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Politik & Privat - Koalition
ganz privat © Bild: JOE KLAMAR / AFP

Während der eine Wahlkampf und Koalitionsverhandlungen stemmt, lebt der andere mit Verzicht, Mehrbelastung und unliebsamem Rampenlicht. Susanne Thier, Verena Hofer, Sabine Jungwirth und Michael Rendi haben als Partner von Spitzenpolitikern sehr unterschiedliche Strategien

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Jeder tut es nach seinem Geschmack und dem Lebensentwurf entsprechend. Von Direktheit und Offenheit bis zum klaren Rückzug reicht die Art des Umgangs mit der Öffentlichkeit, wenn der Partner beruflich ins Rampenlicht rückt. Während die Spitzenkandidaten der Parteien in Koalitionsverhandlungen über die künftige Richtung Österreichs entscheiden, wächst naturgemäß das Interesse an den Personen, die sie privat in dieser Zeit begleiten.

Sind es engagierte Mitstreiter, die selbst beruflich und öffentlich für dieselben Themen eintreten, wie es Sabine Jungwirth, Lebensgefährtin von Grünen- Chef Werner Kogler, tut? Oder Personen, die ihre Fachexpertise lieber nur privat und beruflich, aber nicht öffentlich teilen? Zum Beispiel Sebastian Kurz' Gefährtin, die Wirtschaftspädagogin Susanne Thier, im Finanzministerium, oder Pamela Rendi-Wagners Gatte, Ex-Diplomat Michael Rendi, im Außenministerium.

Deshalb zeigen wir die Partner der Spitzenpolitiker, die soeben Österreichs Weg in die Zukunft zu ebnen versuchen. Persönliche Antworten wollte nur Sabine Jungwirth abgeben. Unaufgeregt beschreibt sie aus eigener politischer Erfahrung, wie wichtig es ist, tagespolitisches Geschehen hin und wieder zu Hause auszublenden: "Sonst hält man die Politik nicht lange aus."

Wahlkampf auf Kosten des Partners

Damit eine Partnerschaft eine berufliche Ausnahmesituation wie Wahlkampf und Koalitionsverhandlungen gut überdauert, hält Psychotherapeutin Brigitte Sindelar klare Absprachen für unerlässlich. "Wenn einer von beiden beruflich zu Höchstleistungen aufbricht, muss der andere dessen fehlende Präsenz in der Beziehung hinnehmen. Darüber hinaus kann dieser Partner eine Zeit lang nichts beisteuern, und das geht natürlich auf Kosten des anderen", sagt Sindelar. "Es hilft, sich das ganz deutlich bewusst zu machen und es zu besprechen."

Relevant sei für das Paar auch, wie die Rollenverteilung in der Partnerschaft vorher war und auf welchen Absprachen sie beruht hat. Wenn sich die Rollen ändern, müsse dies besprochen werden, meint die Vizerektorin der Sigmund-Freud-Universität in Wien. Im Vorfeld sollte sich der Partner desjenigen, der zur beruflichen Höchstleistung aufbricht, auch Fragen beantworten wie: Kann ich das tragen? Inwieweit will ich mich selbst einbringen? Wie weit kann und will ich den Partner unterstützten?"Im besten Fall bespricht man all das vorher genau."

Öffentliche Bewertung aushalten

Die Wahl der Kleidung. Präsenz oder Fehlen. Gesten und Blicke. - Geht es um die Partner von Politikern, können all diese Dinge zu Schlagzeilen werden. Die Aufregung um ein Foto von Susanne Thier und Philippa Strache, auf dem beide lachend ihre blonden Haare über die Schulter werfen, hat es bewiesen.

"Was man tut, sagt, anzieht -alles bekommt mehr Bedeutung. Man wird stärker beachtet und auch eher bewertet", beschreibt Sindelar eine weitere Herausforderung für die Partner der Spitzenpolitiker. Auch dieses Detail müsse man sich bewusst machen, umso mehr, als die Bewertung auch für den um Stimmen kämpfenden Partner gilt.

"Man spielt eine Rolle, die man sich vorher nicht ausgesucht hat, und trägt dabei auch noch Verantwortung dafür, wie der Partner gesehen und bewertet wird", sagt die Psychotherapeutin.

Das klingt tatsächlich nach einer Aufgabe, die sich nicht jeder mit größtem Jubel freiwillig aussucht.

