EU-Wahl von

Trotz Regierungscrash:
Rekordergebnis für ÖVP

Größter Zuwachs und bestes Ergebnis aller EU-Wahlen

EU-Wahl - Trotz Regierungscrash:
Rekordergebnis für ÖVP © Bild: APA

Der ÖVP haben der Crash der türkis-blauen Koalition und der Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) drohende Misstrauensantrag alles andere als geschadet: Sie legt bei der EU-Wahl deutlich mehr zu als alle Umfragen vor dem FPÖ-"Ibizagate" erwarten ließen. Laut Trendprognose kann die ÖVP mit dem größten Plus und dem höchsten Stimmenanteil aller Parteien bei den nunmehr sechs EU-Wahlen rechnen.

Somit hat die ÖVP der SPÖ nicht nur nachhaltig - zum dritten Mal in Serie - Platz 1 abgenommen, sondern auch den EU-Rekord. Der lag bisher bei den 33,33 Prozent, die die SPÖ im Jahr 2004 holte. Damals gab es ebenfalls schwere Turbulenzen der schwarz-blauen Regierung - aber die SPÖ profitierte davon mit einem leichten Plus und der klaren Verteidigung von Platz 1 gegenüber der ÖVP.

Größter Profiteur vom Ibiza-Video

Der heutige Triumph ist wohl nicht wirklich der Europapolitik der ÖVP und auch nicht dem Spitzenkandidaten Othmar Karas gedankt - sondern der Tatsache, dass Kurz und die Volkspartei innenpolitisch den Regierungscrash zu ihrem Vorteil nutzten. Laut der Prognose kann die ÖVP - die 2014 auf 26,98 Prozent kam - heute mit einem Plus von 7,5 Prozentpunkten auf 34,5 Prozent rechnen. Das ist sehr viel mehr als die Umfragen vor Auftauchen des Ibiza-Videos zeigten: Da lag die ÖVP meist knapp unter, selten über 30 Prozent; 31 Prozent waren das höchste, was der ÖVP prognostiziert wurde.

Mikl-Leitner sieht "Stärkung der politischen Mitte"

Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (VP) hat das Ergebnis der EU-Wahl als "Stärkung der politischen Mitte und der Stabilität" gesehen. "Das Ergebnis ist darüber hinaus ein Vertrauensbeweis für Bundeskanzler Sebastian Kurz. Sein Kurs und seine Arbeit für Österreich werden offensichtlich geschätzt und sollen auch fortgesetzt werden", so Mikl-Leitner in einer Stellungnahme.

»Starkes Zeichen in turbulenten Zeiten«

Tirols Landeshauptmann Günther Platter hat sich vor allem gefreut, "dass die Wahlbeteiligung deutlich gestiegen ist und die Bürgerinnen und Bürger damit in innenpolitisch turbulenten Zeiten ein starkes Zeichen gesetzt haben".

Karas: Kurz hat "den letzten Schub gebracht"

»Niemand soll glauben, dass er alleine eine Wahl gewinnen kann«

ÖVP-Spitzenkandidat Othmar Karas sieht im Wahlsieg seiner Partei einen gemeinsamen Erfolg mit Kanzler Sebastian Kurz. Dieser habe "den letzten Schub noch gebracht", sagte Karas am Sonntag im ORF. "Niemand soll glauben, dass er alleine eine Wahl gewinnen kann." Es sei ein "Sieg für Anstand, Geradlinigkeit, Stabilität und Glaubwürdigkeit".

Kein Megacrash für FPÖ

Der FPÖ bescherte ihr "Ibizagate" bei der heutigen EU-Wahl zwar nicht den 2004 erlittenen Megacrash. Aber sie dürfte deutlich schlechter aussteigen als sie vor dem Auftauchen des Lockvogel-Videos mit Ex-Parteichef und -Vizekanzler Heinz-Christian Strache erhofft hatte. Die Umfragen zuvor versprachen ein deutliches Plus auf bis zu 24 Prozent, jetzt wird es laut APA/ORF/ATV-Trendprognose ein Minus auf 17,5 Prozent.

Damit verliert die FPÖ 2,2 Prozentpunkte gegenüber den 19,7 Prozent des Jahres 2014. Der zweite Platz, den Spitzenkandidat Harald Vilimsky der SPÖ abnehmen wollte, ist sechs Prozentpunkte weit entfernt - obwohl auch die SPÖ (mit 23,5 Prozent laut Prognose) schlechter abschnitt als die Umfragen zwischen September 2018 und Anfang Mai auswiesen.

Die SPÖ, der größte Verlierer?

Die SPÖ hat es nicht geschafft, vom Crash der türkis-blauen Regierung zu profitieren: Sie wird laut Trendprognose mit 23,5 Prozent sogar 0,6 Prozentpunkte verlieren - obwohl ihr die Umfragen vor "Ibizagate" einen Anstieg auf 26 bis 28 Prozent verheißen hatten.

Offenbar war es nicht der Wahlkampf von Spitzenkandidat Andreas Schieder, der der SPÖ das bescheidene Ergebnis bescherte, sondern die fehlende Aufbruchsstimmung unter Parteichefin Pamela Rendi-Wagner. Denn die EU-Wahl wurde laut den Meinungsforschern jetzt von vielen Wählern als Testlauf für die auf September vorgezogene Neuwahl des Nationalrates gesehen.

Großer Erfolg für die Grünen

Die anfangs von vielen geteilte These, dass das Ende der ÖVP-FPÖ-Koalition und die Ausrufung der Neuwahl der Opposition bei der EU-Wahl nützen müssten, bestätigte sich immerhin am Beispiel der Grünen: Eineinhalb Jahre nach ihrem Abschied aus dem Nationalrat schafften sie es - von Parteichef Werner Kogler in die Wahl geführt - beinahe, ihr Sensationsergebnis der Wahl 2014 zu halten.

Neos "freuen sich wirklich"

NEOS-Spitzenkandidatin Claudia Gamon hat sich in einer ersten Reaktion sehr zufrieden mit dem prognostizierten Abschneiden ihrer Partei gezeigt: "Ich freue mich wirklich darüber", sagte sie nach der ersten Trendprognose im Gespräch mit Journalisten - auch wenn es natürlich schade sei, dass man das zweite Mandat nicht geschafft habe.

Mehr zu dem Ergebnis der Neos lesen Sie hier

Van der Bellen sieht "einen guten Tag für Europa"

Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat den Wahlsonntag als "einen guten Tag für Europa" bezeichnet. Der erste Eindruck sei, dass die pro-europäischen Stimmen überwiegen und nicht jene, die den Zerfall Europas befürworten. Man müsse aber die Ergebnisse in den anderen Ländern abwarten, sagte der Bundespräsident im ORF.

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