Eltern von

Sieben fatale Erziehungsfehler

Wovon Eltern besser absehen sollten und wie man es besser machen kann

Wütendes Kind © Bild: iStockphoto.com

Schreiend wälzt sich das Kind auf dem Boden des Supermarkts. Was tun? Ihm die sieben Tafeln Schokolade kaufen, damit es endlich Ruhe gibt? Es packen und das Geschäft fluchtartig verlassen? Oder das Gebrüll ignorieren und den Einkaufswagen in aller Ruhe in den nächsten Gang schieben? Elternsein ist nicht immer leicht. Und weil noch kein Meister in Sachen Erziehung vom Himmel gefallen ist, passieren - trotz bester Absichten - immer wieder Fehler. Wir zeigen einige maßgebliche auf. Und verraten, wie man es besser machen kann.

1. Leere Drohungen

Kinder brauchen klare Regeln, Grenzen und Konsequenzen. "Je klarer die Regeln und die Grenzen, desto sicherer fühlt sich das Kind", erklärt die zertifizierte Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Mag. Nicole Trummer. Lediglich angedrohte, nicht aber umgesetzte Strafmaßnahmen dagegen wirken stark verunsichernd. "Das Kind kennt sich nicht mehr aus, kann dem Elternteil nicht mehr glauben." Viele Kinder reagieren mit Verhaltensauffälligkeiten. Daher gilt: Wenn schon drohen, dann auch konsequent bleiben und die angedrohte Strafmaßnahme umsetzen.

»Je klarer die Regeln und die Grenzen, desto sicherer fühlt sich das Kind«

2. Bestrafung

Grundsätzlich sei von Strafe aber abzusehen. "Das Kind lernt dadurch keine moralischen Werte aus sich heraus aufzubauen. Es ist immer nur auf die Strafe fokussiert, nie auf die positive Handlung. So kann keine freiwillige Gewissensbildung entstehen", erklärt der Verhaltenstherapeut Dr. Alois Kogler. Abgesehen davon setzen Eltern mit Strafen eine bis dato gute Eltern-Kind-Bindung aufs Spiel. Das Kind bangt um die elterliche Liebe und Zuwendung, verliert das Vertrauen. Eine Strafe kann zwar aufzeigen, welches Verhalten unerwünscht ist, gibt aber keine Anleitung, wie man es richtig macht.

3. Alles durchgehen lassen

Was aber auch nicht heißt, dass man dem Kind jegliches Fehlverhalten durchgehen lassen sollte. "Das Kind muss mit Wärme, Verständnis und Zuwendung an die Normen des gesellschaftlichen Zusammenlebens herangeführt werden", betont Kogler. Natürlich will und muss es seine Grenzen ausloten. Das gehöre schließlich zum kindlichen Wesen. Ohne Regeln und Normen wäre das Kind aber völlig orientierungslos. Die Eltern nehmen hier übrigens nicht nur in ihrer Führungs-, sondern auch in ihrer Vorbildfunktion eine wichtige Rolle ein. "Wir Eltern sind für die Kinder wie Götter. Was wir vorleben, leben sie nach."

»Wir Eltern sind für die Kinder wie Götter. Was wir vorleben, leben sie nach«

4. Im falschen Moment nachgeben

Um auf unser eingangs erwähntes Beispiel zurückzukommen: Bei Kindern, die sich gerade in der sogenannten Trotzphase befinden, ist Konsequenz gefragt. "Kinder, die ihr Ziel über extremes Trotzverhalten erreicht haben, werden dieses wieder einsetzen. Sie haben gelernt: Ich brauche mich nur aufzuführen, dann bekomme ich, was ich will", so Trummer. Sprich: Kind wälzt sich schreiend auf dem Boden, Mutter kauft ihm die sieben Tafeln Schokolade, Kind wälzt sich beim nächsten Einkauf erneut schreiend auf dem Boden. Erkennt es dagegen, dass sein Verhalten nicht zieht, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass es es wiederholt.

5. Machtkämpfe

Die Kinder- und Jugendpsychologin Dr. Sabine Völkl-Kernstock rät, Machtkämpfe mit dem Kind, bei denen eine Position gegen die andere, der Wille des Erziehenden gegen den des Kindes steht, nach Möglichkeit zu vermeiden. Der Erwachsene müsse sich überlegen, ob es tatsächlich notwendig ist, seine Position auf Biegen und Brechen durchzusetzen. Oder ob es nicht vielleicht eine weitere, für beide Parteien akzeptable Lösung gibt. Bei kleinen Kindern gilt Ablenkung als gut bewährte Methode, um unerwünschtes Verhalten zu unterbinden. Und damit es gleich gar nicht zum Machtkampf kommt, empfiehlt es sich, Grenzen im Vorhinein abzustecken.

6. Signale ignorieren

"Ein Kind tut nichts ohne Grund", betont der auf Kinder, Jugendliche und Familien spezialisierte Psychologe Dr. Christian Gutschi. Die Aufgabe der Eltern sei es herauszufinden, welcher Grund hinter dem jeweiligen Verhalten steckt. "Was möchte mir das Kind mit seinem Verhalten sagen? Was läuft da ab? Und was ist mein Anteil daran?" Der Erwachsene müsse sich in reflektierender Weise seines eigenen Verhaltens bewusst werden, erkennen, welchen Beitrag er zu dem unerwünschten Verhalten des Kindes leistet. "Wer sich damit auseinandersetzt, ist schon auf dem richtigen Weg."

»Ein Kind tut nichts ohne Grund«

7. Das Kind zu formen versuchen

Lange Zeit hat man geglaubt, man könne Kinder "modellieren", sie den eigenen Wünschen entsprechend formen. "Das ist ganz, ganz falsch!", so Gutschi. Leider hält sich diese Einstellung nach wie vor. Die Eltern hätten gerne, dass sich das Kind auf eine bestimmte Art und Weise verhält. Das Kind spürt das, geht in den Widerstand, auf den die Eltern wiederum mit Gegendruck reagieren. "Es entwickelt sich eine Negativspirale." Der Experte betont die Wichtigkeit, das Kind "nicht als kleines Ding zu sehen, das sich so verhalten soll, wie ich es möchte, sondern es als vollwertigen Menschen anzuerkennen."

Im Video:
Kinder: Irrtümer der Erziehung.