Wer ist Kamala Harris?

Kamala Harris zog als Vize-Kandidatin an der Seite des US-Demokraten Joe Biden in den Kampf ums Weiße Haus. Damit steht nun zum ersten Mal eine Frau an der Seite eines US-Präsidenten.

von US-Wahlen - Wer ist Kamala Harris? © Bild: Montinique Monroe/Getty Images/AFP/apa
  • Name: Kamala Devi Harris
  • Geboren: 20. Oktober 1964 in Oakland, Kalifornien
  • Familienstand: verheiratet mit dem Rechtsanwalt Douglas Emhoff
  • Kinder: Douglas Emhoff hat zwei Kinder in die Ehe mitgebracht
  • Partei: Demokraten
  • Ausbildung: Studium der Politikwissenschaft und Wirtschaftswissenschaft an der Howard University in Washington; rechtswissenschaftliches Studium am University of California, Hastings College of the Law, 1989 Abschluss mit dem Grad Juris Doctor, 1990 Zulassung als Anwältin
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Die 55-Jährige ist eine ehemalige Präsidentschaftsbewerberin und frühere Staatsanwältin. Kamala Harris wurde 1964 im kalifornischen Oakland als Tochter eines aus Jamaika eingewanderten Wirtschaftsprofessors und einer aus Indien stammende Krebsforscherin geboren. Sie studierte an der historischen Schwarzen-Universität Howard University in Washington und machte einen Jura-Abschluss an der University of California. Seit 2014 ist sie mit einem Anwalt verheiratet, der zwei Kinder mit in die Ehe brachte. Ihre steile Justiz-Karriere führte sie in die Politik. Kamala Harris ist die zweite Afroamerikanerin in der Geschichte, die in den US-Senat gewählt wurde. Sie gehört zu den bekanntesten schwarzen Politikerinnen des Landes.

Sie wollte selbst US-Präsidentin werden

Eigentlich wollte sie US-Präsident Donald Trump im November den Präsidentenposten selbst streitig machen und hatte versprochen, das Land wieder einen zu wollen. Zu Beginn galt sie als chancenreiche Kandidatin. Ihre Kampagne konnte den anfänglichen Schwung aber nicht aufrecht erhalten. Ihre Beziehung zu Biden gilt als gut, auch wenn die beiden im Präsidentschaftsrennen einige Male aneinander gerieten. Als Generalstaatsanwältin habe sie eng mit Bidens Sohn Beau zusammengearbeitet, zusammen hätten sie es mit den großen Banken aufgenommen, die arbeitende Bevölkerung unterstützt und Frauen und Kinder vor Missbrauch geschützt, erklärte Biden. "Ich war damals stolz und ich bin jetzt stolz, sie als meine Partnerin in dieser Kampagne zu haben."

Biden bezeichnete Harris als eine "furchtlose Kämpferin für die einfachen Menschen und eine der besten öffentlichen Bediensteten des Landes". Harris hat große Erfahrung: Nach Jahren als Staatsanwältin in San Francisco wurde sie 2011 als erste Frau und erste Schwarze Generalstaatsanwältin und damit Justizministerin von Kalifornien. Sechs Jahre später zog sie in den Senat in Washington ein. Mit scharf formulierten Fragen kann Harris politische Gegner in die Ecke drängen - und mit einem herzhaften Lachen Sympathien gewinnen. Sie ist außerdem, wie Biden am eigenen Leib erfuhr, sehr gut im Debattieren - eine im Wahlkampf wichtige Qualität.

»Sie wird von einigen Leuten dieser Gemeinschaft, vor allem jungen Schwarzen, als Teil des Problems angesehen, nicht als Teil der Lösung«

Natürlich spielt auch Harris' Hautfarbe eine Rolle. Nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz Ende Mai und den dadurch ausgelösten landesweiten Black-Lives-Matter-Protesten stieg der Druck auf Biden, eine nicht-weiße Kandidatin auszuwählen. Harris sollte helfen, die Wählerstimmen von Schwarzen und Frauen zu mobilisieren. Allerdings betrachten nicht wenige Harris' Vergangenheit als kalifornische Justizministerin als Problem. Sie galt damals als hart und wenig reformorientiert, was sie insbesondere bei Minderheiten umstritten macht.

