Coronakrise: Sorge um die Queen

Galadinner, Empfänge, Charity, weite Reisen - der Hauptjob von Königen und Königinnen, Prinzen und Prinzessinnen ist es, andere Menschen zu treffen, sich zu zeigen und in Kontakt zu treten. Doch all diese Dinge sind in der Corona-Krise schwierig bis nicht machbar.

von Ausnahmezustand - Coronakrise: Sorge um die Queen © Bild: Lindsey Parnaby / AFP/apa

Die europäischen Königsfamilien müssen sich umstellen und sind zeitgleich sehr gefragt: Schließlich sind sie es, die ihrem Land auch Stabilität und Zuversicht vermitteln können. So heißt es für viele, erst einmal in den Palästen und Landsitzen zu bleiben und aus der Distanz zu repräsentieren. Und um manche gibt es sogar Sorge.

Großbritannien

Im britischen Königshaus ist das Programm der Queen und ihres Thronfolgers Prinz Charles wegen der Pandemie zusammengestrichen worden. So sagte Königin Elizabeth II. eine im März geplante Reise in die Umgebung von Manchester und einen Besuch im Londoner Bezirk Camden ab.

Auch die Garten-Partys der Queen fallen aus. Zu jedem Treffen wurden etwa 8.000 Gäste auf dem Rasen ihrer offiziellen Residenz in London erwartet. Die Partys, zu denen auch viele Senioren kommen, finden zwischen Mai und Juli statt. Bei jeder Veranstaltung werden 27.000 Tassen Tee getrunken sowie 20.000 kleine Sandwiches und 20.000 Stück Kuchen verputzt. Wer in diesem Jahr auf der Gästeliste stand, soll 2021 wieder eingeladen werden. Bei drei Partys ist die Queen Gastgeberin, bei zwei sind es Wohltätigkeitsorganisationen.

Quenn beginnt Osterferien eine Woche früher

Die Königin beginnt ihre Osterferien eine Woche früher, wie der Buckingham-Palast weiter mitteilte. Sie ist wegen ihres hohen Alters - im April 94 - besonders gefährdet, falls sie sich mit dem Virus infizieren sollte. Britische Medien spekulierten, ob sie neuerdings Handschuhe als Schutz trägt. Das habe sie auch schon zuvor getan, sagte eine Palastsprecherin der Deutschen Presse-Agentur.

Nun ziehen sich die Queen und ihr Mann, Prinz Philip, auf Schloss Windsor zurück. Philip traf dort am Donnerstag ein, wie eine Sprecherin des Palasts auf Anfrage bestätigte. Er wurde Berichten zufolge per Hubschrauber von dem ostenglischen Landsitz Sandringham eingeflogen. Die Queen verließ den Buckingham-Palast ebenfalls am Donnerstag, wie britische Medien meldeten. Mit im Auto saßen laut den Berichten ihre beiden Hunde, die Dorgis Candy und Vulcan.

Prinz Charles verschiebt Auslandsreise

Bei ihrem 71 Jahre alten Sohn, Thronfolger Prinz Charles, wurde vorsichtshalber eine mehrtägige Auslandsreise verschoben. Er wollte mit seiner Frau Camilla (72) in diesem Monat für mehrere Tage nach Bosnien-Herzegowina, Zypern und Jordanien fliegen.

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Ende Mai soll eigentlich einer der feierlichen Höhepunkte des Jahres in der Königsfamilie stattfinden: die Hochzeit von Prinzessin Beatrice mit dem Immobilienmogul Edoardo Mapelli Mozzi. Das Paar sei sich sehr bewusst, unter den gegenwärtigen Umständen keine unnötigen Risiken eingehen zu wollen, sagte ein Palast-Sprecher der Zeitung "Sun". Die beiden wollten ihre Pläne für den 29. Mai überprüfen, ein Empfang sei bereits gestrichen worden. Möglicherweise finde aber eine kleine Feier mit Familie und Freunden statt.

