Mittwoch, 10. Februar 2010

Rechtes Gipfeltreffen am Burschenschafter-
ball: "Geächtete Politiker" in der Hofburg

  • Belgische und deutsche Rechtsextremisten vor Ort
  • "Rassenforscher" soll Vortrag bei "Olympia" halten

Der Ball des Korporationsrings Ende Jänner in Wien sorgt nicht nur wegen Martin Graf für Ärger, der eine Plenarsitzung des Parlaments frühzeitig verließ. Denn in der Hofburg haben sich auch Europas rechtsextreme Spitzenpolitiker getroffen. So war etwa der Vorsitzende der rechtsextremen belgischen Partei Vlaams Belang, Filip Dewinter, zu Gast, und auch Markus Beisicht, Chef der rechtspopulistischen Bürgerbewegung "pro Köln", soll den Festakt besucht haben.

Der grüne Justizsprecher Albert Steinhauser kritisierte gegenüber dem "Standard", dass die FPÖ in der Hofburg "offensichtlich international geächteten Politikern sowie rabiaten Moschee-Bekämpfern den roten Teppich ausgerollt hat". Er möchte dazu von Bundespräsident Heinz Fischer und Reinhold Mitterlehner, der als Wirtschaftsminister für die Burghauptmannschaft zuständig ist, eine klare Stellungnahme. Graf ließ ausrichten, dass er am Ball von pro Köln niemanden gesehen und Dewinter bloß "kurz gegrüßt" habe. Außerdem seien beides Parteien, die der FPÖ nahestünden und mit denen sie Kontakte unterhalte.

Kritik am Dritten Nationalratspräsidenten gab es auch wegen des für Ende Februar geplanten Auftritts von J. Philippe Rushton, Autor des Buchs "Rasse, Evolution und Verhalten", vor der Burschenschaft Olympia, in der Graf als "Alter Herr" fungiert. Am Montag bezeichnete SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas den Vortragenden als einschlägig bekannten "Rassentheoretiker", der geplante Auftritt sei ein Skandal. "Wenn sich Graf nicht endlich vom rechtsextremen Gedankengut und der Deutschtümelei der Olympia distanziert und austritt, soll er als Nationalratspräsident zurücktreten", forderte sie in einer Aussendung.

Die "Burschenschaftliche Gemeinschaft in der Deutschen Burschenschaft" - den Vorsitz übt derzeit die "Olympia" aus - konterte mit der Feststellung, dass es sich bei Rushton um einen renommierten Wissenschafter mit einem Lehrstuhl an der kanadischen Universität Western Ontario handle. Man verbitte sich jede Unterstellung bezüglich der Motive, diese Diskussionsveranstaltung zu organisieren. Zudem halte man der Ordnung halber fest, "dass Dr. Martin Graf weder bei der Auswahl des Themas oder des Vortragenden noch bei der Organisation dieser Veranstaltung eingebunden war", hieß es in einer Pressemitteilung.

(apa/red)

10.2.2010 08:41


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