebastian Kurz gut?
Ich glaube, dass er sich ganz gut verkauft nach außen. Aber ein Bundeskanzler wird am Ende des Tages an den Leistungen gemessen, die er erbracht hat. Bisher gab es sehr viele Ankündigungen aber es ist wenig passiert. In den wichtigen Bereichen noch viel weniger, außer irgendwelche Alibi-Gesetze und Symbolpolitik. Und wenn sie so weitermachen, wird er sicher langfristig keine gute Note bekommen. Die kurzfristig guten Umfragewerte genügen halt nicht.

Was ist derzeit die wichtigste Aufgabe der NEOS als Oppositionspartei?
Eine Aufgabe ist es immer, konstruktiv zu sein, gesprächsbereit zu sein und immer wieder Vorschläge einzubringen. Die zweite Aufgabe ist es, das Kontrollorgan zu sein. Der Regierung auf die Finger zu schauen und immer wieder mahnende Zeichen zu setzen. Das ist derzeit sehr wichtig. Man muss sich nur den Postenschacher bei der FPÖ anschauen, wenn ein Vizekanzler irrtümlich eine SMS an andere schickt, wo es klar nur darum geht, wer welchen Posten bekommt, ist das sehr traurig.

Besuchen Sie die Donnerstags-Demos?
Ich war bisher noch nicht dort, schließe aber nicht aus, dass ich einmal vorbeischaue.

Wie arbeiten die JUNOS mit den NEOS zusammen? Agieren die JUNOS komplett frei oder wird alles abgestimmt?
Grundsätzlich sind wir relativ frei und wir arbeiten gut zusammen. Wir haben ähnliche inhaltliche Forderungen, sind seit Anfang an dabei und versuchen uns regelmäßig auszutauschen. Da braucht es kein "gegenseitig auf die Finger schauen" sondern ein gutes Maß an Vertrauen.

Wie wollen Sie junge Menschen für Politik und die der JUNOS/NEOS begeistern?
Das wichtigste ist, mit Menschen in Kontakt zu treten: Einfach zu reden. Egal, ob am Bierzeltfest oder beim Rhetoriktraining, es ist wichtig, junge Menschen für Politik zu begeistern. Da geht es nicht vordergründig darum, Mitglieder zu bekommen, sondern jungen Leuten zu zeigen: Das kann Politik bewegen.

Was sind die wichtigsten Anliegen der JUNOS?
Bildungspolitik natürlich, aber auch nachhaltige und langfristige Wirtschaftspolitik. Wir sagen: Der Wohlstand, den die letzten Generationen aufgebaut haben, müssen wir erhalten und da müssen wir auch gewisse Fesseln, die wir uns selbst gegeben haben, aufbrechen, um ein gutes, funktionierendes Wirtschaftssystem zu haben. Ein schlanker Staat ist ebenfalls ein wichtiges Thema sowie auch Umwelt und Nachhaltigkeit.

Douglas Hoyos
© Douglas Hoyos "Natürlich finde ich es schade, dass ich Matthias nicht mehr so oft sehe", sagt Hoyos über Strolz

Schmerzt der Abgang von Matthias Strolz noch?
Schmerzen tut er gar nicht. Matthias ist ja erstens nicht weg und Beate Meinl-Reisinger macht einen Super-Job. Oft ist es gut, wenn so Gallionsfiguren einen Schritt nach hinten gehen, um mehr Platz zu machen. Natürlich ist es eine Veränderung und natürlich finde ich es schade, dass ich Matthias nicht mehr so oft sehe und mich nicht mit ihm austauschen kann, aber er ist nach wie vor da.

Auf Ihrer Website ist zu lesen, für Sie gäbe es über allem ein Anliegen, nämlich „Die Freiheit des Einzelnen stärken.“ Sollte man in Zeiten wie diesen nicht versuchen, die Gemeinschaft zu stärken und aufeinander schauen?
Das eine widerspricht ja nicht dem anderen. Ich glaube, jeder einzelne soll sich so frei wie möglich entfalten können in diesem Land. Je freier sich jeder einzelne entfalten kann, umso mehr kann er auch für die Gemeinschaft tun. Das ist kein Widerspruch, sondern im Gegenteil, beflügelt sich gegenseitig.

Sie sind auf Facebook sehr aktiv. Wie wichtig sind soziale Medien heutzutage in der Politik? Kann man ohne überhaupt noch erfolgreich sein?
Ich glaube schon, dass man erfolgreich sein kann. Es sind Hilfskanäle, um seine Botschaft und das was steckt dahinter, zu zeigen. Ich hoffe, dass dadurch Politiker und Politik an sich ein bisschen greifbarer werden.

Welche Gefahr sehen Sie in sozialen Medien? (Stichwort Fake News und ungefilterte Propaganda)
Das ist ein großes Thema, wie wir mit sozialen Medien umgehen. Ich glaube, auch in der Bildung muss da vielmehr Augenmerk darauf gelegt werden, weil man lernen muss, sicher damit umzugehen.

Auch Hass im Netz ist eine problematische Seite der sozialen Medien. Denken Sie, hilft das „digitale Vermummungsverbot“ den Hass einzudämmen?
Wir wissen aus Studien, dass ein Großteil der Hasspostings nicht anonym ist und dementsprechend wird das allein nichts bringen. Ich glaube schon, dass man Maßnahmen ergreifen muss, sich Strafrechtsbestände anschauen muss. Aber da muss es ein Paket geben, weil es die gesamte Gesellschaft betrifft.

Was sind die Ziele für die EU-Wahl nächstes Jahr?
Ich erhoffe mir, dass es einen sehr positiven Diskurs zur Weiterentwicklung der Europäischen Union gibt. Weil ich der Überzeugung bin, dass ein gemeinsames, starkes Europa für die nächste Generation ein unerlässlicher Lebenspartner sein wird. Ich glaube, dass zwei Mandate absolut erreichbar sind, will es aber nicht an diesen Zahlenspielen aufhängen.

Was erhoffen Sie sich noch in Ihrer politischen Karriere?
Dass ich in meinen Bereichen das Gefühl habe, etwas bewirken haben zu können. Gerade in der Bildungspolitik. Dass mehr Flexibilität im System da ist, um Chancen für junge Menschen zu ergreifen. Und im Start-Up-Bereich, dass es möglich ist, einfach zu gründen, ohne große Bürokratie. Ich möchte viel aus der Opposition auch in Umsetzung zu bringen. Wenn mir das gelingen würde, wäre ich schon sehr zufrieden.

Douglas Hoyos
© Douglas Hoyos

Zur Person:
Douglas Hoyos-Trauttmansdorff wurde 1990 in Klagenfurt geboren, ging im Waldviertel zur Schule und studiert Betriebswirtschaft an der WU Wien. Seit 2014 ist er Bundesvorsitzender der JUNOS und spielte eine führende Rolle bei der Eingliederung der JuLIS als offizielle Jugendpartei der NEOS. Seit 2017 ist Douglas Hoyos, von seinen Freunden „Duxi“ genannt, Mitglied des NEOS-Vorstandes und Nationalratsabgeordneter.

News.at hat die Vorsitzenden aller Jugendparteiorganisationen im Rahmen dieser Reihe zum Gespräch gebeten, Douglas Hoyos bildet den Abschluss. Die Interviews mit Julia Herr (Sozialistische Jungend), Stefan Schnöll (Junge ÖVP) und Maximilian Krauss (Freiheitliche Jugend) können Sie hier nachlesen.

Kommentare

Was will der junge Hupfer! Noch nichts erlebt und noch weniger geleistet!!!!

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