Kamala Harris
© APA/AFP/Robyn Beck Joe Biden und Kamala Harris

"Sie wird von einigen Leuten dieser Gemeinschaft, vor allem jungen Schwarzen, als Teil des Problems angesehen, nicht als Teil der Lösung", sagt der Politikprofessor David Barker. Bürgerrechtsaktivisten halten Harris aber zugute, unter anderem mit der Veröffentlichung von Daten zu Polizeigewalt für viel Transparenz gesorgt zu haben.

Harris inhaltliche Positionen sind klar: Sie will Steuern erhöhen und die Ausgaben für das Militär kürzen. Sie tritt außerdem gegen das sogenannte Fracking zur Förderung von Öl und Gas sowie für ein "verstaatlichtes" Gesundheitswesen ein. Im Wahlkampf hatte Donald Trump Harris mit abschätzigen Äußerungen attackiert. Er sei "überrascht" über Bidens Wahl, schließlich habe die schwarze Senatorin im Vorwahlrennen der Demokraten "sehr, sehr schlecht" abgeschnitten. Trump warf Harris auch vor, im Vorwahlkampf der Demokraten "sehr gemein" und "respektlos" mit Biden umgegangen zu sein.

Nummer zwei im Staat

Das Amt der Vizepräsidentin könnte Harris zu einer der mächtigsten Frauen des Landes machen. Zwar wurde der Posten lange belächelt, aber manchmal können Vizepräsidenten sehr mächtig sein: Ursprünglich war der Posten nur ein Trostpreis. In den ersten Jahren nach der Staatsgründung wurde Vizepräsident, wer bei der Präsidentschaftswahl auf dem zweiten Platz gelandet war. Das änderte sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Zuge einer Wahlreform.

In der Verfassung findet sich wenig über die konkreten Aufgaben des Vizepräsidenten, der wegen der Abkürzung VP umgangssprachlich Veep genannt wird. Protokollarisch ist er die Nummer zwei im Staat. Sein tatsächlicher Einfluss hängt stark davon ab, wie viel Raum der Präsident ihm lässt - und wie er selbst das Amt gestaltet. Als einer der mächtigsten Vizepräsidenten der US-Geschichte gilt Dick Cheney, der George W. Bush von 2001 bis 2009 als Stellvertreter diente. Biden, unter Präsident Barack Obama in den folgenden acht Jahren Vize, übernahm eine Reihe wichtiger Aufgaben.

© Getty Images Kamala Harris mit Ehemann Douglas Emhoff

Die Verfassung sieht für den Vizepräsidenten eine entscheidende Rolle vor: Er rückt als Präsident nach, wenn der Amtsinhaber stirbt, das Amt aus bestimmten Gründen nicht ausfüllen kann, zurücktritt oder des Amtes enthoben wird. So wurde Lyndon B. Johnson 1963 nach der Ermordung von John F. Kennedy Präsident. Elf Jahre später löste Gerald Ford den im Zuge der Watergate-Affäre zurückgetretenen Richard Nixon ab.

Sprungbrett zum Chefposten im Weißen Haus

Mit dem Wahlerfolg gegen Trump hat Harris Geschichte geschrieben - als erste Frau und erste Schwarze im Amt des Vizepräsidenten. Und der Traum von der Präsidentschaft ist sicherlich nicht ausgeträumt: Das Amt des Vizepräsidenten war in der US-Geschichte oft ein Sprungbrett ins höchste Staatsamt. Da Harris nun an Bidens Seite das Weiße Haus erobert hat, könnte sie weiter an Statur gewinnen - und so irgendwann Bidens Nachfolgerin werden.