Rückblick von

Als der Opernball 2000
aus dem Takt geriet

Rückblick - Als der Opernball 2000
aus dem Takt geriet © Bild: PFARRHOFER Herbert/GI/APA

Die schwarz-blaue Koalition brachte den Opernball 2000 aus dem Takt. Stargäste sagten reihenweise ab, vor der Oper demonstrierten 15.000 Menschen.

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Während die gegenwärtige schwarz-blaue Koalition im Vorfeld des Wiener Opernballs am 8. Februar bisher kaum für Ungemach sorgt, kam das mondäne Fest bei der Erstauflage dieser Konstellation im Jahr 2000 gehörig aus dem Takt: Stargäste sagten reihenweise ab, vor der Oper demonstrierten 15.000 Menschen und schließlich machte noch Schauspieler Hubsi Kramar im Hitler-Kostüm seine Aufwartung.

»Ich bin kein kleines Mädchen mehr, das glaubt, dass immer alles wie auf Wolken geschehen muss«

Der Plan der damaligen Organisatorin Elisabeth Gürtler war eigentlich gewesen, die EU-Ratspräsidentschaft von Portugal in den Mittelpunkt zu rücken. Auf Einladung des damaligen Bundespräsidenten Thomas Klestil sollte etwa Staatspräsident Jorge Sampaio das Fest besuchen. Das Haus wurde extra mit 1.500 portugiesischen Orchideen geschmückt. Übrig blieben von dem Motto dann aber nur die Blumen: Sampaio sagte seine Teilnahme aufgrund der politischen Rahmenbedingungen wieder ab. Auch prominente Künstler wie Startenor Neil Shicoff oder Klaus Maria Brandauer blieben der Veranstaltung fern. "Ich bin kein kleines Mädchen mehr, das glaubt, dass immer alles wie auf Wolken geschehen muss", sagte Gürtler damals der APA.

© APA-Photo: Robert Jaeger

Kalt-warm für Richard Lugner

Auch Richard Lugner, ohnehin nicht gerade bekannt für seinen stoischen Charakter, bekam es kalt-warm. Sein ursprünglich geplanter Stargast Catherine Deneuve verweigerte postwendend, was der Baumeister noch locker wegsteckte - hatte er doch auch noch die Diva Claudia Cardinale im Köcher. "Die Claudia Cardinale ist auch ein französisches Idol. Sie kommt als Friedenstaube, um die angeknacksten Beziehungen zwischen Österreich und Frankreich ins Lot zu bringen", offenbarte Lugner damals. Kurz daraufhin sagte auch sie ab. Schließlich angelte sich der Baumeister immerhin Jacqueline Bisset, die allerdings in Frankreich noch bei der Fahrt zum Flughafen immer wieder umdrehen wollte.

© APA-Photo: Herbert Pfarrhofer Christina Lugner, Jacqueline Bisset,Richard Lugner und Peep-Moderatorin Nadja Abdel Farrag ("Naddel") (v.l.n.r.)

Auch Sexsternchen, die damals noch reichlich auf dem Ball zu Gast waren, war die Koalition offenbar zu sündig. "Auch wir sind Opfer der Innenpolitik", sagte der damalige Herausgeber des Kontaktmagazins ÖKM, Thomas Janisch. So musste der Ball im Jahr 2000 das Fernbleiben des Transvestiten Chi Chi La Rue, des lesbischen Duos Janine und Julia Ann und John Wayne Bobbit - durch eine Attacke seiner Frau vorübergehend penislos - hinnehmen.

Der Ball selbst war dann auch Schauplatz einer schrillen Protestaktion: Der Kabarettist und Schauspieler Hubsi Kramar ließ sich als täuschend echter Adolf Hitler in einem weißen Rolls Royce zum Opernball bringen. Er schaffte es noch bis zur Feststiege, bevor er von der Polizei festgenommen wurde.

Die Regierung sorgte zudem für ein Wiederaufleben der Opernball-Demo. Rund 15.000 Menschen machten vor dem Sangeshaus unter "Widerstand"-Rufen mobil. Der Protest blieb weitgehend friedlich, ein rund 500 Mitglieder starker Block von Autonomen versuchte aber - vergeblich - zur Oper durchzubrechen.

© APA-Photo: Herbert Pfarrhofer Der damalige Bundeskanzler Wolfgang Schüssel mit Gattin Krista auf der Feststiege der Oper vor Beginn des Opernball 2000

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