Grasser-Prozess von

Grasser-Prozess:
"Enttäuscht und belogen"

Christian Thornton © Bild: APA/Roland Schlager

Die Befragung von Ex-Immofinanz-Mitarbeiter Christian Thornton im Korruptionsprozess ist von Richterin Marion Hohenecker erneut sehr detailreich geführt worden. "Enttäuscht, belogen und in die Irre geführt" sei Christian Thornton von seinem damalige Vorgesetzten und jetzigen Mitangeklagten Karl Petrikovics worden.

Der ehemalige Leiter des Rechnungswesens in der Immofinanz- und Constantia-Gruppe muss im Prozess den zweiten Tag der Richterin Rede und Antwort stehen.

Er sei von Petrikovics als "Werkzeug" missbraucht worden. So behaupte Petrikovics etwa, er - Thornton - habe die Idee gehabt, die Villacher Eisenbahnwohnbaugenosssenschaft ESG von der Raiffeisen Landesbank Oberösterreich (RLB OÖ) zu kaufen. Das stimme aber nicht.

Problematischer Geschäftsbesorgungsvertrag

Petrikovics sage auch, er habe den Auftrag bekommen, die Buwog-Provision der RLB OÖ beim Verkaufspreis der ESG zu berücksichtigen. "Ich hatte diesen Auftrag nie", so Thornton, und er habe auch mit niemanden von der RLB darüber gesprochen.

Auch stimme es nicht, dass er an einer Abschlussrunde zum ESG-Verkauf teilgenommen hätte. "Ich habe dort nicht teilgenommen", sagte Thornton, der für das Rechnungswesen in der Constantia-Immofinanz-Gruppe zuständig war.

Belogen sei er von Petrikovics insoferne geworden, als dieser ihm gesagt habe, der Geschäftsbesorgungsvertrag zwischen der Immofinanz und Peter Hochegger, der Grundlage für die Provisionsüberweisungen an die zypriotische Hochegger-Gesellschaft Astropolis war, liege beim Notar Brix. Tatsächlich lag er aber beim Immofinanz-Notar Bieber. Erst als er in der Anklageschrift von einer Hausdurchsuchung bei Bieber wegen dem Geschäftsbesorgungsvertrag mit Hochegger las, habe er davon erfahren.

»Petrikovics will die Verantwortung abwälzen«

"Ist Ihnen das nicht komisch vorgekommen", wollte Richterin Marion Hohenecker von Thornton wissen. "Damals nicht". Zudem habe es sich bei der Kanzlei Bieber Brix wohl um die größte Notariatskanzlei in Wien gehandelt. Allerdings: Wenn Petrikovics Bieber genannt hätte, hätte er, Thornton, vermutlich bei diesem nachgefragt, da er ihn von vielen Geschäftsfällen kannte.

Thornton schilderte auch den harschen Management-Stil seines früheren Chefs: "Petrikovics war stolz darauf, dass er die Immofinanz, Immoeast und 'der' Entscheidungsträger ist", so Thornton. Und jetzt, vor Gericht, schiebe Petrikovics alles ab, auch auf ihn. "Warum will Petrikovics Sie hineinziehen?" fragt die Richterin. "Weil er Verantwortung abwälzen will", so die Antwort von Thronton.

"Sie stellen kein angenehmes Klima dar", so die Richterin. "Petrikovics sagt, alles wurde gemeinsam erarbeitet, Petrikovics sagt, dass die Auszahlung der Provision ohnedies rechtens sei".

"Aber ich sitze heute da. Es gibt eine Anklageschrift", entgegnet Thornton. Ohne diesen Geschäftsbesorgungsvertrag würde er nicht hier sitzen. "Das ist schon emotional, wenn all diese Vorwürfe kommen, dass ich überall involviert war, dabei war, es wusste - obwohl ich nicht involviert war, nichts wusste und nicht dabei war", führte Thornton aus.

"Angespanntes Arbeitsklima"

Das Arbeitsklima in der Immofinanz-Gruppe unter Petrikovics bezeichnete Thornton als "sehr angespannt". Petrikovics sei damals ein anerkannte Manager gewesen, der durchaus "beinhart" agiert habe. "Wenn man bei Petrikovics nachgefragt hat, hat man sich entweder anschreien lassen müssen oder den Job verloren", sagte Thronton.

Er habe zum Beispiel nicht einmal die Handynummer seines Chefs gehabt. Es habe immer geheißen: "Er ruft an. Er meldet sich". Petrikovics habe nie schriftlich mit ihm kommuniziert. Er, Thornton, habe Informationen und Unterlagen aufbereiten und abliefern dürfen und sei dann weggeschickt worden.

"Ich konnte nicht so einfach zu ihm ins Büro gehen. Das gab es nicht", so Thornton. Bevor man ins Büro von Petrikovics kam, musste man an der Sekretärin vorbei und durch den sogenannten Boarding-Room, wo Besprechungen stattfanden. Statt Petrikovics direkt anzurufen habe man immer sein Sekretariat kontaktieren müssen.

Der Prozessverlauf im Überblick

1. Verhandlungstag: Rundumschlag der Verteidiger
2. Verhandlungstag: Republik will 9,8 Millionen Euro zurück
3. Verhandlungstag: Plädoyer von Grasser-Anwalt Wess
4. Verhandlungstag: Hochegger belastet Grasser massiv
5. Verhandlungstag: Grasser äußert sich zu Hocheggers Teilgeständnis
6. Verhandlungstag: Hochegger: "War Teil dieses Systems"
7. Verhandlungstag: Hochegger-"Scheinrechnungen" & "Briefkastenfirmen"
8. Verhandlungstag: "Ohne Karl-Heinz hätten wir das nicht geschafft"
9. Verhandlungstag: "Peter, wir gewinnen das"
10. Verhandlungstag: Die Freimaurer-Spur
11. Verhandlungstag: Petrikovics entlastet Grasser
12. Verhandlungstag: "Geheimagent" Hochegger
14. Verhandlungstag: Petrikovics verteidigt Geheimhaltung der Provision
15. Verhandlungstag: "Die Kärntner Wohnungen wollte keiner"
16. Verhandlungstag: Starzer: "Das ist alles erlogen"
17. Verhandlungstag: "Das darf man nicht mal im Kino"
18. Verhandlungstag: Thorntonh: "Ich war schlicht ein Bote"

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