Susanne Thier: Ratgeberin fernab der Öffentlichkeit

© JOE KLAMAR / AFP / picturedesk.com Susanne Thier und Sebastian Kurz

In raren Momenten zeigt sie öffentlich die Unterstützung, die sonst verborgen bleibt: ein Kuss für den ÖVP-Parteichef nach dem Sieg bei der Nationalratswahl, ein Auftritt in Robe auf dem Opernball oder bei den Salzburger Festspielen. Ansonsten hält sich die Freundin von Sebastian Kurz, 33, die nie Interviews gibt, stets fern der Öffentlichkeit. Kurz betonte im Wahlkampf, sie habe "kein Interesse an medialer Präsenz". Die 33-Jährige ist seit Schulzeiten an seiner Seite und lebt mit ihm in einer Wohnung in Wien-Meidling. Sie hat in Wien Wirtschaftspädagogik studiert und ist im Finanzministerium tätig. Die Biografie über den Ex-und Kanzler in spe verrät über Susanne Thier nur, dass sie den Großteil des Haushalts erledige. Kurz selbst ließ sich im Ö3-Interview vor zwei Jahren von Claudia Stöckl entlocken, dass Susanne Thier neben seinen Eltern seine wichtigste Ratgeberin sei und sie von ihm regelmäßig Liebeserklärungen erhalte. Hochzeitsgerüchten beugte er damals schon vor: "Wenn ich einmal heirate, dann wird das sicher im kleinen Kreise und nicht medienöffentlich sein."

Sabine Jungwirth: Stimme und Herz für grüne Themen

© HERBERT NEUBAUER / APA / picturedesk.com Sabine Jungwirth und Werner Kogler

Zwei, die einander blind verstehen. Dieses Bild vermitteln Grünen-Chef Werner Kogler und seine Lebensgefährtin, die Bundessprecherin der Grünen Wirtschaft, Sabine Jungwirth. Die 50-jährige Grazerin ist Bauplanerin und Expertin für nachhaltiges Bauen, sie war Landtagsabgeordnete und Klubobfrau der steirischen Grünen. Seit neun Jahren ist die dreifache Mutter mit dem 57-jährigen Grünen-Retter Kogler liiert. Ihre Jugend im "sehr politischen Elternhaus" formte ihren Willen, Dinge zu verändern: 2004 dockte bei der Grünen Wirtschaft an. 2010 wurde ihr die steirische Regionalleitung angeboten. "Meine technische Ausbildung ist im Gespräch mit Wirtschaftskapitänen ein Türöffner. Ich denke, dass ich dadurch mehr Akzeptanz bei Themen wie Umwelt-und Naturschutz habe, die mir natürlich sehr wichtig sind", sagt sie lebensklug und selbstbewusst über ihren Weg bei der Grünen Wirtschaft. Unaufgeregt und empathisch spricht sie auch über die Anforderungen ihrer Partnerschaft in Wahlkampfzeiten.

»Manchmal gelingt es uns, Inseln zu schaffen, dann stehen wir beide in der Öffentlichkeit und verbringen trotzdem gemeinsame Zeit«

Wahlkampf und Regierungsbildung sind vor allem für Parteichefs aufreibende Zeiten. Welche Rolle nehmen Sie in dieser Zeit als Partnerin von Werner Kogler ein? Wie in jeder anderen Partnerschaft versuchen wir, Berufliches und Privates zu trennen. In wirtschaftspolitischen Dingen fragt mich Werner aber auch um meine Meinung. Als Ökonom ist er ja thematisch superfit. Ich kann aber den unternehmerischen Praxisbezug einbringen.

Wie wichtig ist es, sich hin und wieder vom politischen Tagesgeschehen abzugrenzen, und wie gelingt es? Ich bin bereits eine ganze Weile in der Politik, da lernt man abzuschalten. Wenn ich nach Hause komme, lege ich meine Funktion fast wie einen Mantel an der Tür ab. Gerade in der Politik, wo du immer auch mit dem Herzen dabei bist und für deine Themen brennst, ist die Abgrenzung besonders wichtig. Sonst hält man die Politik nicht lange aus.

Haben Sie als Paar Rituale für Auszeiten in unruhigen Zeiten? Bewährt sich das? Eine räumliche Trennung ist manchmal wichtig. Wir machen Tagesausflüge und fahren mit dem Zug nach Marburg oder Győr. Dort ist man anonymer. Manchmal gelingt es uns, bei gemeinsamen Auftritten kleine Inseln der Gemeinsamkeit zu schaffen. Wir stehen dann beide in der Öffentlichkeit und verbringen trotzdem gemeinsame Zeit miteinander.

