Hofburg von

Ein Jahr Van der Bellen:
Präsident will "unserer" sein

Auf Sieg über Hofer folgte Aufschwung von Schwarz-Blau

Van der Bellen © Bild: APA/Techt

Heute ist es genau ein Jahr her, dass Alexander Van der Bellen zum Bundespräsidenten der Republik Österreich gewählt wurde. Seither bemüht er sich redlich, "unser" Bundespräsident zu werden, wie er es am Wahltag formuliert hat. Für die Grünen, seine frühere Partei, war der Triumph ein Pyrrhussieg, und FPÖ und ÖVP gingen aus der folgenden Nationalratswahl als Sieger hervor.

Ähnlich wie sein Vorgänger Heinz Fischer strebte Van der Bellen von Beginn an die Rolle des überparteilichen Vermittlers und Mahners an. Konterkariert wurde dies allerdings durch seinen Hang, an ihn gestellte Fragen zwar bedächtig, aber doch recht offen zu beantworten. "Ich täte es nicht", meinte er etwa im September 2015 (also noch vor Bekanntgabe seiner Kandidatur) zur Frage, ob er eine FPÖ-geführte Bundesregierung angeloben würde. Heute steht er kurz davor, einer schwarz-blauen Koalition wohl oder übel seinen Sanctus zu geben.

Unverblümte Aussagen sorgen für Aufmerksamkeit

Auch sein Sager über das Kopftuchtragen aus Solidarität gegen Islamophobie stieß manche vor den Kopf, und erst jüngst brachten ihm seine unverblümt ablehnenden Aussagen über Innen- und Außenministerposten für bestimmte FPÖ-Politiker einige Aufmerksamkeit. Das rot-schwarze-Vollverschleierungsverbot kritisierte er als "kein gutes Gesetz". Im APA-OGM-Vertrauensindex findet sich Van der Bellen durchwegs im positiven Bereich, von den Traumwerten seines Amtsvorgängers Fischer ist er aber weit entfernt.

Weniger streiten, mehr zuhören

Am Wahltag war der Jubel seiner Unterstützer, die sich aus fast allen Lagern jenseits der Freiheitlichen rekrutierten, jedenfalls groß. Er selbst sah ein "rot-weiß-rotes Signal für Europa", und gemäß seiner "Heimat"-Wahlkampflinie wurde bei Van der Bellens Wahlparty "I am from Austria" und die Bundeshymne angestimmt. Weniger streiten, mehr zuhören lautete die Botschaft, die er nach dem Feststehen seines Sieges verkündete. Er wolle - "eh klar" - ein Bundespräsident für alle in Österreich lebenden Menschen sein, sagte er bei seiner Angelobung.

International wurde die Wahlentscheidung der Österreicher als eine gegen den Rechtspopulismus und das Anti-Establishment-Wutwählen gefeiert. Nicht einmal ein Jahr später folgte bei der Nationalratswahl dann die Gegenbewegung mit einem kräftigen Aufschwung für FPÖ und ÖVP. Demnächst könnte Van der Bellen seinen freiheitlichen Herausforderer Norbert Hofer als Minister angeloben müssen.

Zustimmung aus EU-Institutionen

Zu Van der Bellens Kür kamen zustimmende Bekundungen nicht nur aus vielen europäischen Staaten, sondern auch aus den EU-Institutionen. Dorthin, nämlich nach Brüssel und Straßburg, führte ihn auch sein erste Auslandsreise. Kommissionspräsident Jean Claude Juncker und Ratspräsident Donald Tusk begrüßten den ex-grünen Professor freudig. "Ich bin Österreicher und ein Kind Europas", sagt er im Europaparlament: "Wir können unser Heimatland lieben und die europäische Idee." In den Monaten danach folgten Nachbar- und Bundesländerbesuche.

Ordnungsrufe und gegen Abschottung

Dass ein österreichischer Bundespräsident auf tagespolitische Wortmeldungen lieber verzichten sollte, hat Van der Bellen grundsätzlich verinnerlicht. Aus seiner Haltung pro Europa und contra Abschottung machte er aber weder vor noch nach der Wahl ein Hehl, ansonsten übte er sich in Ordnungsrufen an die im Streit zu Ende gehende SPÖ-ÖVP-Koalition. Im Nationalratswahlkampf kritisierte er die "Unkultur des Gegeneinander". Auch von einer künftigen Bundesregierung fordert er europäische Offenheit ein und hat damit wohl einen Weg gefunden, sich mit einer FPÖ-Regierungsbeteiligung abfinden zu können.

Mit Bedauern quittierte Van der Bellen das Scheitern seiner Grünen bei der Nationalratswahl. "Das tut weh, ist schon schmerzhaft", meinte er noch am Abend der Nationalratswahl. Die Parteistrukturen hätten überarbeitet gehört, "das ist mit meinem Rücktritt leider eingeschlafen", hatte er schon vor der Wahl kritisiert.