Spanien

Großes Aufatmen gab es bereits bei den spanischen Royals: Königin Letizia hat sich entgegen Befürchtungen nicht mit dem neuen Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert. Die 47-Jährige und ihr Ehemann, König Felipe VI. (52) wurden bereits in der vergangenen Woche negativ getestet. Seither nimmt Letizia keine öffentlichen Termine wahr, sie bleibt weiterhin zu Hause im Palacio de la Zarzuela nordwestlich von Madrid.

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Letizia hatte an einer Veranstaltung teilgenommen, bei der sie Gleichstellungsministerin Irene Montero zum Abschied zwei Küsschen auf die Wangen gegeben hatte. Später war dann bekannt geworden, dass Montero vom Linksbündnis Unidas Podemos (UP) positiv getestet worden sei. König Felipe VI. sprach den Bürgern seines Landes in einer Rede am Mittwochabend Mut zu. "Dieses Virus wird uns nicht bezwingen. Es wird uns als Gesellschaft stärker machen."

Norwegen

Das norwegische Königspaar ist in Quarantäne, weil Harald und Sonja vor kurzem zu einem offiziellen Besuch in Jordanien waren. Die beiden sind nicht krank, aber in Norwegen muss jeder, der im Ausland war, für zwei Wochen in die Isolation. Alle öffentlichen Termine des Königshauses sind bis Ostern abgesagt, aber König Harald verfolgt die Entwicklungen genau. Am Sonntag bat er in einer Fernsehansprache das norwegische Volk, den Empfehlungen der Behörden zu folgen.

Dänemark

Auch die dänische Königin hat alle Aktivitäten abgesagt, das gilt auch für ihre Geburtstagsfeier. Margrethe II wird am 16. April 80 Jahre alt, und auf dem Programm standen Empfänge, ein Galadinner, eine Ausstellung sowie eine Theater- und eine Ballettvorstellung. Die Kronprinzenfamilie hat ihren Aufenthalt in der Schweiz vorzeitig abgebrochen und ist nach Dänemark zurückgekehrt. Prinz Christian (14) hätte in der Schweiz für zwölf Wochen zur Schule gehen sollen.

Schweden

Auch die schwedische Kronprinzessin Victoria durfte ihren Namenstag am 12. März nicht so ausgiebig feiern wie sonst. Anstelle der großen traditionellen Militärzeremonie gab es nur eine kleine mit Blumen und Gratulationen - ohne Publikum. Die Termine von König Carl Gustaf und Prinzessin Victoria sind nicht abgesagt, aber das Königshaus hat darauf hingewiesen, dass kurzfristige Änderungen vorgenommen werden können.

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Niederlande

Etliche öffentliche Aktivitäten des niederländischen Königshauses wurden abgesagt. Am schmerzlichsten für die Niederländer ist dabei wohl, dass auch die offizielle Party zum 53. Geburtstag ihres populären Königs Willem-Alexander der Corona-Epidemie zum Opfer fällt. Den "Koningsdag" am 27. April wollte er zusammen mit Königin Máxima (48), seinen Töchtern und Tausenden Bürgern in Maastricht begehen. Traditionell wird der Königsgeburtstag in den Niederlanden bei etlichen Volksfesten gefeiert. Auch der normalerweise öffentlich zugängliche Königliche Palast in Amsterdam wurde inzwischen für Besucher gesperrt.

Belgien

König Philippe hat in der Viruskrise viel zu tun. In einer Fernsehansprache schwor er die Bevölkerung auf den Ernst der Lage ein und rief die Menschen zu einem verantwortungsvollen Verhalten auf. Zugleich hat Philippe dank Covid-19 auch eine Sorge weniger: Die monatelange Suche nach einer Regierungsmehrheit ist vorläufig beendet, weil die Opposition in der Krise die amtierende Ministerpräsidentin Sophie Wilmès zu stützen verspricht. Fotos aus den bewegten Tagen zeigen den König und die Regierungschefin allerdings auf Distanz - das gehört zu den Vorsichtsmaßnahmen gegen die Ansteckungsgefahr.