Welt-Alzheimer-Tag von

Demenz: Formen, Symptome
und wie man vorbeugen kann

Welt-Alzheimer-Tag - Demenz: Formen, Symptome
und wie man vorbeugen kann © Bild: iStockphoto.com

Rund 100.000 Österreicher leiden derzeit an Alzheimer. Tendenz stark steigend. Bis zum Jahr 2050 wird die Zahl der Betroffenen auf 230.000 ansteigen. Auch wenn es oft schmerzt - wir können nicht länger die Augen vor der Krankheit verschließen. Was Sie wissen sollten.

Stellen Sie sich vor, Sie wissen nicht mehr, wo Sie zuhause sind, geschweige denn wie Sie heißen ... Die Zahl der von Alzheimer betroffenen wächst rapide. Das müsste nicht sein, kann doch jeder Einzelne mit den richtigen Maßnahmen das Risiko einer Demenzerkrankung senken oder zumindest den Erkrankungsverlauf verlangsamen. Welche Formen der Demenz gibt es? Wie können wir ihr entgegensteuern? Und was führt uns zielgerade in die Erkrankung? News.at befragte Prof. Peter Dal-Bianco, den Leiter der Ambulanz für Gedächtnisstörungen der MedUni Wien.

Alzheimer als bekannteste Form

Die häufigste und wohl auch bekannteste Form der Demenz ist Alzheimer. An ihm leiden Prof. Dal-Bianco zufolge rund 60 Prozent der Demenz-Patienten. Platz zwei bzw. drei belegen die vaskuläre Demenz mit sieben bis 20 Prozent und die Lewy-Körperchen-Demenz mit sieben bis 15 Prozent. Mit drei bis fünf Prozent ist die Frontotemporale Demenz, kurz FTD, die seltenste, gewissermaßen aber auch heimtückischste Variante demenzieller Erkrankungen.

Distanzloses Verhalten bis hin zu Exhibitionismus

Bei Menschen, die an FTD leiden, funktionieren das Denken, das Erinnern und die Orientierung anfangs noch recht gut. Dagegen zeigen sie recht bald ein distanzloses, oft grobes Verhalten, sind leicht reizbar, werden untergriffig und schöpfen immer tiefer aus einem ordinären Vokabular. Die Distanzlosigkeit kann sich dem Experten zufolge auch auf sexueller Ebene manifestieren. So neigen manche Patienten zu Exhibitionismus. Das Heimtückische an der FTD ist die Tatsache, dass der Betroffene nicht einsieht, dass er krank ist. Man kann sich vorstellen, wie schwer es ist, jemandem eine Therapie nahezulegen, der meint, mit ihm wäre alles in Ordnung.

Gesagtes oft inhaltsleer

Eine andere Form der FTD, die primär progedienten Aphasie, zieht das Sprachzentrum in Mitleidenschaft. Der Patient gerät beim Sprechen immer häufiger ins Stocken, es kommt zu Schreib- und Benennungsstörungen einerseits und Wortneubildungen anderseits. Im Gegensatz dazu sind von der sogenannten semantischen Demenz Betroffene sehr wohl in der Lage, flüssig zu sprechen. Sie können Worte nachsprechen, vorlesen und schreiben - verstehen ihren Sinn aber nicht. Dementsprechend inhaltsleer ist das von ihnen Gesagte oft. Die Patienten haben Schwierigkeiten, Dinge zu benennen, und neigen dazu, neue Worte zu kreieren. Oft erkennen sie auch vertraute Gesichter nicht mehr.

Demenz als Folge von Schlaganfall

Den Rang der zweit- bzw. dritthäufigsten Demenzart teilen sich die vaskuläre und die Lewy-Körperchen-Demenz. Die vaskuläre Demenz kann als Folge von Durchblutungsstörungen, etwa nach einem Schlaganfall, auftreten. Personen, die an dieser Form der Demenz leiden, haben oft auch Bluthochdruck und/oder Diabetes. Erhöhte Blutfette, erhöhte Harnsäure und Rauchen steigern das Erkrankungsrisiko. Mit anderen Worten: Alles, was dem Herz-Kreislaufsystem nicht gut tut, begünstigt auch die vaskuläre Demenz.

Visuelle Halluzinationen möglich

Schon ab dem 40. Lebensjahr kann die Lewy-Körperchen-Demenz auftreten. Umso langsamer schreitet sie in der Regel voran. Der Betroffene leidet unter einer gestörten Aufmerksamkeit, die Denkleistung wechselt. Es kommt zu Parkinson-ähnlichen Symptomen, wie etwa plötzlichen Stürzen, Schlafstörungen und/oder kurz andauernden Bewusstseinsstörungen. Darüber hinaus können auch visuelle Halluzinationen auftreten. Anders als bei der FTD weiß der Betroffene hier aber, dass er krank ist.

