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Burgtheater entlässt Vizedirektorin

Hartmann exklusiv in NEWS: „Buchungsvorgänge entsprachen nicht den Regeln“

Das Burgtheater in Wien. © Bild: Thinkstock

Dass Kulturinstitute unter Androhung des Bankrotts Subventionserhöhung einfordern, ist Routine. So war die öffentliche Erregung auch überblickbar, als Burgtheaterdirektor Matthias Hartmann zum 125-Jahr-Jubiläum seines Hauses die Politik schon nahezu verzweifelt zum Handeln aufforderte: Die Subvention wäre bei steigenden Kosten seit 14 Jahren nicht mehr adäquat erhöht worden. Man habe sämtliche Reserven verbraucht, Spielplan und Personal heruntergefahren. Jetzt aber wäre der Spielbetrieb in der vom Gesetz vorgeschriebenen Qualität nicht mehr haltbar.

In dieser Situation erfährt NEWS: Hartmanns Stellvertreterin Silvia Stantejsky wäre im Dezember erst suspendiert und dann entlassen worden. Die seit 1980 am Haus tätige, allseits geschätzte Spitzenkraft hatte im vergangenen Frühjahr überraschend das Amt der kaufmännischen Geschäftsführerin zurückgelegt: Sie könne die budgetären Situation als Geschäftsführerin nicht länger verantworten. Hartmann machte sie daraufhin zu seiner Stellvertreterin.

Nun schilt der Direktor auf NEWS-Anfrage: „Sie sind eine lästige Wühlmaus, Sie erfahren die Dinge, bevor sie überhaupt stattfinden.“ Um dann aber zu bestätigen: „Tatsächlich haben die Wirtschaftsprüfer bei der gesetzlichen Gebarungsprüfung der letzten Spielzeit, für die Frau Stantejsky noch als Geschäftsführerin zuständig war, Irregularitäten festgestellt. Die führen laut Gesetz zu sofortigen dienstrechtlichen Konsequenzen.“ Deshalb wäre über Weisung von Bundestheater-Chef Georg Springer die Suspendierung, später auch die Entlassung erfolgt. „Das Gesetz der Unverzüglichkeit, von dem ich erst jetzt Kenntnis erlangt habe,besagt dass ich mich als Geschäftsführer strafbar mache, wenn ich nicht sofort handle, sowie mir diese Umstände zur Kenntnis gebracht werden.“

Kein finanzieller Schaden

Was ist nun eigentlich geschehen? Hartmann, der laut Gesetzesvorgabe noch eine externe Wirtschaftsprüfungskanzlei eingeschaltet hat, verweist auf das für März oder April avisierte Ergebnis. Wichtig ist: „Nach meinem derzeitigen Kenntnisstand ist dem Theater kein finanzieller Schaden entstanden. Aber die Buchungsvorgänge waren nicht so, wie sie den Regeln eines Betriebes entsprechen, der kaufmännisch geführt wird. Es geht darum, inwiefern Buchungen zuordenbar sind. Mehr kann ich im Augenblick nicht sagen.“

Burgtheater-intern hört man derweil, die theatervesessene, dem Haus bis zur Selbstaufopferung verpflichtete Direktorin wäre das Opfer der budgetären Verhältnisse: Offenbar habe sie den Betrieb mit gewagten buchhalterischen Mitteln aufrecht zu erhalten versucht und überdies sofort die Konsequenzen gezogen, als sie die Aussichtslosigkeit des Unterfangens erkannt habe.

Hartmann: „Wichtig ist, dass jede Vorverurteilung unterbleibt. Der größte Glücksfall wäre, da alles jetzt lückenlos aufgeklärt wird, wenn sich die Schuldlosigkeit herausstellte. Wenn alles in Ordnung wäre, obwohl unorthodoxe Geschäftswege gesucht wurden. Ich sehe in dem Ganzen auch eine Chance: Es wird jetzt klar, wohin die Unterdotierung führt. Ich hoffe sehr auf den neuen Minister: Wenn er ein Haus von der Bedeutung des Burgtheaters will, muss es der Staat auch bezahlen. Wir haben Erträge gesteigert und Kosten gespart, aber irgendwann geht es nicht mehr weiter.“ Silvia Stantejsky wollte sich zur Causa nicht äußern.

Erstes Hartmann-Stück vor Premierenreife

Im Sinne kostenoptimierender Gebarung hat der Direktor derweil sein erstes eigenes Stück verfasst und es, ohne Nennung des Autors, vor Weihnachten als Ersatz für eine ausgefallene Vorstellung vor Publikum geprobt. Es heißt „Der falsche Film“, ist mit Katharina Lorenz, Oliver Masucci und Matthias Matschke stark besetzt und spielt satirisch mit Realität und Fiktion in der Verfallszeit der Nazi-Diktatur.

Hartmann: „1944 wird in einem Wald ein Propagandafilm mit Durchhaltetendenz gedreht: Ein deutscher Soldatstirbt in den Armen einer schönen Bäuerin, nicht ohne ihrem 11-jährigen Sohn die Erkenntnis zu hinterlassen, dass an allem die Juden und die Bolschewiken schuld sind. Da kommt die Nachricht, dass der Krieg verloren wäre. Das Team entnazifiziert sich blitzartig und schreibt das Drehbuch zum Antikriegsfilm um. Am nächsten Tag war alles ein Irrtum, also renazifizieren sie sich augenblicklich.“

Nach dem dröhnenden Publikumserfolg will Autor und Regisseur Hartmann noch einige Adaptionen vornehmen und im März Premierenreife erlangt haben.

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