Dienstag, 24. Februar 2004

Aschermittwochsrede 2004: Haider teilte wieder einmal kräftig aus!

  • Heftige Attacken gegen deutschen Kanzler Schröder: "Rücktritt wäre eine Wohltat"
  • Auch SPÖ und EU in Haiders Visier

Deftig wie immer präsentierte sich Kärntens wahlkämpfender Landeshauptmann Jörg Haider (FP) in seiner heurigen Aschermittwochsrede in Treibach-Althofen. Während SPÖ und die EU als gewohnte Angriffsziele herhalten mussten, schwang sich Haider auch gleich zum deutschen Oppositionschef auf und erklärte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), wie dieser seine Aufgaben erfüllen sollte. FP-Landesparteichef Martin Strutz attackierte vor allem die ÖVP und unterbreitete dem "bürgerlichen Lager" das Angebot, am 7. März die FPÖ zu wählen und somit "ein rotes Kärnten zu verhindern".

"Chirac, Blair und Schröder kommen mir vor wie die Drei Tenöre. Sie sind nicht mehr ganz taufrisch, sauteuer wenn sie auftreten, und sie vergreifen sich immer öfter im Ton", attestierte Haider den drei europäischen Staatsmännern im Rahmen seiner Kritik an der EU. Die "drei Großen" würden ein "Bermuda-Dreieck" bilden und die kleineren EU-Mitglieder desavouieren. Zum österreichischen EU-Kommissar Franz Fischler bemerkte Haider, dieser schaue immer dann weg, wenn es um die Probleme Österreichs gehe. Bei Angelegenheiten Österreichs würde sich Fischler ein "Schweigegelübde" auferlegen, meinte Haider. Als Beispiel nannte er die Transitproblematik, wo Brüssel "über uns drübergefahren ist".

Attacken gegen Schröder
Den zweifellos meisten Applaus im außenpolitischen Teil seiner Rede vor rund 700 Funktionären und Parteianhängern erntete Haider bei seinen Attacken gegen den sozialdemokratischen deutschen Regierungschef. Schröder habe von den ihm zur Verfügung stehenden Alternativen immer die falsche gewählt. Zuletzt hätte er aber vor dem Hintergrund der von ihm verursachten Wirtschaftsmisere die Möglichkeit gehabt, richtig zu entscheiden: Entweder Rücktritt als Bundesparteivorsitzender oder als Bundeskanzler. Aber Schröder habe sich "wieder falsch entschieden", denn sein Rücktritt als Kanzler wäre "eine Wohltat für alle Deutschen gewesen", die unter seiner Wirtschafts- und Sozialpolitik büßen müssten.

Haider kam in seiner Rede aber auch auf die national und international heftigen Reaktionen wegen seiner Kritik an US-Präsident George Bush im Zusammenhang mit dem Irak-Krieg sowie der Kritik an seinern Besuchen bei Libyens Staatschef Muammar Gaddafi zu sprechen. Immerhin sei SPÖ-Präsidentschaftskandidat Heinz Fischer jahrzehntelang Vorsitzender der österreichisch-nordkoreanischen Gesellschaft gewesen. Haider: "Das ist der Unterschied. Wenn ein Roter wohin fährt, ist es in Ordnung, egal wohin er fährt."

Strutz warnt vor "roter Herrschaft"
Die scharfen Angriffe Haiders gegen den - laut Umfragen in einem noch nie da gewesenen Tief befindlichen - deutschen Kanzler spiegelten die Spannung über den Ausgang der in zehn Tagen stattfindenden Landtagswahl wider: Im Hinblick auf den Hauptgegner der FPÖ - die SPÖ Ambrozys - unterstrich Landesparteichef Strutz die Notwendigkeit jeder einzelnen Stimme zu Gunsten einer Wiederwahl Haiders: An die Unzufriedenen ÖVP-Wähler appellierte er deshalb, "jetzt freiheitlich zu wählen, um ein rotes Kärnten zu verhindern". Strutz warnte eindringlich vor einem "Rückfall in alte Zeiten der roten Herrschaft".

Haider meinte im Hinblick auf die kommende Landtagswahl: "Die Chancen stehen gut, das Klima ist gut und die Menschen sind aufgewacht, was es bedeuten würde, wenn es wieder einen roten Landeshauptmann gibt." Unter dem Jubel seiner Anhänger rief Haider: "Ich kann Euch versichern: Mich wird es noch lange geben, auch in der Politik!"

(APA/red)

24.2.2004 16:26