Michael Rendi: Ganz der Diplomat

© ROLAND SCHLAGER / APA / picturedesk.com Pamela Rendi-Wagner und Michael Rendi

Bei der Stimmabgabe zur Nationalratswahl begleitete Michael Rendi seine Frau, SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner. Sonst übt sich der ehemalige Diplomat von jeher in Zurückhaltung. - Wortspenden seinerseits gab es kaum, seit seine Frau 2017 als Gesundheitsministerin ihre Politikkarriere startete. Der 55-Jährige verbrachte Kindheit und Jugend wegen des Berufs seines Vaters bei der Atombehörde in Österreich, Italien und Brasilien und studierte an der WU Wien. 1992 trat er in den diplomatischen Dienst und lernte bei seiner beruflichen Tätigkeit für die Botschaft in London seine Frau kennen. Pamela Rendi-Wagner, 48, absolvierte dort ihre Facharztausbildung zur Tropenmedizinerin. Als Rendi 2008 bis 2011 Botschafter in Israel war, folgte seine Frau ihm - wie sie es selbst formuliert. Die jüngere Tochter war damals gerade geboren, die zweite kam 2010 zur Welt. Wenig später erfolgte der Rollentausch, als Rendi mit seiner Frau zurück nach Wien kam. Sie hatte sich um eine leitende Funktion im Gesundheitsministerium beworben und durchgesetzt. "Das tut er auch wegen mir", sagte sie damals. Rendi war Kabinettchef des damaligen SPÖ-Kanzleramtsministers Thomas Drozda und ist nun Abteilungsleiter im Außenministerium.

Verena Hofer: Überraschend zur Gemeinderätin

© ROBERT JAEGER / APA / picturedesk.com Verena und Norbert Hofer

Sie zeigt sich mit ihrem Mann Händchen haltend und hat keine Scheu vor öffentlichen innigen Gesten. Vor allem im Präsidentschaftswahlkampf 2016 präsentierte sich Verena Hofer als empathische Mitstreiterin an der Seite ihres Mannes, des heutigen FPÖ-Bundesparteiobmann Norbert Hofer, 48. Bodenständig, unaufdringlich trat die 45-Jährige in Erscheinung. Im Rahmen von Homestorys führte sie damals durch das gemeinsame Heim im südburgenländischen Pinkafeld und verriet etwa Moderatorin Katrin Lampe: "Zu Hause reden wir ganz bewusst nicht über Politik." Verena Hofer, Mutter der gemeinsamen Tochter Anna-Sophie, 15, schwärmte vom Beruf als Pflegeassistentin im Pflegeheim St. Vinzenz in Pinkafeld und räumte ein, dass ihr etwas fehlen würde, müsste sie den Beruf für die Karriere ihres Mannes aufgeben. Das Rampenlicht erschien als etwas, das die mitfühlende Frau mit dem großen Herzen akzeptierte, aber nicht unbedingt genoss. Im Herbst 2017 wurde sie dann völlig überraschend selbst Politikerin: Auf dem 13. Platz der FPÖ-Liste hatte sie kandidiert und war mit vielen Vorzugsstimmen über Nacht zur Gemeinderätin gewählt geworden. Sie freue sich schon, aber damit habe sie gar nicht gerechnet, sagte sie nach ihrer Wahl der Tageszeitung "Heute". Und auch, dass ihr Mann ihr einziges politisches Vorbild sei: "Denn mein Mann ist der Beste." Als Gemeinderätin tritt sie nun engagiert in Erscheinung und kämpft für ein Alkoholverbot auf dem Spielplatz im Schlosspark oder setzt sich für die Echtzeitübertragung von Gemeinderatssitzungen im Internet ein: "Es würde unserer Demokratie sicher guttun, wenn auch Kommunalpolitik einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird." Darüber hinaus hat Verena Hofer beschlossen, nunmehr zurückhaltend zu agieren, die Öffentlichkeit auf ihre Rolle als Gemeinderätin zu beschränken: Im Nationalratswahlkampf war sie nicht präsent, von Interviews und Homestorys ganz zu schweigen.

Herr Meinl-Reisinger: Mr. Columbo

Er ist Richter, drei Jahre älter als die 41-jährige Neos-Chefin und kümmert sich aktuell um die Tochter, die im April dieses Jahres zur Welt kam und mit zweitem Vornamen Europa heißt. So weit die Fakten zum Gatten von Beate Meinl-Reisinger, der nicht namentlich gekannt werden möchte. Ein Jahr lang ließ er sich karenzieren. Es ist seine dritte Karenz nach jenen für die beiden größeren Töchter im Schulalter. "Partnerschaftlich" beschrieb Meinl-Reisinger einmal ihren Umgang mit der Aufteilung der elterlichen Pflichten. Der Rest ist Schweigen.

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der News-Ausgabe Nr.41/19

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