Der Bundespräsident in Zitaten:

"Ich täte es nicht." - Noch lange nicht Bundespräsident, will Van der Bellen im September 2015 eine FPÖ-geführte Bundesregierung nicht angeloben.

"Wir haben gewonnen." - Van der Bellen, gewohnt trocken, bei seiner Wahlparty am 4. Dezember 2016.

"Versuchen wir weniger miteinander zu streiten und mehr einander zuzuhören, beginnen wir miteinander zu reden." - Das Wahlergebnis steht, Van der Bellen will ein Präsident für alle sein.

"Ich gelobe, dass ich die Verfassung und alle Gesetze der Republik getreulich beobachten und meine Pflicht nach bestem Wissen und Gewissen erfüllen werde." - 26. Jänner 2017, es ist fix.

"Es ist an und für sich - wie soll ich sagen - auf gut Österreichisch 'eh klar'." - Der Bundespräsident und die Überparteilichkeit.

"Wir können unser Heimatland lieben und die europäische Idee." - Freundliche Worte in Straßburg freuen die Europaparlamentarier.

"Es wird noch der Tag kommen, an dem wir alle Frauen bitten müssen, ein Kopftuch zu tragen." - Van der Bellen setzt sich in die Nesseln.

"In der Früh löse ich erst mal ein Sudoku." - Kein Twitter zum Frühstück, so startet Alexander Van der Bellen in den Tag.

"Wir sind enge Verwandte, und wie Sie wissen sind enge Verwandte nicht immer die besten Freunde." - Verbunden durch das Kettenrauchen: VdB auf Besuch beim tschechischen Präsidenten Milos Zeman.

"Ich empfinde die vorzeitige Neuwahl nicht als Drama." - Ruhe ist die erste Bürgerpflicht.

"Das tut weh, ist schon schmerzhaft." - Keine Grünen mehr im Parlament, ihr Ex-Chef trauert.

"Nach Vorliegen des endgültigen Wahlergebnisses habe ich den Vorsitzenden der stimmenstärksten Partei, ÖVP-Obmann Sebastian Kurz, mit der Regierungsbildung beauftragt." - Die Koalitionsgespräche können beginnen.

"Ich wäre bei jedem Satz froh, wenn er mir eingefallen wäre." - Van der Bellen bewundert Papst Franziskus' Wortgewandtheit.

Kommentare

Ich habe Alexander van der Bellen als einen Bewahrer unserer humanen Werte gewählt und bin überzeugt, daß wir keinen besseren bekommen hätten können. Er steht für das miteinander, mehr für christliche Werte als so mancher andere, der sich konfessionell als christlich bezeichnet. Alexander van der Bellen ist goldrichtig

Alexander van der Bellen bemüht sich wenigstens, er ist einer, der Gräben zu überwinden versucht, er streckt seine Hand aus. Grad bei der Angelobung hat man das wieder gesehen. Nur gedankt wird es ihm nicht. Im Gegenteil, er wird als unfähig dargestellt, lächerlich gemacht. Egal was er tut, es wird ihm nicht gut, sondern schlecht geschrieben. Er bringt anderen Respekt entgegen, ist integrativ.

luv2girls

VdB wird zur Kenntnis nehmen müssen, dass geschätzt 20% der Österreicher ihn um seiner selbst willen gewählt haben. Der Rest auf 53%, also 33%, waren jene, die Hofer als Präsidenten verhindern wollten. 47% haben Hofer gewählt, nicht wenige davon auch, um VdB zu verhindern. Und diese 80% will er für sich gewinnen, indem er ein Präsident für alle Österreicher sein will? Viel Glück!

luv2girls

In der Schule haben wir gelernt, dass der Bundespräsident der höchste Schützer und Bewahrer des Staates Österreich sei. Was VdB von der Souveränität und der Existenz Österreichs als Staat hält, sagte er hier (vor der Bekanntgabe der Kandidatur) deutlich:
https://www.youtube.com/watch?v=8tyyC9BXuQA

luv2girls

Sie schreiben: "Für die Grünen, seine frühere Partei...". Ja, ist denn VdB nicht mehr Parteimitglied bei den Grünen? Ist er etwa ausgetreten, so wie einst bei den Freimaurern?

Null Leistung, inhaltloses Geschwätz.Geldverschwendung und unverschämtes Gehalt!! Typischer Grüner!

Anton Aman

Herr Professor van der Bellen ist kein Präsident aller Österreicher,
seine grüne Gesinnung kommt vorwiegend zu Tage, BLAU lehnt er
prinzipiell ab und es ist inakzeptabel einen Europaabgeordneten,
der demokratisch gewählt wurde und Österreich in Brüssel vertritt,
als möglichen Minister nicht angeloben zu wollen!?
Seine "Grünen", die ihn immens finanziert haben, erhielten vom
W. die Antwort!!!

Seite 1 von 1