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Schülertag bei Van der Bellen: Ein mahnender Präsident zum Angreifen

Präsident empfing 7 Klassen in Hofburg - Selfies, Fragestunde und mahnende Worte

Van der Bellen © Bild: APA/Georg Hochmuth

Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat am Dienstag zum ersten Mal mehrere Schulklassen in der Hofburg empfangen. Nach einer Fragestunde ging der Präsident beim Selfie-Shooting auf Tuchfühlung mit den jungen Gästen. Zuvor betonte er, ein überparteiliches Staatsoberhaupt sein zu wollen; als solches müsse man ab und zu auch Mahnungen aussprechen - was er in Richtung Regierung auch gleich tat.

Eingeladen hatten sich die etwa 16- bis 18-jährigen Schüler durchwegs selbst: In zahlreichen Briefen wurde um einen Empfang beim Präsidenten gebeten; anlässlich des Europatages öffnete Van der Bellen nun erstmals in seiner bisher rund 100 Tage zählenden Amtszeit die Präsidentschaftskanzlei. Die rund 250 Schüler aus ganz Österreich begrüßten das Staatsoberhaupt - nach einer kurzen Führung durch die prunkvollen Räumlichkeiten - mit lautstarkem Applaus.

"Ich bin nicht der Kaiser, sondern nur der gewählte Bundespräsident", versuchte Van der Bellen gleich zu Beginn den Eindruck des imperialen Rahmens ein wenig zu relativieren. Und er habe auch keine Schatzkammer in der Hofburg, danach sei er schon einmal von ganz jungen Besuchern gefragt worden, wie er zum Amüsement der Gäste erzählte.

In einer einleitenden Ansprache erörterte Van der Bellen die Bedeutung der Europäischen Union, vor allem angesichts des zweiten Weltkrieges und der Nazi-Diktatur. "Ich hoffe, dass insbesondere die jungen Leute sich bewusst sind, dass mit den alten Kleinstaaten, wie sie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts existiert haben, kein Staat zu machen ist", plädierte er für "transnationale Kooperationen". "Auf Sie kommt es an, was aus diesem Europa noch wird", sagte er zu den Jugendlichen.

Danach waren die Gäste an der Reihe und konnten Fragen an den Präsidenten stellen. Interesse hatten die Schüler vor allem an Persönlichem und Grundsätzlichem, etwa, wieso sich Van der Bellen denn überhaupt für den Weg in die Politik entschieden hat oder warum er sich in seinem Alter noch der Kandidatur zum Bundespräsidenten gestellt hat - "wenn Sie eigentlich schon in Pension sein könnten".

Es sei wohl "aus Interesse" geschehen, beantwortete er die Frage nach seiner Motivation. "Wer sagt denn, dass man in diesem Alter keine Risiken eingehen kann?", fragte er.

Etwas politisch wurde es, als er nach seiner Bestrebung gefragt wurde, nicht nur als "der Präsident", sondern als "unser Präsident" wahrgenommen werden zu wollen: Er hoffe, dass insgesamt der Eindruck entstehe, dass er sich um Themen kümmert, die alle betreffen, "die nicht parteipolitisch in irgendeiner Weise punziert sind". Das sei im Einzelfall nicht so leicht: "Man muss auch Entscheidungen treffen, man muss auch öffentlich einmal etwas sagen, vielleicht einmal eine Rüge oder eine Mahnung austeilen - und die richtet sich an jemanden."

Dieser "Jemand" war am Dienstag niemand geringerer als die Bundesregierung: Gleich zu Beginn seines Statements bezeichnete er den Streit in der Koalition als "schädlich" für das Ansehen der Politik und rief zu mehr Sachlichkeit auf. Die Bevölkerung erwarte, dass die Politik Probleme löse, sagte er.

Ansonsten sparten die Schüler allzu heikle politische Fragen aus, dafür wollte etwa ein Berufsschüler wissen, ob Van der Bellen vielleicht einmal daran gedacht habe, einen handwerklichen Beruf zu erlernen. "Ich bin da ziemlich unbegabt", verriet der Wirtschaftsprofessor: Er scheitere ja schon daran, ein Bild aufzuhängen. Geschadet hätte es ihm sicherlich nicht, ein Handwerk zu erlernen: "Vielleicht wäre ja was aus mir geworden", scherzte er - um gleichzeitig allen Berufsgruppen seinen "größten Respekt" auszusprechen.

Großes Interesse fand anschließend die Foto-Möglichkeit mit dem Präsidenten. Neben Gruppenfotos der einzelnen Schulen - eine der Klassen hatte für den Besuch sogar eine Schularbeit verschoben - stellte sich Van der Bellen auch den zahlreichen Selfie-Wünschen der Gäste. Diese fanden den Präsidenten durchaus volksnah, wie einige am Ende der Veranstaltung kundtaten. Van der Bellen selbst war von seinen "Premierengästen", wie er die Schüler bezeichnete, angetan und kündigte gegenüber der APA an, dass er sein Büro in Zukunft öfter für Schülergruppen öffnen wird.

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