Alzheimer vererbbar

Alzheimer tritt, sofern nicht bereits eine familiäre Vorbelastung besteht, ab dem 60./65. Lebensjahr auf. In Mitleidenschaft gezogen werden hier in erster Linie die kognitiven Fähigkeiten: Es kommt zu Erinnerungslücken, Orientierungslosigkeit und Konzentrationsschwächen. Rund 20 Jahre vor dem Auftreten der ersten Symptome ist die Krankheit bereits im Körper angelegt. Die schlechte Nachricht: Alzheimer kann vererbt werden. So verdoppelt sich das Risiko, wenn ein Elternteil erkrankt ist. Je weiter entfernt der betroffene Verwandte, desto geringer auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Krankheit genetisch weitergegeben wird. Die gute Nachricht: Mit den richtigen Maßnahmen kann das Alzheimerrisiko verringert oder zumindest der Krankheitsverlauf verlangsamt werden.

Alzheimer: Risiko minimieren und vorbeugen

Wie bei anderen Krankheiten gibt es auch hier beeinflussbare und nicht beeinflussbare Risikofaktoren. Zu zweiteren zählen Alter, Geschlecht (Frauen erkranken häufiger als Männer) und, wie bereits erläutert, die genetische Vorbelastung. Ist diese gegeben, können mit den richtigen Maßnahmen zumindest aber der Zeitpunkt des Beginns sowie der Verlauf beeinflusst werden. Prof. Dal-Bianco streicht sieben Risikofaktoren hervor:

1. Bewegungsmangel: Bewegungsmuffel haben ein 80 Prozent höheres Risiko, an Alzheimer zu erkranken. Der Experte empfiehlt daher, dreimal wöchentlich eine Stunde körperlich aktiv zu sein, beispielsweise wandern, schwimmen oder auch einfach nur spazieren zu gehen.

2. Zuckerkrankheit: Diabetespatienten, die sich nicht behandeln lassen, haben ein 40 Prozent höheres Risiko, an Alzheimer zu erkranken.

3. Bluthochdruck: Bei Bluthochdruck steigt das Erkrankungsrisiko um 60 Prozent.

4. Übergewicht: Hier wird es spannend! Während Übergewicht im mittleren Alter, also zwischen 30 und 60 Jahren, das Demenzrisiko erhöht, senkt es bei Personen ab 60 Jahren die Erkrankungswahrscheinlichkeit. Umgekehrt wird ab diesem Alter Untergewicht gefährlich, da es das Risiko ab dem 60. Lebensjahr begünstigt.

5. Rauchen: Studien zufolge würden eine Million weniger Menschen an Alzheimer erkranken, wenn es ein Viertel weniger Raucher gäbe.

6. Geringe Ausbildung und mangelnde geistige Aktivität: Personen mit hohem Bildungsgrad, beruflicher Herausforderung, hoher Intelligenz und stimulierenden Freizeitaktivitäten haben erwiesenermaßen ein nur halb so großes Erkrankungsrisiko. Dal-Bianco rät daher, ein reges Sozialleben zu führen und sich geistigen Herausforderungen zu stellen, etwa Kreuzworträtsel zu lösen, Bücher zu lesen, Brettspiele oder ein Instrument zu spielen.

7. Depression: Liegen eine Depression oder depressive Tendenzen vor, sollte man einen Facharzt aufsuchen.

Wäre es möglich, sämtliche Risikofaktoren auf null zu reduzieren, könnte allein die Zahl der Alzheimerpatienten, wie in "The Lancet", Vol 10, Sept. 2011 berichtet, halbiert werden.

Richtig essen

Zwar konnte noch nicht nachgewiesen werden, dass Omega-3-Fettsäuren, enthalten etwa in Fisch und Leinsamen, das Erkrankungsrisiko senken, dennoch empfiehlt der Experte, zweimal wöchentlich Fisch zu essen. Auf jeden Fall aber kann man mit Obst und Gemüse, vor allem Blattgemüse, einer Erkrankung vorbeugen. Diese beeinflussen die Gehirnleistung nachweislich positiv.

Fazit

Die Menschen werden immer älter. Die Kehrseite der Medaille ist ein explosionsartiger Anstieg der Demenzerkrankungen in den nächsten 30, 40 Jahren. Die Forschung läuft Prof. Dal-Bianco zufolge auf Hochtouren. Dennoch müssen sich die Patienten im Moment mit Medikamenten begnügen, die allein auf die Linderung der Symptome bzw. die Verlangsamung des Krankheitsverlaufs abzielen. Was aber nicht heißt, dass wir tatenlos zusehen müssen. Im Gegenteil: Wir können - nein, sollen! - unsere Gesundheit selbst in die Hand nehmen und der heimtückischen Krankheit des Vergessens mit allen nur möglichen gesundheitsfördernden Maßnahmen entgegenwirken.

Buchtipp

In "Verwehte Erinnerung - Demenz-Patienten verstehen und begleiten"* (molden verlag) geben Gabriele Vasak und Hemma Unterluggauer auf sehr einfühlsame Art Einblick in das Leben von Demenz-Patienten, deren Angehöriger sowie Bezugspersonen. Sie informieren über die Diagnose, aktuelle Behandlungsmethoden und den Alltag mit der Krankheit, geben dabei nicht nur nützliche Tipps, sondern auch das, was alle Beteiligten ganz besonders brauchen, nämlich Hoffnung und Mut.

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